Wegen S-Bahn-Problemen Berliner Senat straft Deutsche Bahn ab

Es war zu viel Chaos: Der Berliner Senat prüft, den Betrieb seiner S-Bahnen erstmals auszuschreiben - und damit für andere Anbieter als die Deutsche Bahn zu öffnen. Damit reagiert er auf die verheerenden Ausfälle der vergangenen Monate.

S-Bahn in Berlin: "Vertrauen erschüttert"
Reuters

S-Bahn in Berlin: "Vertrauen erschüttert"


Berlin - Die Verärgerung ist deutlich, und beim Berliner Senat macht man aus ihr auch keinen Hehl: Angesichts des anhaltenden S-Bahn-Chaos in der Hauptstadt will die Berliner Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer das Monopol der Bahn beim S-Bahn-Betrieb brechen. "Wir müssen uns befreien aus der Abhängigkeit eines monopolistischen Unternehmens", sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag in Berlin. Sie plant, erstmals einen Teil des Streckennetzes über eine Ausschreibung neu zu vergeben.

Was der Senat dafür im Einzelnen plant, dürfte den bisherigen Betreiber, die Deutsche Bahn, wenig erfreuen: Man prüfe derzeit drei Optionen, hieß es in Berlin. So werde über eine Ausschreibung für ein Teilnetz der S-Bahn nachgedacht, das in etwa einem Viertel des Leistungsumfangs der S-Bahn entsprechen könnte. Bis Anfang Februar solle über die für eine Ausschreibung in Frage kommenden Linien entschieden werden. Später sei auch die Ausschreibung weiterer Teile denkbar.

Auch geprüft wird eine weitere Möglichkeit: die Direktvergabe des Betriebes an die Berliner Verkehrsbetriebe BVG. Ebenfalls vorstellbar sei der Erwerb der S-Bahn und eine anschließende Ausschreibung durch das Land. Eine Vergabeentscheidung könnte nach Angaben der Senatorin 2012 getroffen werden, wirksam würde sie dann mit Ablauf des derzeitigen S-Bahn-Vertrags im Jahr 2017.

Bahn schließt Verkauf aus

Der Vorstoß ist eine direkte Reaktion auf das anhaltende Chaos im Berliner S-Bahn-Betrieb: Die Fahrgäste müssen seit rund einem Jahr zum Teil erhebliche Einschränkungen hinnehmen. Seit Sommer bietet die S-Bahn ihren Kunden nur noch einen eingeschränkten Betrieb an. Anlass sind zusätzliche Prüfauflagen des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA), nachdem Wartungsmängel an Rädern und später an Bremszylindern bekanntgeworden waren.

Die Verärgerung über die Vorfälle sei extrem, hieß es im Senat, das Vertrauen in den Partner Deutsche Bahn "erschüttert". Der Deutschen Bahn zufolge will die S-Bahn noch in diesem Jahr wieder einen regulären Fahrplan anbieten.

Die Bahn hat einen Verkauf der S-Bahn an das Land allerdings am Donnerstag ausgeschlossen. "Ein Rückzug oder Verkauf steht für uns nicht zur Debatte", sagte der Vorstand Personenverkehr des Konzerns, Ulrich Hombug.

sam/ddp/dpa-AFX



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Seite 1
c.werner 07.01.2010
1. .
Zitat von sysopEs war zu viel Chaos: Der Berliner Senat prüft, den Betrieb seiner S-Bahnen erstmals auszuschreiben - und damit für andere Anbieter als die Deutsche Bahn zu öffnen. Damit reagiert er auf die verheerenden Ausfälle der vergangenen Monate. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,670642,00.html
Na hoffehnlich hilft es was. Wer dieses, seit Monaten andauernde Theater nicht wirklich mal erlebt hat, glaubt es kaum. Voller Fahrpreis bei 1/3 Leistung, das gibt es nur in Berlin. Einer Hauptstadt wirklich unwürdig.
Berlinjoey 07.01.2010
2. Gurkentruppe
Zitat von c.wernerNa hoffehnlich hilft es was. Wer dieses, seit Monaten andauernde Theater nicht wirklich mal erlebt hat, glaubt es kaum. Voller Fahrpreis bei 1/3 Leistung, das gibt es nur in Berlin. Einer Hauptstadt wirklich unwürdig.
Der Hauptstadt ebensfalls unwürdig ist diese Gurkentruppe, die sich selbst Berliner Senat nennt mit dem Nichtskönner an der Spitze. Mit der DBAG als Betreiber der S-Bahn muss Berlin noch mindestens bis 2017 leben, diese Gurkentruppe kann schon 2011 abgewählt werden.
franklinber, 07.01.2010
3. Wieso jetzt erst?
genau deswegen haben wir doch das Problem. Denn Berlin hatte die Strecke nicht ordentlich Vergeben, das Gleiche Gilt für die BVG, wo die Mitarbeiter durch den Regeierenden Bürgermeister Wowereit eine Job Garantie bis 2020 erhalten haben, natürlich auf Kosten der Berliner Bürger!
c.werner 07.01.2010
4. .
Zitat von BerlinjoeyDer Hauptstadt ebensfalls unwürdig ist diese Gurkentruppe, die sich selbst Berliner Senat nennt mit dem Nichtskönner an der Spitze. Mit der DBAG als Betreiber der S-Bahn muss Berlin noch mindestens bis 2017 leben, diese Gurkentruppe kann schon 2011 abgewählt werden.
Die Nichtskönner gibt es in Berlin parteiübergreifend. Wen soll man da noch wählen?
_j_o_e_ 07.01.2010
5. Recht so...
Recht so. Das Verhalten der S-Bahn Berlin ist nicht nachvollziehbar. Wobei - unter dem Aspekt des unbedingten Gewinnstrebens - schon. Da werden (auf Grund akuter Sicherheitsmängel und Gefahr für die Fahrgäste) bestimmte Überprüfungen verpflichtend angeordnet und die S-Bahn Berlin ignoriert diese wissentlich. Seit Monaten ist die S-Bahn Berlin nicht in der Lage den Normalbetrieb zu gewährleisten. Und dafür zahlt das Land Berlin der S-Bahn - zusätzlich zu den gezahlten Fahrpreisen aller Gäste - ca. EUR 250 Mio jährlich. Und immerhin erwirtschaftete die S-Bahn Berlin für das Jahr 2008 EUR 56 Mio., welche sie an die Muttergesellschaft, die Deutsche Bahn abführte. Eine echte Entschädigung der Fahrgäste - insbesondere der Dauerkartenbesitzer - steht bis heute aus. Wünschenswert wäre es, wenn der Senat die Bahn verpflichtete, die Kartenpreise dem Umfang des tatsächlichen Angebots in Relation zum Soll anzupassen: Wenn nur 75% oder gar weniger der geschuldeten Leisung erbracht werden, zahlen die Fahrgäste eben auch nur für diesen Teil der Leistung - und bekommen somit 25% Rabatt. Stattdessen lässt sich die Bahn dazu hinreißen, an den Adventswochenenden einen Einzelfahrschein als Tagesticket zu werten. Na besten Dank - vor allem im Sinne der Berufspendler und Dauerkarteninhaber. Leider dürfte es schwierig sein, bei einer Ausschreibung einen echten Wettbewerber auszumachen, der in der Lage wäre, den Betrieb zu übernehmen. Insofern bleibt nur zu wünschen, dass das Land Berlin aus der Geschichte lernt und die künftigen Verträge mit der S-Bahn Berlin entsprechend absichert. Damit lässt sich zwar Fehlverhalten nicht vermeiden, aber zu mindest angemessen kompensieren.
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