Weiche Umschuldung Erste Banken wollen Griechenlands Kredite stunden

Es gibt unerwartete Hoffnung im Kampf gegen Griechenlands drohende Staatspleite: Die ersten Geldhäuser haben laut Nachrichtenagentur Reuters Zustimmung zu einem Zahlungsaufschub signalisiert. Eine freiwillige Umschuldung des Krisenstaats wird damit wahrscheinlicher.

Dexia-Filiale in Brüssel: Zustimmung nach Gesprächen mit belgischer Notenbank
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Dexia-Filiale in Brüssel: Zustimmung nach Gesprächen mit belgischer Notenbank


Brüssel/Athen - Die Beteiligung privater Gläubiger an einer Umschuldung Griechenlands nimmt konkretere Formen an: Die französisch-belgische Bankengruppe Dexia ist zu einem Zahlungsaufschub bereit, ebenso italienische Geldhäuser und die französische Crédit Agricole, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf informierte Personen.

Damit zeigen die ersten Banken eine größere Bereitschaft zu helfen, als zuletzt erwartet worden war: Kanzlerin Angela Merkel und der französische Staatschef Nicolas Sarkozy hatten sich am vergangenen Freitag darauf geeinigt, dass eine Beteiligung der privaten Gläubiger an einer Umschuldung strikt freiwillig erfolgen solle.

Es handelt sich um größere Beträge: Dexia hat Griechenland nach eigenen Angaben 5,4 Milliarden Euro geliehen und ist laut Finanzkreisen generell zu einer Beteiligung an neuen Hilfen für das hochverschuldete Land bereit. Die Bank habe signalisiert, einer freiwilligen Laufzeitverlängerung der Staatsanleihen zustimmen zu können, sagte ein Insider. Das sei das Ergebnis von Gesprächen des Instituts mit der belgischen Notenbank gewesen. Die europäischen Zentralbanken gelten prinzipiell als entschiedene Gegner einer Umschuldung Griechenlands.

Allerdings will Dexia offenbar nicht die gesamten Schulden Griechenlands freiwillig verlängern, sondern nur 4,2 Milliarden Euro. Weder Dexia noch die belgische Notenbank wollten sich auf Reuters-Nachfrage äußern.

Große EU-Staaten verhandeln derzeit mit den Banken

Auch mehrere italienische Banken sind nach Angaben aus Regierungskreisen zu einem Zahlungsaufschub bereit. Die französische Crédit Agricole hat ihr Entgegenkommen ebenfalls signalisiert. Sie hat Griechenland besonders viel Geld geliehen.

In Europa sprechen derzeit allerorten Regierungen oder die Zentralbanken mit den privaten Gläubigern des südeuropäischen Landes: So verhandelt das Bundesfinanzministerium laut Insidern mit deutschen Instituten über eine freiwillige Beteiligung am neuen Hilfspaket. Zu ihnen sollen unter anderem die Deutsche Bank Chart zeigen und die Allianz Chart zeigen gehören.

Die Notenbanken Frankreichs und der Niederlande erörtern mit ihren Banken eine Laufzeitverlängerung für die griechischen Schulden. In Spanien ist Wirtschaftsministerin Elena Salgado mit der dortigen Finanzbranche im Gespräch.

Ein Zahlungsaufschub wäre für Griechenland enorm wichtig: Das mit 340 Milliarden Euro verschuldete Land bekäme eine Atempause, um sein Defizit abzubauen, Reformen umzusetzen und wirtschaftlich zu genesen. Allein im Juli und August muss Griechenland Anleihen im Wert von mehr als neun Milliarden Euro zurückzahlen. Ohne eine neue, zwölf Milliarden Euro schwere Tranche aus dem bereits im vergangenen Jahr beschlossenen 110-Milliarden-Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds ( IWF) droht Griechenland die Pleite.

US-Fed-Chef Bernanke warnt vor weltweiten Folgen einer Pleite

Doch auch dies wird nicht reichen: Am Donnerstag begann ein Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel, um einem weiteren Hilfspaket von bis zu 120 Milliarden Euro grundsätzlich zuzustimmen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das neue Sparpaket der griechischen Regierung in der kommenden Woche im Parlament beschlossen wird. Es enthält Einsparungen in Höhe von 28 Milliarden Euro, zusätzlich will die Regierung mit der Privatisierung von Staatsbeteiligungen 50 Milliarden Euro erlösen.

Obwohl Regierungschef Georgios Papandreou in der Nacht auf Mittwoch ein Misstrauensvotum ohne Gegenstimme aus den eigenen Reihen überstanden hat, ist die Verabschiedung des neuen Sparprogramms ungewiss. Zu knapp sind die Mehrheitsverhältnisse. Das Athener Parlament stimmt kommende Woche über das umstrittene Spar- und Privatisierungsprogramm Papandreous ab. Falls der Premier scheitert, geben die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) kein Geld mehr, und das hoch verschuldete Land ist direkt pleite.

Die EU-Staats- und Regierungschefs wollen Griechenland offenbar zudem mit einer schnelleren Auszahlung von EU-Fördergeldern helfen. Das geht aus dem Entwurf für die Abschlusserklärung für den Gipfel hervor, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte vorgeschlagen, auf diese Weise eine Milliarde Euro zu mobilisieren.

Am Donnerstagabend bekam Papandreou bei dem Gipfel für seinen Sparkurs Rückendeckung. Die EU-Chefs arbeiteten an einer Solidaritätserklärung für das Land. Oppositionsführer Antonis Samaras soll seine Blockadehaltung aufgeben. Die EU will ihm mit vorgezogenen Auszahlungen aus ihren Fördertöpfen entgegenkommen, um das Land aus der Rezession zu holen. Samaras blieb zunächst jedoch auch in Brüssel bei seiner Ablehnung des Athener Regierungsprogramms. Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker sagte es gebe "keinen Plan B", falls das Sparprogramm im Athener Parlament scheitern sollte.

Der Druck auf die EU, eine Pleite Griechenlands zu verhindern, wächst: US-Notenbankpräsident Ben Bernanke forderte eine rasche Lösung der Schuldenkrise. Er rechnet bei einer Pleite Griechenlands mit dramatischen Folgen: "Wenn eine Lösung der Situation misslingt, dann würde dies das europäische Finanzsystem und das weltweite Finanzsystem gefährden - und ich vermute auch die europäische Einheit."

fdi/Reuters

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Seite 1
kein Ideologe 23.06.2011
1. 234234234
Zitat von sysopEs gibt unerwartete Hoffnung im Kampf gegen Griechenlands drohende Staatspleite: Die ersten Geldhäuser haben laut Nachrichtenagentur Reuters Zustimmung zu einem Zahlungsaufschub signalisiert. Eine freiwillige Umschuldung des Krisenstaats wird damit wahrscheinlicher. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,770188,00.html
hm, ist ja schön, mal ein wenig Rationalität. Warum auch nicht. Im Gegensatz zu einer privaten Umschuldung, wo manchmal ein Idiot reicht der Blut sehen will, sind die Gläubiger (oder Ihre Vertreter) Banken. Und die können rechnen. Es ist nicht im Interesse der Banken, wenn wir eine richtige Eurokrise kriegen. Der Schaden wäre erheblich größer als die Kosten einer Stundung. Und das Risiko ist so fassbar, daß sie das auch gegenüber ihren Aktionären das vertreten können.
Maruk0815 23.06.2011
2. ...
Zitat von sysopEs gibt unerwartete Hoffnung im Kampf gegen Griechenlands drohende Staatspleite: Die ersten Geldhäuser haben laut Nachrichtenagentur Reuters Zustimmung zu einem Zahlungsaufschub signalisiert. Eine freiwillige Umschuldung des Krisenstaats wird damit wahrscheinlicher. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,770188,00.html
Wenn die Bank ihr verliehenes Geld nicht zurück verlangt, aber dennoch die Zinsen dieses Kredites einzieht, so ist das der selbe Effekt, als wenn sie die Kredite zurückerhält und dann den Betrag wieder für den selben Zinssatz verleiht. Nachdem man dann offiziell "geholfen" hat, kann man diese Kredite dann wieder bei der EZB hinterlegen und somit aus der eigenen Bilanz herausrechnen. Wo ist da die Beteiligung? Das Einzige was hierdurch erreicht wird ist, dass man sich für diesen Prozeß weitere Zeit erkauft und das dann der Bevölkerung auch noch als Hilfe verkauft wird.
wika 23.06.2011
3. Teufel oder Beelzebub …
Hatten nicht die amerikanischen Rate-ING-Agenturen eine weitere Herabstufung in Aussicht gestellt, sollten die weiche Umschuldung kommen? Sie wollten es als Zahlungsausfall werten und damit Griechenland weiter in den Ruin treiben. Pervers. Ok, aber das große Geld darf sich freuen, wir werden jetzt endlich die Akropolis privatisieren und einem mondänen Sammler gegen entsprechendes Entgelt ins Archiv schieben. Sprich die noch vorhandenen Werte der Griechen ihnen jetzt endlich auch noch zu entreißen, damit sie für entsprechend hohem Zins ihr alten Eigentum auch weiter nutzen können. Und wenn am Ende die Welt und alles Eigentum in Privathand ist, dann geht es uns besser? Siehe Wasserwerke in Deutschland. Ich sehe es als die letzte Schlacht alles hab und Gut gegen wertlose Scheinchen zu tauschen. Ok zuerst sind die Griechen dran, aber der Zins gebietet es am Ende, dass auch bei uns davor kein Halt gemacht wird. Es ist und bleibt ein abgekartetes Spiel, man muss es nur langsam spielen, wie mit dem Frosch im Kochtopf, langsam erhitzen, dann bekommt man ihn gar bevor er merkt worum es geht, denn dem heißen Wasser würde er sofort entfliehen. Merkt denn niemand, dass es hier einzig und allein um die *„Optimierung der Volksausbeute“* geht? Die Umverteilung von unten nach oben? … Link (http://qpress.de/2010/11/02/optimierung-der-volksausbeute/). Wie blind muss man sein diese Mechanismen nicht zu blicken und sie einfach zu billigen. Ich bin wahrlich alles andere als ein Kommunist, aber dieses elende System scheint uns doch noch (den Frosch) zu schaffen. Nochmal, dass Geld vermehrt sich durch Zins und Zinseszins exponentiell, die Menschen müssen für die Zinsen arbeiten, allerdings können sie ihre Arbeitskraft nicht exponentiell steigern, wie das Wachstum der Geldmenge es gebieten würde, ergo werden beide daran verrecken, das System wird die Menschen unter sich begraben … und außer einigen wenigen schreit niemand HALT, stattdessen werden die Politiker zu den Vollstreckern der Banken … am eigenen Volk … na Danke! Wir brauchen dringend ein besseres System,
Psycho Dad, 23.06.2011
4. Augenwischerei
Zitat von sysopEs gibt unerwartete Hoffnung im Kampf gegen Griechenlands drohende Staatspleite: Die ersten Geldhäuser haben laut Nachrichtenagentur Reuters Zustimmung zu einem Zahlungsaufschub signalisiert. Eine freiwillige Umschuldung des Krisenstaats wird damit wahrscheinlicher. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,770188,00.html
Wir erfahren nur von der einen Seite des Deals. Was die Banken für Ihre Zusage bekommen, werden wir vielleicht nie erfahren. Es wäre schön, wenn ausnahmsweise mal mit offenen Karten gespielt würde! Glaubwürdig ist nämlich niemand in der ganzen Angelegenheit.
Europa! 23.06.2011
5. Ich fass es nicht
Die europäischen Banker zeigen gesunden Menschenverstand. Was wird denn jetzt aus den SPIEGEL-Foristen, die außer Hass auf die bösen Banker nur €-Hass und Entengrütze im Kopf haben? Bitte nicht in den Teppich beißen! Da könnte EHEC dran sein.
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