Weiterbildung BA plant Geschenke für Kurs-Absolventen

Der Mangel an Fachkräften eröffnet Geringqualifizierten ganz neue Möglichkeiten: Sie können sich künftig eine Prämie verdienen, wenn sie einen Abschluss nachholen. Entsprechende Pläne will die Bundesagentur für Arbeit nach SPIEGEL-Informationen jetzt in einem Modellversuch ausprobieren.

Antragsannahme der Bundesagentur: Prämien sollen Motivation fürs Lernen erhöhen
DPA

Antragsannahme der Bundesagentur: Prämien sollen Motivation fürs Lernen erhöhen


Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will Geringqualifizierten eine Weiterbildungsprämie zahlen. Arbeitslose zwischen 25 und 35 Jahren, die die Abschlussprüfung einer mehrjährigen BA-Maßnahme bestehen, sollen nach SPIEGEL-Informationen einen Bonus von 1500 Euro erhalten. Nach bestandener Zwischenprüfung winken ihnen 1000 Euro. In Ost-Thüringen wollen Vorstand und Verwaltungsrat der BA das neue Modell von diesem Sommer an erproben.

Danach soll entschieden werden, ob es sich auch bundesweit übertragen lässt. Untersuchungen zeigten, dass das "Durchhaltevermögen vor allem von finanziellen Motiven" abhänge, heißt es in einer Beratungsunterlage für den Verwaltungsrat. Bislang bricht fast jeder dritte Teilnehmer seine von der BA geförderte Ausbildung oder Umschulung ab. Viele geben dafür auch finanzielle Gründe an: Sie seien nicht in der Lage, während ihrer Weiterbildung auf Einkommen zu verzichten.

Ganz uneigennützig verteilt die Bundesagentur die Prämien allerdings nicht. Die Maßnahmen sollen nicht zuletzt dazu dienen, den Mangel an Fachkräften in verschiedenen Branchen zu bekämpfen. Zunächst sollen deshalb vor allem Umschüler in der Altenpflege und in der Metall-, Elektro- und Kunststoffindustrie motiviert werden.

Altenpfleger und Facharbeiter gesucht

Der chronische Engpass ist auch Grund dafür, dass den Plan der Bundesregierung, den deutschen Arbeitsmarkt stärker für ausländische Fachkräfte ohne Hochschulabschluss zu öffnen. Das Kabinett brachte am vergangenen Mittwoch eine entsprechende Verordnung auf den Weg.

Die neue Beschäftigungsverordnung zielt auf Fachkräfte aus Staaten außerhalb der Europäischen Union (EU). Bewerber aus diesen Drittstaaten sollen hierzulande arbeiten dürfen, wenn in einem bestimmten Bereich Fachkräfte fehlen und sie eine passende Berufsausbildung mitbringen. Eine Liste soll diese Engpassberufe aufzählen. In Kraft treten soll die Neuregelung zum 1. Juli dieses Jahres. Voraussetzung ist aber, dass die rot-grüne Mehrheit im Bundesrat zustimmt.

Der Hamburger Arbeitssenator Detlef Scheele hat seine Zustimmung bereits signalisiert. "Wir brauchen für den deutschen Arbeitsmarkt neben Akademikern zunehmend auch Fachkräfte in Ausbildungsberufen", sagte Scheele. Er forderte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen aber auf, die Möglichkeit für Ausländer, ihre Abschlüsse durch eine Weiterqualifizierung in Deutschland an deutsche Standards anzupassen, auf eine sichere finanzielle Basis zu stellen.

mik



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