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Weltarbeitsbericht: Arm trotz Arbeit

Zigarettenfabrik in Bangladesch: 840 Millionen verdienen unter zwei Dollar täglich Zur Großansicht
REUTERS

Zigarettenfabrik in Bangladesch: 840 Millionen verdienen unter zwei Dollar täglich

Die Mittelklasse wächst weltweit, aber in Entwicklungsländern arbeitet laut Weltarbeitsbericht immer noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter prekären Bedingungen. 1,5 Milliarden Menschen haben keine ausreichende soziale Absicherung.

Genf - Der Trend ist positiv, die Gesamtzahlen bleiben erschreckend. Weltweit wächst die Mittelschicht, die Entwicklungsländer holen auf. Trotzdem ist mehr als die Hälfte aller Arbeiter in den Entwicklungsländern noch immer von prekären Jobbedingungen betroffen. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) teilte anlässlich der Veröffentlichung ihres Weltarbeitsberichts mit, noch immer arbeiteten 1,5 Milliarden Menschen ohne angemessene Verträge und soziale Absicherung. Viele von ihnen leben demnach trotz regelmäßiger Arbeit in Armut.

Allgemein befänden sich die Entwicklungsländer in einem Aufholprozess verglichen mit den Industrieländern, sagte ILO-Chef Guy Ryder in Genf. Zwischen 1980 und 2011 stieg das Pro-Kopf-Einkommen der ILO zufolge jährlich um durchschnittlich 3,3 Prozent. Jetzt verdienen dem Bericht zufolge immer noch 839 Millionen Arbeiter in Entwicklungsländern mit ihrer Beschäftigung weniger als zwei Dollar (1,50 Euro) am Tag - das ist der ILO zufolge ein Drittel aller Arbeiter. In den frühen Nullerjahren hätten noch mehr als die Hälfte der Beschäftigten so wenig verdient.

In den kommenden fünf Jahren drängen dem Bericht zufolge insgesamt 213 Millionen Menschen auf die Arbeitsmärkte - 200 Millionen davon in den Entwicklungsländern. Damit steigt das Problem der Jugendarbeitslosigkeit, die bereits bei über zwölf Prozent liegt - drei Mal so hoch wie bei Erwachsenen. Die höchste Rate bei der Jugendarbeitslosigkeit haben der Statistik zufolge der Nahe Osten und Regionen Nordafrikas, dort findet jeder dritte junge Mensch keinen Job.

Die ILO mahnte eine Verbesserung der Arbeiterrechte in den Entwicklungsländern an. Für den Bericht untersuchte die Organisation die Lage in 140 Entwicklungs- und Schwellenländern.

nck/AFP

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insgesamt 64 Beiträge
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1. Steigen dort die Reallöhne?
TarLay 27.05.2014
Oder bedeutet "Aufholen" dass sie u. A. bei uns fallen?
2. "(arbeitet) mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter prekären Bedingungen"
carolian 27.05.2014
Wie viele sind das eigentlich in dem neuen Entwicklungsland Bundesrepublik Deutschland. Wo die Arbeitgeber glauben, dass es für sie vorteilhaft wäre, ein Land auf das Lohnniveau von Pakistan zu senken.
3. auch in Deutschland vermehren sich...
Spiegelleserin57 27.05.2014
die Minijobs rasant. viele Menschen müssen derzeit 2 Jobs annehmen um den Lebensstandard zu halten, damit ist kein Komfort gemeint! Es wird nicht mehr lange dauern und auch hier wird die Mittelschicht verarmen. Vor diesem Hintergrund ist es schon sehr interessant wie volkswirtschaftlich gesehen von einer zu niedrigen Inflationsrate die Rede ist. ( siehe einem kürzlich erschienenen Spiegelartikel) Statistisch gesehen ist Deutschland sicherlich reich aber das Geld ist leider etwas all zu ungleichmäßig verteilt.
4. Ja nee, is klar
dr.hammer 27.05.2014
Zitat von sysopREUTERSDie Mittelklasse wächst weltweit, aber in Entwicklungsländern arbeitet laut Weltarbeitsbericht immer noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter prekären Bedingungen. 1,5 Milliarden Menschen haben keine ausreichende soziale Absicherung. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/weltarbeitsbericht-hunderte-millionen-sind-arm-trotz-arbeit-a-971872.html
Was soll die Aufregung? Was überall als "Arbeitsmarkt" bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit kein Markt sondern ein weltweiter Zwang zur Arbeit. Da braucht man sich nicht über "Armut trotz Arbeit" wundern.
5.
mr.feelgood 27.05.2014
Zitat von carolianWie viele sind das eigentlich in dem neuen Entwicklungsland Bundesrepublik Deutschland. Wo die Arbeitgeber glauben, dass es für sie vorteilhaft wäre, ein Land auf das Lohnniveau von Pakistan zu senken.
Das hart umkämpfte Mindestlohn verheißt hier Arbeiten auf Existenzminimumsniveau und das Versprechen: Altersarmut. Sicherlich sind die Verhältnisse nicht zu vergleichen, doch hier im reichen Deutschland zählt Mensch damit zum Prekariat und wird verachtet.
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