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Euro-Krise: Weltbank-Chef warnt vor globaler Rezession

Die Prognosen für die globale Wirtschaft verdüstern sich. Laut Weltbank-Chef Jim Yong Kim droht ein Abschwung in den meisten Regionen der Erde - selbst wenn es gelingt, die Euro-Krise einzudämmen. Nach Ansicht des früheren EZB-Chefvolkswirts Stark wird die Währungsunion bald Mitglieder verlieren.

Schiffswerft in Südkorea: Europas Schuldenkrise hat weitreichende Konsequenzen Zur Großansicht
REUTERS

Schiffswerft in Südkorea: Europas Schuldenkrise hat weitreichende Konsequenzen

Hamburg - Eindringliche Warnung des neuen Weltbank-Chefs: Nach Ansicht von Jim Yong Kim drohen durch die Schuldenkrisen in zahlreichen EU-Ländern weitreichende Konsequenzen für andere Weltregionen. "Um es deutlich zu sagen: Was heute in Europa passiert, betrifft den Fischer im Senegal und den Programmierer in Indien", sagte Kim in seiner ersten größeren Rede seit seiner Ernennung. Er führt die oberste internationale Institution zur Bekämpfung der Armut seit Anfang Juli (Porträt des Managers).

Selbst wenn es gelinge, die Krise im Euro-Raum einzudämmen, könnte sie zu einem Wachstumseinbruch in den meisten Regionen der Erde um bis zu 1,5 Prozent führen, sagte Kim. Eine anhaltende große Krise in Europa könne das Bruttosozialprodukt in den Entwicklungsländern gar um vier oder mehr Prozent senken und damit eine globale Rezession auslösen, sagte Kim. "Solche Ereignisse bedrohen viele der in der Vergangenheit erreichten Fortschritte im Kampf gegen die Armut", warnte der Weltbank-Chef. Kim forderte die europäischen Staaten auf, alles daran zu setzen, die Stabilität ihrer Finanzmärkte wiederherzustellen.

Nicht weniger alarmierend sind die Aussagen von Jürgen Stark, dem früheren Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB). Stark glaubt, dass die Euro-Zone in ihrer bisherigen Konstellation keine Zukunft hat. "Ich sehe die Notwendigkeit einer Konsolidierung des Euro-Gebiets", sagte er dem manager magazin. Schwächere Staaten müssten die Währungsunion verlassen. An welche Länder er konkret denkt, sagte Stark nicht. Stark galt in der EZB stets als Falke, also als Manager, der die Funktion der Zentralbank konservativ auslegt und einen strikten Sparkurs in Südeuropa fordert.

Bereits am Mittwoch war der Internationale Währungsfonds (IWF) mit den Krisenmanagement in der Euro-Zone hart ins Gericht gegangen. Demnach fehlen in der Währungsunion noch immer "die grundsätzlichen Werkzeuge, die die negativen Wechselwirkungen zwischen Staatshaushalten, Banken und der Realwirtschaft aufbrechen könnten". Was fehle, sei eine "ambitionierte Politik" zur Eindämmung der Krise.

Zypern will voll unter Euro-Rettungsschirm

Während die Warnungen der Experten immer drängender werden, geht es mit dem Krisenmanagement langsam voran. In Deutschland stimmt der Bundestag an diesem Donnerstag über ein Rettungspaket für Spanien ab. Gleichzeitig bahnt sich auch für Zypern eine Lösung an.

Das notleidende Land will nach Angaben aus dem Haushaltsausschuss des Bundestags voll unter den Euro-Rettungsschirm EFSF schlüpfen. Das habe Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Mittwochabend in der Sondersitzung des Ausschusses in Berlin mitgeteilt, berichteten mehrere Teilnehmer.

Damit würde sich Zypern strengeren Kontrollen unterziehen müssen, ähnlich wie Irland, Portugal und Griechenland. Zudem dürfte sich Zypern nicht mehr selbst am EFSF-Refinanzierungsfonds beteiligen - was die Bürgschaften der übrigen Euro-Länder erhöht. Mit 0,9 Prozent fällt der Anteil des kleinen Euro-Landes allerdings kaum ins Gewicht.

Mitglieder des Haushaltsausschusses diskutierten laut Agenturberichten darüber, Zypern oder sogar Griechenland den Austritt aus der Euro-Zone zu empfehlen, falls ihre Schuldenkrise sich weiter verschlimmern sollte.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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1. Was fehle, sei eine "ambitionierte Politik" zur Eindämmung der Krise, sagt der IWF ..
wibo2 19.07.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Prognosen für die globale Wirtschaft verdüstern sich. Laut Weltbank-Chef Jim Yong Kim droht ein Abschwung in den meisten Regionen der Erde - selbst wenn es gelingt, die Euro-Krise einzudämmen. Nach Ansicht des früheren EZB-Chefvolkswirts Stark wird die Währungsunion bald Mitglieder verlieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,845206,00.html
Was fehlt, ist der politische Wille zur Einführung von unfreiwilligen Eurobonds für die Reichen, unerwünschten Wandelanleihen für die Banken, höhere Steuern für die Reichen sowie mehr Arbeit und weniger Lohn und Konsum für die Arbeitnehmer. Fehlendes wirtchaftliches Wachstum ist eine Katastrophe in der Schuldenkrise. Weil die Annahmen für die Kreditvergaben nicht mehr stimmen. Und ein massiver Rückgang des Welthandels droht. Das Vertrauen ins Geld und das Bankensystem wird kleiner, die Weltwirtschaft rutscht ab in eine Rezession, die Arbeitslosigkeit und die Staatsverschuldung steigt. Die Schwellenländer sind immer weniger willig, sich in eine Weltordnung einzufügen, die zweifelhaft und unsicher geworden ist. Die globale Sicherheitspolitik dreht sich im Kreis oder geht auf einen Weg, der nirgendwo hinführt. Im Nahen Osten droht ein Krieg.
2.
Social_Distortion 19.07.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Prognosen für die globale Wirtschaft verdüstern sich. Laut Weltbank-Chef Jim Yong Kim droht ein Abschwung in den meisten Regionen der Erde - selbst wenn es gelingt, die Euro-Krise einzudämmen. Nach Ansicht des früheren EZB-Chefvolkswirts Stark wird die Währungsunion bald Mitglieder verlieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,845206,00.html
Merkel, Steinmeierbrück, von der Leyen, Schäuble, Lammert, Legarde, Jim Yong Kim.... Die Infanterie konnte den Hügel mit dem ach so dringend benötigten Vorratslager noch nicht stürmen - jetzt muß die Kavallerie ran.
3. Zypern
buntesmeinung 19.07.2012
hat nichts unter dem Rettungsschirm zu suchen! Ständig werden die selbst verordneten Kriterien aufgeweicht. Fass ohne Boden. Wenn Zypern schlüpft soll auch Deutschland sschlüpfen, dann dürfen wir auch nicht mehr zahlen. Wäre doch was, oder (Ironie off)
4. Na dann ist alles in Ordnung
donnerfalke 19.07.2012
---Zitat--- Weltbank-Chef warnt vor globaler Rezession ---Zitatende--- Na dann ist alles Ok, dann wird es den Banken schlecht gehen. Der Verbraucher darf sich freuen.
5. Endloses Wachstum?
nobby_l 19.07.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Prognosen für die globale Wirtschaft verdüstern sich. Laut Weltbank-Chef Jim Yong Kim droht ein Abschwung in den meisten Regionen der Erde - selbst wenn es gelingt, die Euro-Krise einzudämmen. Nach Ansicht des früheren EZB-Chefvolkswirts Stark wird die Währungsunion bald Mitglieder verlieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,845206,00.html
Vielleicht setzt sich in manchen Köpfen allmählich die Erkenntnis durch, dass ein permanentes globales Wachstum ein Ding der Unmöglichkeit ist.
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.

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