Prognose Weltbank rechnet mit langer Rezession in Russland

Niedrige Preise für Öl und Gas, zudem Sanktionen des Westens: Die Wirtschaft in Russland könnte laut einer Prognose der Weltbank die kommenden Jahre schrumpfen.

Straßenszene in Moskau (Oktober 2013): "Mangel an Investitionen"
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Straßenszene in Moskau (Oktober 2013): "Mangel an Investitionen"


Die Aussichten für die russische Wirtschaft haben sich aus Sicht der Weltbank in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Noch im Dezember prognostizierten deren Experten für das laufende Jahr einen relativ geringen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,7 Prozent - nun rechnen sie mit minus 3,8 Prozent. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft mit minus 0,3 Prozent weiter schrumpfen, vor vier Monaten war noch ein leichtes Wachstum in dieser Größenordnung erwartet worden.

Grund für den Pessimismus sind die Sanktionen des Westens und der Ölpreisverfall, wie aus einem am Mittwoch vorgelegten Bericht des Instituts hervorgeht.

Auch für die Zeit nach 2016 gibt der Bericht (hier als PDF-Datei in englischer Sprache) wenig Anlass zur Hoffnung. Die mittelfristigen Wachstumsperspektiven Russlands werden als düster beschrieben. "Die hauptsächliche Herausforderung für Russland ist der anhaltende Mangel an Investitionen", sagte Weltbank-Expertin Birgit Hansl.

Russland bezieht einen großen Teil seiner staatlichen Einnahmen aus dem Öl-Export. Die Prognosen der Weltbank beruhen auf der Annahme, dass sich der Ölpreis in den kommenden zwei Jahren allenfalls geringfügig erholen wird. Im unwahrscheinlicheren Falle eines deutlichen Anstiegs würde die Rezession 2015 laut Bericht entsprechend schwächer ausfallen. Die im Zuge der Ukraine-Krise gegen Russland verhängten Sanktionen dürften demnach noch bis 2016 in Kraft bleiben. Selbst nach einer Aufhebung könnten sie auf längere Sicht schädliche Folgen nach sich ziehen, warnt die Weltbank.

Die Regierung in Moskau gibt sich dagegen deutlich optimistischer. Sie erwartet nach einem kräftigen Durchhänger in diesem Jahr für 2016 wieder ein klares Wirtschaftswachstum. Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew prognostizierte für 2015 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um drei Prozent und für 2016 ein Plus von deutlich mehr als zwei Prozent.

Das russische Statistikamt bestätigte am Mittwoch, dass die Wirtschaft im Jahr 2014 um 0,6 Prozent gewachsen ist. Allerdings war das Wachstum am Ende des Jahres deutlich geringer als in den Sommermonaten.

fdi/Reuters



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insgesamt 90 Beiträge
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karlsiegfried 01.04.2015
1. Nicht nur Russland
Bei uns kommt das alles ein wenig später. Ursachen: Griechenland, NSA, USA, Verschuldung, Euro, Altenschwemme, Hartz-IV, raffgierige und rechthaberische Politker, Umweltzerstörer, Geldentwertung, China und, und, und. Noch jubeln die Zweckopitimsten,. Aber dann wird auch ihnen der A.... auf Grundeis gehen. Leute, zieht Euch bloss warm an.
zeisig 01.04.2015
2. Wir wollen das ja offensichtlich so.
Wenn man ein Land sanktioniert, dann nimmt man dessen wirtschaftlichen Abschwung bewußt in Kauf. Ich finde das unverantwortlich. Es gelingt nach all den Jahrzehnten des kalten Krieges und danach bis heute einfach nicht, mit Rußland eine gute Partnerschaft zu pflegen. Schade.
John M, 01.04.2015
3. Die haben es noch gut
Auch bei uns gibt es einen massiven Währungsverfall, dazu Zahlungsunfähigkeit, Massenarbeitslosigkeit in vielen Euro-Ländern, gewaltige Zwangsenteignungen ganzer Bevölkerungen, endloses Geldgedrucke durch die EZB und alles könnte nur noch viel schlimmer werden. Dabei haben wir nicht mal großartig Rohstoffe, die wir verkaufen können.
huddi03 01.04.2015
4. Wen interessiert
das wirklich? Ein Land welches auf Rohstoffvorkommen wie kaum ein zweites sitzt und trotzdem wirtschaftlich nicht von der Stelle kommt muss irgendwas falsch machen. Offenbar setzt man falsche Prioritäten oder ist schlicht unfähig. Wenigstens muss weder Deutschland noch die EU da irgendwas retten.
plietsch 01.04.2015
5.
Zitat von zeisigWenn man ein Land sanktioniert, dann nimmt man dessen wirtschaftlichen Abschwung bewußt in Kauf. Ich finde das unverantwortlich. Es gelingt nach all den Jahrzehnten des kalten Krieges und danach bis heute einfach nicht, mit Rußland eine gute Partnerschaft zu pflegen. Schade.
Wenn man andere Länder überfällt, muss man damit rechnen, dass demokratische Staaten die Beziehungen in Sachen Politik und Wirtschaft zurückzufahren und etwas auf Distanz gehen ("Sanktionen").
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