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Weltbank-Warnung: Wenn zu viel Wachstum gefährlich wird

Die Weltbank sieht dramatische Gefahren für die globale Wirtschaft - weil sie in Teilen zu schnell wächst. Konkret warnen die Experten vor einer konjunkturellen Überhitzung in Asien und Lateinamerika. Darunter leiden auch die Industrienationen: Lebensmittel und Rohstoffe verteuern sich rasant.

Gemüsemarkt im indischen Ahmedabad: Fehlernten könnten Preise in die Höhe treiben Zur Großansicht
REUTERS

Gemüsemarkt im indischen Ahmedabad: Fehlernten könnten Preise in die Höhe treiben

Washington - Noch ist die globale Wirtschaft nach Ansicht der Weltbank auf gutem Weg, doch ausgerechnet das rasante Wachstum in einigen Schwellenländern droht zu einem ernsten Problem für die gesamte Welt zu werden. Es bestehe die Gefahr einer Überhitzung in den Boom-Regionen in Fernost und Lateinamerika, der die weltweite Konjunktur abzuwürgen droht, schreibt die Organisation in ihrem aktuellen Jahresbericht.

Die Risiken sind nach Ansicht der Weltbank vielfältig: Es drohe ein neuer Ölpreisschock, sollte sich die Lage im Nahen Osten und in Nordafrika verschlimmern, erklärte die Weltbank am Dienstagabend. Auch könnten neue Fehlernten die angezogenen Preise der Nahrungsmittel noch weiter in die Höhe treiben - mit verheerenden Folgen für die Armen.

Wie stark die Schwellenländer den Industrienationen davoneilen, zeigen die Konjunkturprognosen der Organisation: Weltweit dürfte es in diesem Jahr ein Wachstum von 3,2 Prozent geben, im kommenden Jahr könnte die Wirtschaft um 3,6 Prozent zulegen. Doch Länder wie Brasilien, Russland, Indien und China dürften nach Einschätzung der Weltbank bis 2013 jährlich um 6,3 Prozent zulegen, in diesem Jahr sogar um 7,3 Prozent.

Für die reichen Länder rechnet die Entwicklungshilfeorganisation dagegen mit vergleichsweise mageren 2,2 Prozent dieses Jahr, dafür 2012 und 2013 mit um die 2,6 Prozent. Die Euro-Zone sieht die Weltbank indes bei lediglich 1,7 bis 1,9 Prozent Wachstum zwischen diesem Jahr und 2013. Auf den Industrienationen lasteten weiterhin hohe Arbeitslosigkeit, hohe Schulden und aus dem Lot geratene Staatsfinanzen.

US-Notenbankchef: Konjunktur hat an Fahrt verloren

"In vielen aufstrebenden Nationen bewegt sich die Wirtschaft jenseits ihrer Kapazitäten und riskiert Überhitzung", sagte Weltbank-Ökonom Hans Timmer bei der Vorlage des Berichts. Das starke Wachstum habe zu einer Reihe neuer globaler Herausforderungen geführt, darunter höhere Rohstoffpreise und steigende Inflation. Nicht auszuschließen sei die Rückkehr destabilisierender Kapitalströme, wenn das Zinsniveau steige.

Allerdings: Dass die Warnung ausgerechnet von der US-geführten Weltbank kommt, überrascht nicht sehr. So drohen die USA wirtschaftlich zusehends abzurutschen. Notenbankchef Ben Bernanke erklärte ebenfalls am Dienstag, die heimische Konjunktur habe an Fahrt verloren. "Das US-Wirtschaftswachstum scheint in diesem Jahr bislang ein bisschen schwächer als erwartet auszufallen", sagte Bernanke in Atlanta.

yes/dpa/Reuters

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Raubbau-Wachstum
mitwisser, 08.06.2011
Wenn man sich nur mal klar macht, auf wessen Kosten und zu wessen Lasten wir "wachsen" , ist es doch nur erstaunlich, wie sich unsere "Eliten" hinstellen und können und ein Wachstumbeschleunigungsgesetz verabschieden können. Das ist der Gier und der Sackgassenpolitik des Wirtschaftswachstums geschuldet - damit sich Staaten weiter verschulden können. Für Kriege, Wohlfahrt, Einfluss. Nur haben diese Ziele keinen wert an sich. Wenn man sich einmal anschaut, wo wir heute mit dem ganzen Wachstumsgedöns gelandet sind, bleibt festzustellen, dass wir weder glücklicher noch intelligenter geworden sind. Wir verwandeln Planeten und Atmosphäre in Müllhalden, verwüsten die Erde durch Raubbau, Abholzung und Staudammprojekte und führen mehr Kriege denn je. Schön, dass die imperiale Weltbank auch schon aufgewacht ist. Vermutlich aber zu spät...
2. Kommt, Babies, kommt !
Peter Sonntag 08.06.2011
Was verursacht dieses Wahnsinnswachstum ? Die Zunahme der Weltbevölkerung. Warum wird in diesem Zusammenhang nicht darauf hingewiesen ? Immer mehr "Wachstum" heißt mehr Verbrauch, mehr Emmissionen, letzten Endes mehr Hunger und Armut, wenn die letzten Ressourcen verfrühstückt worden sind. „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann."
3. Hm...
nixkapital 08.06.2011
Zitat von sysopDie Weltbank sieht dramatische Gefahren für die globale Wirtschaft - weil sie in Teilen zu schnell wächst.*Konkret warnen die Experten vor einer konjunkturellen Überhitzung in Asien und Lateinamerika. Darunter leiden auch die Industrienationen: Lebensmittel und Rohstoffe*verteuern sich rasant. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,767264,00.html
...was seit Jahrzehnten gepredigt wird: Nachhaltige Rohstoffwirtschaft. Wird aber beharrlich vom Verbraucher bis zur Industrie ignoriert. Und gegen die Nahrungsmittelverknappung? Kein Anbau von Pflanzen für "Bio-Sprit". Das ist eine künstliche Verknappung des Nahrungsmittelangebots, nur, damit wir mit besserem Gewissen Auto fahren können.
4. Abwarten.
tobilechat 08.06.2011
Zitat von sysopDie Weltbank sieht dramatische Gefahren für die globale Wirtschaft - weil sie in Teilen zu schnell wächst.*Konkret warnen die Experten vor einer konjunkturellen Überhitzung in Asien und Lateinamerika. Darunter leiden auch die Industrienationen: Lebensmittel und Rohstoffe*verteuern sich rasant. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,767264,00.html
Was sollen diese doofen Meldungen? Soll ich jetzt Panik schieben, weil ich mir bald nicht mehr die Butter auf dem Brot leisten kann? Wenn ich kein Geld mehr hab, kann ich nichts mehr kaufen und dann geht die Wirtschaft den Bach runter. Dann können die verbleibenden Unternehmen ja noch eine Weile exklusiv die Großkopferten beliefern, bis die auch Pleite sind und es das dann war mit dem Wirtschaften. Die Wirtschaft hängt von jedem einzelnen Konsumenten ab. Wenn der nichts mehr kaufen kann, geht sie vor die Hunde, das kapitalfaschistische, kapitalistische System kollabiert. Für mich eine angenehme Vorstellung. Denn dann bewegen wir uns auch wieder auf die Demokratie zu, weg vom Extremismus (Profitmaximierung). Abwarten und Tee trinken, was passiert. Noch geht es uns Deutschen überwiegend viel zu gut.
5. Motorschaden
tobilechat 08.06.2011
Zitat von nixkapital...was seit Jahrzehnten gepredigt wird: Nachhaltige Rohstoffwirtschaft. Wird aber beharrlich vom Verbraucher bis zur Industrie ignoriert. Und gegen die Nahrungsmittelverknappung? Kein Anbau von Pflanzen für "Bio-Sprit". Das ist eine künstliche Verknappung des Nahrungsmittelangebots, nur, damit wir mit besserem Gewissen Auto fahren können.
Zu E10: E10 erleichter unser Portemonnaie. Denn keiner kauft E10, die Mineralölkonzerne müssen Vertragsstrafen an den Staat zahlen, die sie 1:1 an den Verbraucher weitergeben. Es findet also eine Umverteilung von Geld des Bürgers zum Staat statt. Warum nicht gleich die Steuern erhöhen? Wahrscheinlich, weil auf diese Weise der (Geld-, An-) Schein wenigstens ökologisch ist. Und irgendwann verreckt der Motor und nichts, gar nichts geht mehr. Aber das Gute daran ist, ist unser Portemonnaie leichter, ist auch das Gesamtgewicht unseres Autos geringer und so brauchen wir weniger Sprit.
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