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08. März 2014, 07:39 Uhr

Gleichberechtigung im Job

So arbeiten Deutschlands Frauen

Sie ist Minijobberin oder arbeitet in Teilzeit, hat oft eine befristete Stelle und verdient viel weniger als ihr männliches Pendant: So sieht die durchschnittliche Berufstätige in Deutschland aus. Neue Zahlen der Regierung belegen eindrücklich das Ungleichgewicht am Jobmarkt.

Hamburg - Am 8. März ist Weltfrauentag. Er ist dem Kampf um die Gleichberechtigung gewidmet: in der Politik, im eigenen Zuhause und auch auf dem Arbeitsmarkt. Doch wie ebenbürtig sind Männer und Frauen heute in der deutschen Jobwelt? Weit her ist es damit noch nicht, räumt die Bundesregierung auf Anfrage ein. Sie sieht "die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern am Erwerbsleben noch nicht realisiert", schreibt sie in einer Antwort an die Linken-Fraktion im Bundestag.

Wie die Ungleichberechtigung de facto aussieht, beschreibt das Arbeitsministerium vor allem mit Zahlen. Die Durchschnittsberufstätige in Deutschland sieht demnach so aus: Sie ist Minijobberin oder teilzeitbeschäftigt, hat oft eine befristete Stelle und verdient deutlich weniger als ihr männliches Pendant. Warum das im Jahr 2014 immer noch so ist, beantwortet die Bundesregierung nicht.

Die wichtigsten weiteren Fakten zu Frauen auf dem deutschen Jobmarkt:

Wer hat nun Schuld daran, dass Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt unterschiedlich behandelt werden und ungleiche Chancen haben? Gewerkschaften und auch die stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende Sabine Zimmermann beschuldigen die Bundesregierung und Unternehmen, die nichts oder zu wenig an dem Status quo änderten. Wirtschaftsverbände dagegen führen Babypausen von Frauen, den Wunsch nach Flexibilität durch Teilzeit oder Minijobs und die Berufswahl als Gründe für die Ungleichberechtigung an.

Tatsache ist, dass überwiegend Frauen in Berufe im Erziehungs-, Gesundheits- oder Sozialwesen streben, die oft niedrig entlohnt werden. Zimmermann fordert die schwarz-rote Koalition daher auf, gerade für diese Boom-Sparten verbindliche Regelungen einzuführen, um diese Jobs - auch finanziell - aufzuwerten. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin erinnert dabei konkret an die aktuellen Verhandlungen um einen höheren Mindestlohn in der Pflegebranche. Sollte die Bundesregierung diesen unterstützen, wäre das "ein erstes klares Zeichen zur Aufwertung der sogenannten Frauenberufe", sagt Zimmermann.

In einem Punkt ist die Politik in Berlin demnach aber auf einem guten Weg. Der Antwort auf die Kleine Anfrage zufolge würde jede fünfte Frau von einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro profitieren. Der ist ab 2015 beschlossene Sache. Nach Zimmermanns Ansicht kommt es nun darauf an, dass es keine Ausnahmen für die Lohnuntergrenze gibt - und sie bald auf zehn Euro steigt.

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