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Gleichberechtigung im Job: So arbeiten Deutschlands Frauen

Kindertagesstätte in Stuttgart (Archivbild): Niedrig entlohnte Berufe Zur Großansicht
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Kindertagesstätte in Stuttgart (Archivbild): Niedrig entlohnte Berufe

Sie ist Minijobberin oder arbeitet in Teilzeit, hat oft eine befristete Stelle und verdient viel weniger als ihr männliches Pendant: So sieht die durchschnittliche Berufstätige in Deutschland aus. Neue Zahlen der Regierung belegen eindrücklich das Ungleichgewicht am Jobmarkt.

Hamburg - Am 8. März ist Weltfrauentag. Er ist dem Kampf um die Gleichberechtigung gewidmet: in der Politik, im eigenen Zuhause und auch auf dem Arbeitsmarkt. Doch wie ebenbürtig sind Männer und Frauen heute in der deutschen Jobwelt? Weit her ist es damit noch nicht, räumt die Bundesregierung auf Anfrage ein. Sie sieht "die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern am Erwerbsleben noch nicht realisiert", schreibt sie in einer Antwort an die Linken-Fraktion im Bundestag.

Wie die Ungleichberechtigung de facto aussieht, beschreibt das Arbeitsministerium vor allem mit Zahlen. Die Durchschnittsberufstätige in Deutschland sieht demnach so aus: Sie ist Minijobberin oder teilzeitbeschäftigt, hat oft eine befristete Stelle und verdient deutlich weniger als ihr männliches Pendant. Warum das im Jahr 2014 immer noch so ist, beantwortet die Bundesregierung nicht.

Die wichtigsten weiteren Fakten zu Frauen auf dem deutschen Jobmarkt:

  • Mit 71,5 Prozent oder 17,7 Millionen arbeiten so viele Frauen wie nie zuvor. Bei Männern sind es 81,8 Prozent.
  • Die neugeschaffenen Stellen der vergangenen zehn Jahre wurden vor allem mit Frauen besetzt. Die Zahl der weiblichen Erwerbstätigen stieg um etwa 2,3 Millionen.
  • Die Teilzeitquote ist bei den Frauen auf 51,5 Prozent gestiegen - ein Plus von 2,9 Prozent. Die der Männer lediglich um 2,4 Prozent auf 17,9 Prozent.
  • Jede dritte Frau - oder 5,5 Millionen - steckt in einem sogenannten atypischen Job. Sie ist also befristet beschäftigt, in kleiner Teilzeit, in einem Minijob oder Leiharbeit. Bei den Männern ist es nur jeder siebte.
  • Frauen arbeiten häufiger zu Niedriglöhnen: Fast 30 Prozent erhielten 2011 einen Stundenlohn unter 9,14 Euro. Das waren 4,9 Millionen Frauen, bei den Männern dagegen 3,2 Millionen oder 18,6 Prozent.
  • Frauen stellen die Mehrheit der Hartz IV-Aufstocker - obwohl sie nicht mal die Hälfte der Erwerbstätigen ausmachen.
  • Der Verdienstabstand zwischen Frauen und Männer stagniert seit Jahren bei 22 bis 23 Prozent.

Wer hat nun Schuld daran, dass Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt unterschiedlich behandelt werden und ungleiche Chancen haben? Gewerkschaften und auch die stellvertretende Linken-Fraktionsvorsitzende Sabine Zimmermann beschuldigen die Bundesregierung und Unternehmen, die nichts oder zu wenig an dem Status quo änderten. Wirtschaftsverbände dagegen führen Babypausen von Frauen, den Wunsch nach Flexibilität durch Teilzeit oder Minijobs und die Berufswahl als Gründe für die Ungleichberechtigung an.

Tatsache ist, dass überwiegend Frauen in Berufe im Erziehungs-, Gesundheits- oder Sozialwesen streben, die oft niedrig entlohnt werden. Zimmermann fordert die schwarz-rote Koalition daher auf, gerade für diese Boom-Sparten verbindliche Regelungen einzuführen, um diese Jobs - auch finanziell - aufzuwerten. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin erinnert dabei konkret an die aktuellen Verhandlungen um einen höheren Mindestlohn in der Pflegebranche. Sollte die Bundesregierung diesen unterstützen, wäre das "ein erstes klares Zeichen zur Aufwertung der sogenannten Frauenberufe", sagt Zimmermann.

In einem Punkt ist die Politik in Berlin demnach aber auf einem guten Weg. Der Antwort auf die Kleine Anfrage zufolge würde jede fünfte Frau von einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro profitieren. Der ist ab 2015 beschlossene Sache. Nach Zimmermanns Ansicht kommt es nun darauf an, dass es keine Ausnahmen für die Lohnuntergrenze gibt - und sie bald auf zehn Euro steigt.

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1.
Michael200669 08.03.2014
Zitat von sysopDPASie ist Minijobberin oder arbeitet in Teilzeit, hat oft eine befristete Stelle und verdient viel weniger als ihr männliches Pendant: So sieht die durchschnittliche Berufstätige in Deutschland aus. Neue Zahlen der Regierung belegen eindrücklich das Ungleichgewicht am Jobmarkt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/weltfrauentag-frauen-im-beruf-verdienen-weniger-als-maenner-a-957534.html
Wenn ich so einen Unsinn immer wieder lese, Frage ich mich echt warum nicht schon lange der Mann abgeschafft wurde. Denn er ist ja für jede "sogenannte" Ungerechtigkeit verantwortlich. Das aber die Frau selber daran Schuld ist, wird ungemein gerne unter den Tisch fallen gelassen. Denn wer darf erwarten, wenn jemand Jahre aus dem Beruf war, das er oder sie das gleiche Gehalt wie die langfristig angestellten Arbeitnehmer bekommen. Eigentlich niemand, aber ... offensichtlich doch. Nämlich das weibliche Geschlecht. Man bekommt immer mehr hier in Deutschland das Gefühl und den Eindruck, das der Frau für alles der Po gepudert werden muß, damit sie weiterkommt. Ich erlebe immer mehr Frauen, die immer unselbständiger werden, weil sie oft gar nicht mehr wissen, wie sie sich durch setzen müssen. Oder das andere Extrem, wo alles weg gebissen wird, was nicht deren Meinung ist.
2. Tut mir leid
Geisterkarle 08.03.2014
... das am Weltfrauentag sagen zu müssen, aber: Durch Wiederholung (und auch am Weltfrauentag) werden die Lügen nicht realer! Man kann sich durchaus darüber unterhalten, "wieso" die meisten "Frauenberufe" schlechter bezahlt werden als "Männerberufe" und deshalb viele Frauen aufstocken müssen. Aber bitte nur deswegen nicht einfach ignorieren, dass viel mehr _Männer_ direktes HartzIV bekommen, weil sie gar keinen Job haben! Unwichtig? Oder die Traditionslüge Gehaltsgefälle von 22%! Auf diese Zahl kommt man nur, wenn man _alle_ Männer und Frauen zusammen nimmt und dann durch das Einkommen teilt. Aber ihr schreibt ja direkt darüber, woher das kommt: Frauen haben mehr niedriglohn Jobs und haben mehr Teilzeitarbeit. _Natürlich_ ist dann das Durchschnittsgehalt unterschiedlich! Die Frau und der Mann, die in der Firma nebeneinander stehen/sitzen und das gleiche arbeiten, verdienen auch das gleiche oder wenn es unterschiede gibt nur im kleinen, einstelligen Bereich! 22% ist aber pure Lüge! So, mehr will ich euren Text jetzt mal nicht ausseinandner nehmen ...
3. Mehr Zeit für Familie?
jjcamera 08.03.2014
Zitat von sysopDPASie ist Minijobberin oder arbeitet in Teilzeit, hat oft eine befristete Stelle und verdient viel weniger als ihr männliches Pendant: So sieht die durchschnittliche Berufstätige in Deutschland aus. Neue Zahlen der Regierung belegen eindrücklich das Ungleichgewicht am Jobmarkt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/weltfrauentag-frauen-im-beruf-verdienen-weniger-als-maenner-a-957534.html
Die Frauen, die ich kenne, arbeiten absichtlich in Teilzeit, damit sie mehr Zeit für Familie und vor allem für ihre Kinder haben. Nimmt die Studie darauf Rücksicht? Es muss ja nicht jeder so sein, wie unsere Karrierepolitikerinnen, die ihre Kinder in die Kita abschieben oder ein Kindermädchen engagieren. Die haben wahrscheinlich diese Studie gemacht. Mehr und mehr wird das klassische Familienbild obsolet gemacht. Wann begreifen die Frauen, dass sie aus Sicht der Politik nur "Steuer- und Sozialabgaben zahlende Statistikeinheiten" sind? Ja, ich bin altmodisch. Ich bin zu Hause bei meiner Mutter mit 6 Geschwistern aufgewachsen. Das war 'ne tolle Zeit.
4. Mal wieder Propaganda für den Geschlechterkampf!
Welo33 08.03.2014
Der wichtigste Grund für die beschriebene statistische Ungleichheit wurde nicht erwähnt: Die Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen. Hierbei sind insbesondere die unterschiedlichen Wünsche, Ziele und das Setzen von Lebensprioritäten relevant. Eigentlich müßte man über einen solche Artikel lachen. Aber leider ist es ja in der Realität so, daß in Deutschland heutzutage Männer im Beruf massiv benachteiligt werden um die Frauen zu fördern. Von daher sind solche Artikel gefährlich, da sie den Geschlechterkampf anheizen, indem weiterhin suggeriert wird Frauen würden gegenüber Männern benachteiligt. Aber solch realitätsferne Artikel sind ja am 8.März leider Tradition!
5. Abstand
malaconciencia 08.03.2014
Zitat von sysopDPASie ist Minijobberin oder arbeitet in Teilzeit, hat oft eine befristete Stelle und verdient viel weniger als ihr männliches Pendant: So sieht die durchschnittliche Berufstätige in Deutschland aus. Neue Zahlen der Regierung belegen eindrücklich das Ungleichgewicht am Jobmarkt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/weltfrauentag-frauen-im-beruf-verdienen-weniger-als-maenner-a-957534.html
Es gibt keinen Lohnabstand zwischen Männern und Frauen. Das männliche Pedant verdient genau so viel! Es gibt lediglich einen Lohnabstand zwischen verschiedenen Berufsbildern und Erwerbsbiographien! Daß Frauen sich für andere Lebenswege entscheiden ist doch legitim. Dann darf frau sich aber nicht wundern, wenn das Gehalt niedriger ist als in einem anderen Job mit mehr Berufserfahrung. Wieso sind die Feministinnen nur so geldfixiert. Es gibt doch viel wichtigeres als den schnöden Mammon. Quality Time mit den Kindern z.B., oder einen Job, der einen erfüllt und in dem man nicht ständig Umsatzzahlen liefern muß. Gerade bei der Zeit mit den Kindern ziehen die Männer oft den kürzeren. Schließlich ist es nicht so sinnvoll, wenn der Mann Elternzeit nimmt und das Neugeborene gestillt werden soll. Daher verzichtet der Mann oft auf das wirklich wichtige im Leben und sieht zu, daß er in einem öden Job, der gut bezahlt wird das Geld für seine Lieben heranschafft. DAS ist das eigentliche Drama und die wahre Ungleichbehandlung. Aber dies sieht man natürlich nicht wenn man alles nur in Geld und Bezahlung mißt.
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