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Weltgrößter Devisenbestand: China hortet mehr als drei Billionen Dollar

Chinas Wirtschaftsmacht wächst in ungeheurem Tempo: Die Volksrepublik hat Devisenreserven von mehr als drei Billionen Dollar angehäuft. Doch der enorme Reichtum wird zum Risiko - im eigenen Land und weltweit.

Skyline von Shanghai: Die Volksrepublik wächst und wächst und wächst Zur Großansicht
AFP

Skyline von Shanghai: Die Volksrepublik wächst und wächst und wächst

Peking - Deutschland sitzt auf einem Schuldenberg von zwei Billionen Euro, China hat dieselbe Summe im Plus. In Dollar ausgedrückt sind es sogar 3,04 Billionen, die das Land derzeit an Währungsreserven hortet. Der Bestand ist binnen eines Jahres um fast 25 Prozent angeschwollen, teilte die chinesische Zentralbank am Donnerstag mit. Und er wächst weiter und weiter und weiter.

Begründung: China ist seit Jahren auf Einkaufstour bei den Zentralbanken anderer Länder. So kauft die Volksrepublik vor allem Dollar. Denn so kann die Regierung in Peking am besten Einfluss auf den Wechselkurs des Yuan nehmen.

Doch genau das ist das Problem: Die massive Anhäufung von Devisen spiegelt das Ungleichgewicht des chinesischen Außenhandels wider. Die Volksrepublik hält den Wechselkurs künstlich niedrig - um den eigenen Export anzukurbeln. Zwischen China und den USA tobt daher seit Jahren ein Streit, weil die amerikanische Regierung darauf pocht, dass Peking die Kontrolle über das Währungssystem lockert. Die USA und andere Länder halten den Yuan für unterbewertet und beklagen Handelsnachteile für ihre Unternehmen.

G-20-Finanzminister beraten über Währungsproblem

Auch beim Treffen der Finanzminister der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) an diesem Donnerstag und Freitag steht daher die Währungsfrage auf der Tagesordnung. Frankreich, derzeit Vorsitzender der G20, hat eine Reform des internationalen Währungssystems auf die Agenda gesetzt. So fordert Staatschef Nicolas Sarkozy eine stärkere Einbindung des Yuan in das internationale Währungssystem. Heikel dabei: China sitzt als G-20-Mitglied mit am Verhandlungstisch.

Doch China selbst müsste ein Interesse an einem Gleichgewicht haben. So profitiert das Land zwar von gigantischen Handelsüberschüssen. Im vergangenen Jahr allein lagen sie bei 183 Milliarden Dollar. Doch der Zustrom von ausländischem Kapital lässt die Geldmenge anschwellen - und die Inflation in die Höhe schießen.

So könnte die Inflationsrate in diesem Jahr Schätzungen zufolge bei vier bis fünf Prozent liegen. Allein im März soll die Teuerungsrate nach einem Bericht des Hongkonger Fernsehsenders Phoenix TV zwischen 5,3 und 5,4 Prozent gelegen haben. Das wäre der höchste Stand seit 32 Monaten. Zum Vergleich: In Europa beträgt die Inflationsrate derzeit etwas mehr als zwei Prozent.

Weil vor allem die Nahrungsmittel- und Rohstoffpreise stark gestiegen sind, wird das Volk unruhig. Auch die Einkommenskluft wächst. Die Schere zwischen Arm und Reich ist inzwischen so groß, dass Soziologen vor gesellschaftlichen Spannungen und Instabilität warnen.

Um die niedrigen Einkommen stärker anzuheben, will die Regierung nun den Dienstleistungssektor fördern. Seit Oktober hat die chinesische Zentralbank zudem viermal die Zinsen erhöht, um die Teuerung zu begrenzen.

yes/Reuters

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insgesamt 189 Beiträge
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1. Unsinniger Vergleich
stephan87 14.04.2011
Man kann ja mal ausrechnen wie viel Geld Deutschland horten könnte, wenn wir alle "unnötigen Ausgaben", sprich solche sozialer Natur, abstellen würden. Also so wie es in China standard ist.
2. Nutzloses Papier
makutsov 14.04.2011
Tja, sie haben einen gigantischen Haufen Kohle, nur wenn sie versuchen davon auch was zu kaufen, wird er wertlos. Dumm gelaufen. Die Amerikaner haben die Produkte und die Chinesen wertlose Schuldverschreibungen.
3. USA und andere Länder beschweren sich...
guertelr 14.04.2011
... über den Kurs der chinesischen Regierung, sie sollen die Kontrolle über den Yuan lockern.. Wenn China die Kontrolle über seine Währung auch nur bruchstückhaft abgibt, ist es um uns alle geschehen... Der Yuan ist die einzige "Bastion", die den USA im wege steht, um doch noch die gesamte Welt unter ihr Joch zu drücken... Gott möge unserer gnädig sein, wenn das passiert... Abgesehn davon... Inflation in Europa 2%-3% ? Letztes Jahr um diese hab ich für 1.15€/L Diesel getankt, vor 30 Minuten für 1.51€/L... zum Glück haben wir einen so ausgeglichenen Warenkorb, der unsere Inflationsrate berechnet haha ein Traum wenn die Waschmaschine billiger wird, davon brauch ich 4 Stück im Jahr :-))
4. Titel: Maharadscha von Absurdistan
Gereon, 14.04.2011
Zitat von sysopChinas Wirtschaftsmacht wächst in ungeheurem Tempo: Die Volksrepublik hat Devisenreserven von mehr als drei Billionen Dollar angehäuft. Doch der enorme Reichtum wird zum*Risiko - im eigenen Land und weltweit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,756993,00.html
Tja, und wir zahlen China immer nch Entwicklungshilfe! Und geben denen seit Jahrzehnten völlig umsonst technisches Wissen und verscherbeln unsere industrielle Infrastruktur dorthin. Wir lagern unsere Firmen samt Schlüsseltechnologien dorthin aus, noch gefördert durch Steuergelder und zeigen denen jahrhundertealtes Handwerkliches Geschick, das hier entstand. (Made in Solingen z.B. wird zumeist in China produziert und gehärtet und in Deutschland nur für den Verkauf verpackt.) Was wundert Ihr Euch über Schulden und Guthaben?
5. Instabilität? Wird weggeknüppelt!
4711_please 14.04.2011
Zitat von sysopChinas Wirtschaftsmacht wächst in ungeheurem Tempo: Die Volksrepublik hat Devisenreserven von mehr als drei Billionen Dollar angehäuft. Doch der enorme Reichtum wird zum*Risiko - im eigenen Land und weltweit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,756993,00.html
Was das noch mit Marxismus zu tun hat? Aber vielleicht macht das chinesische Regime es wie das weißrussische: einfach mal einen Anschlag durchführen lassen, danach die üblichen Verdächtigen (z.B. Ai Wei Wei) verhaften und henken lassen, um danach die Repressionskeule noch heftiger zu schwingen... diese totalitären Machtmechanismen stehen sicher schon seit 1500 n.C. irgendwo beschrieben... nix neues also...
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China: Der Staat auf dem Vormarsch
Weltkrieg der Währungen

Das chinesische Währungssystem
Im Juli 2005 wertet die Zentralbank den Yuan gegenüber dem Dollar um 2,1 Prozent auf und kündigt den Übergang zu einer Währungskorbpolitik an. Nach Angaben der Zentralbank sind die wichtigsten Währungen des Korbs Dollar, Euro, Yen und der koreanische Won. Auch der Singapurer Dollar, das britische Pfund, der malaysische Ringgit, der russische Rubel, der australische Dollar, der thailändische Baht und der kanadische Dollar sind enthalten. Die Gewichtung der Währungen ist geheim.

Ab Juli 2008 ist der Yuan de facto wieder an den Dollar gekoppelt, um die heimische Wirtschaft vor den Auswirkungen der Finanzkrise zu schützen.

Die chinesische Zentralbank setzt täglich einen Mittelwert fest, der sich an von Händlern gesammelten Angeboten orientiert. Gegenüber diesem Wert darf der Yuan im Verhältnis zum Dollar bis zu 0,5 Prozent an einem Tag steigen oder fallen. Tatsächlich beschränken sich die Schwankungen des Yuan jedoch meist auf bis zu 0,15 Prozent gegenüber dem Dollar-Mittelwert. Die tägliche Handelsspanne gegenüber anderen wichtigen Währungen ist auf plus oder minus drei Prozent gegenüber dem täglichen Mittelwert festgesetzt.


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