Trumps Chefökonom zweifelt "Das Welthandelssystem ist kaputt"

Kurz vor dem G7-Gipfel brüskiert der oberste Wirtschaftsberater des Weißen Hauses die Partnerländer der USA. Das Welthandelssystem sei beschädigt, behauptet er. Amerika wolle es nun reparieren.

Larry Kudlow
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Larry Kudlow


Auf dem Gipfel der sieben großen Industrienationen (G7) in Kanada werden ohnehin extrem schwierige Gespräche mit US-Präsident Donald Trump erwartet. Der Wirtschaftsberater im Weißen Haus, Larry Kudlow, hat nun mit einer scharfen Formulierung zusätzlich Öl ins Feuer gegossen.

Nach eigenen Angaben hält Kudlow Trumps Zollpolitik für einen der größten Reformprozesse im Welthandel der jüngeren Geschichte. "Das Welthandelssystem ist kaputt", sagte er am Mittwoch in Washington. Viele Länder hielten sich nicht an die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO). Die USA versuchten, das System zu reparieren.

Die Welthandelsorganisation sei komplett ineffizient, fuhr Kudlow fort. Trumps Ziel sei es, die Handelsbarrieren in anderen Ländern zu senken, um die US-Exporte zu steigern und die Handelsbilanzen auszugleichen.

Der G7-Gipfel wird überschattet von Trumps Entscheidung, Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der Europäischen Union, Kanada und Mexiko zu verhängen.

Kanzlerin Angela Merkel machte am Mittwoch deutlich, dass sie einen tiefen Dissens im Verhältnis zu den USA sieht. Sie ließ offen, ob bei dem Gipfel überhaupt eine gemeinsame Abschlusserklärung zustande kommen wird. Auch Kudlow ließ dies offen.

Dass nur der Gastgeber eine Erklärung abgibt, ist in der Geschichte der G7 höchst selten. Schon im Vorjahr in Taormina auf Sizilien, dem ersten Gipfel mit Trump, wäre das Kommuniqué beinahe geplatzt.

Atomkonflikt mit Iran großes Thema

Bei dem Treffen der G7-Gruppe, zu der auch Großbritannien, Italien und Japan gehören, soll es nach dem Wunsch des kanadischen Gastgebers diesmal auch um Gleichberechtigung, mehr Bildung für Frauen und Mädchen, Wirtschaftswachstum, Jobs in neuen Technologien und saubere Energien gehen.

Die Staats- und Regierungschefs treffen sich abgeschirmt in einem Luxushotel in La Malbaie in der Region Charlevoix rund 150 Kilometer oder zwei Autostunden von Québec entfernt. Die Kosten des Treffens werden Berichten zufolge auf etwa 400 Millionen Euro geschätzt.

Wenige Tage vor dem historischen Gipfel Trumps mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un am Dienstag in Singapur wird auch der Atomkonflikt mit dem isolierten Staat in den Beratungen eine große Rolle spielen. Es ist vielleicht das einzige Thema, wo die G7-Partner dem US-Präsidenten den Rücken stärken dürften.

Am Rande werden in Québec auch Proteste gegen die G7 und andere Demonstrationen erwartet. Da auch mit radikalen Gruppen gerechnet wird, ist das Polizeiaufgebot massiv. Rund 10.000 Polizisten und Soldaten sind nach Presseberichten für den Gipfel im Einsatz. Eine Gruppe rief zu einem "Tag der Störung" am Freitag auf.

ssu/dpa-AFX



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sven2016 07.06.2018
1.
400 Millionen Dollar Kosten für das Treffen. In Hamburg waren es auch über 100 Millionen, die 90 Minuten Merkel bei Putin haben gekostet ... Und in allen dieser und weiterer Treffen war:ist vorher klar, dass es keine greifbaren Ergebnisse geben würde/wird. Da kommt im Jahr alleine für D eine nette Summe zusammen. Videokonferenzen - hat jemand den Begriff schon mal gehört? Hinter den Kulissen kungeln kann nan auch preiswerter.
wasistlosnix 07.06.2018
2. 3 Alternativen
Um mehr zu exportieren. Billiger und gleiche Qualität oder bessere Qualität und etwas das andere nicht haben. Ich denke dies kann USA meistens nicht liefern. Auch wenn wir die Zölle für amerikanische Autos auf Null setzen, was mein Ansatz wäre, dann würden auch nicht wesentlich mehr davon in Europa verkauft werden.
archi47 07.06.2018
3. es kommt eben darauf an,
welche Interesse das Welthandelssystem bedienen soll: Den Feudalkapitalismus amerikanischer Prägung, eine inzwischen demontierte Soziale Marktwirtschaft in Europa, wirtschaftspolitische Interessen der Finanzindustrie oder das Gemeinwohl aller. Irgendwo dazwischen angesiedelt ist wohl der chinesisiche Staatskapitalismus mit staatlicher Lenkung der Volkswirtschaft, neuerdings auch mit weltweitem Anspruch. Leider ist eine intellektuell untermaßige US-Regierung am Wenigsten in der Lage hier eine positive Rolle zu spielen ...
coyote38 07.06.2018
4. Stellt sich nur noch eine einzige Frage ...
Was um alles in der Welt sollte man den Amerikanern denn von ihrem Schrott abkaufen ...? Okay ... Rüstungsgüter und IT ... aber das war's dann auch. Restlos alles andere kann man unbesehen "in die Tonne kloppen". Es kommt ja nicht von ungefähr, dass die USA so ein riesiges Außenhandelsbilanzdefizit haben. Wer in den USA wirklich Qualität kaufen will, der kauft ganz sicherlich nicht "Made in USA" ... macht ja sogar Trump selbst nicht, wenn er seine Hotels mit Markenartikeln aus Europa und Fernost ausstattet ...^^
multi_io 07.06.2018
5. Immer das Gegenteil von dem tun, was Kudlow sagt.
Kudlow ist übrigens dieser Typ hier: https://www.washingtonpost.com/opinions/larry-kudlow-may-have-been-more-wrong-about-the-economy-than-anyone-alive/2018/03/14/a98f2292-27ce-11e8-b79d-f3d931db7f68_story.html?utm_term=.b4ab39ff2cbd Nur so als Richtlinie, wie man seine Äußerungen einzuordnen hat.
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