Weltkarte der Staatsinsolvenzen Diese Länder waren schon mal pleite

Seit dem Jahr 1800 gab es weltweit 227 Staatsinsolvenzen. Der Pleiten-Überblick zeigt: Der Fall Griechenland ist historisch einzigartig. Kaum ein entwickeltes Land hat sich je ohne Not derart in die Schuldenfalle manövriert.

Von


Hamburg - Es gibt nichts zu beschönigen: Der bevorstehende Schuldenschnitt für Griechenland ist nichts anderes als eine Staatspleite - und zwar eine gewaltige. Auf einen großen Teil des ihnen zustehenden Geldes werden die privaten Gläubiger freiwillig verzichten müssen, etwas anderes bleibt ihnen ohnehin nicht übrig. Die Rating-Agentur Standard & Poor's zog am Montag die Konsequenzen und stufte die Bonität Griechenlands auf das Niveau eines "teilweisen Zahlungsausfalls" ab. Bedienen kann Griechenland seine Schulden aus eigener Kraft ohnehin schon lange nicht mehr, das Land hängt am Tropf der internationalen Geldgeber.

Seitdem der Nobelpreisträger und frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff im Jahr 2008 gemeinsam mit Carmen Reinhart eine umfangreiche Studie über die Geschichte von Staatspleiten vorgelegt hat, glauben wir zu wissen: Der Fall Griechenland ist nichts Ungewöhnliches. Hat nicht Spanien in seiner Geschichte bereits 13-mal den Bankrott erklärt? Allein seit dem Jahr 1800 kam es im Durchschnitt öfter als einmal im Jahr dazu, dass ein Staat seine Schulden bei ausländischen Geldgebern nicht bedienen konnte.

Aber das ist ein Trugschluss. Der Fall Griechenland ist auch im historischen Kontext ziemlich einmalig, wie eine nähere Betrachtung der von Reinhart und Rogoff aufgeführten Daten ergibt: Zumeist konnten Länder nicht mehr zahlen, deren Wirtschaft vergleichsweise wenig entwickelt war. Manchmal wurden ihnen gerade die Investitionen auf Pump zum Verhängnis, mit denen sie ihre Wirtschaft modernisieren wollten - wie etwa der Fall der Lateinamerikanischen Schuldenkrise in den achtziger Jahren zeigt.

Konnte ein hochentwickeltes Industrieland seine Schulden nicht mehr bezahlen, war hingegen fast immer ein Krieg, Regimewechsel oder deren Spätfolgen die Ursache. Österreich ging zwar siebenmal pleite, aber immer nur nach einem verlorenen Krieg oder unter Besatzung. Für Deutschland gilt das Gleiche, mit Ausnahme des Zahlungsausfalls 1932 im Zuge der Großen Depression.

Dass aber ein hochentwickeltes, seit vielen Jahren politisch stabiles Land inmitten einer Wohlstandsregion wie Europa, wo seit 66 Jahren keine großen Kriege mehr geführt wurden, quasi ohne Not pleitegeht - das ist historisch doch ohne Beispiel. Allein die Argentinien-Krise von 2001 erinnert daran. Allerdings hat Griechenland reichlich Erfahrung mit Staatspleiten: Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1829 war das Land mehr als die Hälfte der Zeit international nicht kreditwürdig.

SPIEGEL ONLINE hat die Staatspleiten seit dem Jahr 1800 auf dieser Weltkarte dokumentiert:

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 57 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
GerhardFeder 29.02.2012
1. Schwindel
Zitat von sysopSeit dem Jahr 1800 gab es weltweit 227 Staatsinsolvenzen. Der Pleiten-Überblick zeigt: Der Fall Griechenland ist historisch einzigartig. Kaum ein entwickeltes Land hat sich je ohne Not derart in die Schuldenfalle manövriert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,813253,00.html
Die Grichen haben sich in den Euro geschwindelt und präsentieren jetzt uns die Rechnung dafür. Aber nicht einmal die Euro-Kritiker haben in diese Wunde den Finger gelegt. Wirschaftswissenschaft scheint doch mehr zur Astrologie als zu den "echten" Wissenschaften zu gehören. Anscheinend alles überbezahlte Problemfälle für die Psychiatrie.
Hüsse 29.02.2012
2.
Zitat von sysopSeit dem Jahr 1800 gab es weltweit 227 Staatsinsolvenzen. Der Pleiten-Überblick zeigt: Der Fall Griechenland ist historisch einzigartig. Kaum ein entwickeltes Land hat sich je ohne Not derart in die Schuldenfalle manövriert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,813253,00.html
Dieser Satz ist doch ironisch gemeint, oder?
willi2007 29.02.2012
3. Da stellt sich doch die Frage
warum Griechenland auch nach mehreren Pleiten als selbständiger Staat überlebt hat und warum es jetzt gerettet werden muss. Griechenland ist pleite - zum wiederholtem Male. Was soll es also? Lasst Griechenland endlich pleite gehen. Alles andere ist reiner Murks.
sorum11 29.02.2012
4. Strafen vernichtend erhöhen!
Danke für diesen Überblick. Klarer kann man ein fiskalpolitisches und moralisch überfälliges Zwangs-Ausschlussverfahren dieses Landes gar nicht mehr begründen. Ein weiterer Schluss daraus: Jede Form von Filz, Vetternwirtschaft, Schwarzarbeit etc. muss weltweit in jeder Bananenrepublik ALLERstrengstens bestraft werden - sonst müssen dafür wieder Millionen Bürger (oder aktuell andere, nämlich wir mit unserer dadurch forcierten Minirente samt Altersarmut etc. pp.) büßen! Die Strafen können in dieser schwer zu führenden "Gemeinschaft" namens EU gar nicht hart genug sein. Aber was passiert? Nichts. Volksenteignung par exellence.
K_K_W 29.02.2012
5.
Zitat von sysopSeit dem Jahr 1800 gab es weltweit 227 Staatsinsolvenzen. Der Pleiten-Überblick zeigt: Der Fall Griechenland ist historisch einzigartig. Kaum ein entwickeltes Land hat sich je ohne Not derart in die Schuldenfalle manövriert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,813253,00.html
Zitat: "Allerdings hat Griechenland reichlich Erfahrung mit Staatspleiten: Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1829 war das Land mehr als die Hälfte der Zeit international nicht kreditwürdig." Frage: Was soll man von den deutschen Politikern halten, die diesen schrägen Vögeln vom Balkan Tür und Tor in die Euro-Gemeinschaft geöffnet haben? Antwort: Man sollte unsere Politiker in die Verbannung nach Athen schicken, und zwar geteert und gefedert!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.