Weltkrise privat 120 Zafiras für jeden Opel-Mitarbeiter!

Sie rauchen im Dienste ihrer Volkswirtschaft, sind unheimlich viele und deshalb vielen unheimlich. Am besten, man bereitet sich schon mal auf die Weltherrschaft der Chinesen vor. Nur wie? SPIEGEL-ONLINE-Krisenkolumnist Thomas Tuma hat ein Rezept - das gleich noch Deutschlands Baubranche rettet.

Opel-Beschäftigte in Eisenach: Wann kommt sie wohl, die gelbe Gefahr?
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Opel-Beschäftigte in Eisenach: Wann kommt sie wohl, die gelbe Gefahr?


Fachleute sind sich einig: Guido Westerwelle wird nicht die einzige gelbe Gefahr der näheren Zukunft sein. Für das nun zu Ende gehende dritte Quartal verkündete eine Pekinger Regierungskommission jüngst ein Wachstum von 8,5 Prozent. Die Volksrepublik China hat deshalb das Ende der Wirtschaftskrise beschlossen. Auf die Idee, dass es so einfach ist, hätte das Berliner Kabinett auch mal kommen können.

Jetzt ist es zu spät, aber so funktioniert eben der kommunistische Kapitalismus: Die politische Führung des chinesischen Bezirks Gong'an zum Beispiel hat vor einiger Zeit all ihre Behördenmitarbeiter zum Rauchen verpflichtet. Plansoll sind 230.000 Packungen pro Jahr, berichtete die chinesische Staatszeitung "Global Times". Damit solle einerseits die örtliche Tabakindustrie gefördert und andererseits das Steueraufkommen erhöht werden, auch wenn nicht ganz klar ist, wie das Projekt im Detail organisiert wird. Möglicherweise werden der Überschaubarkeit halber zehn ältere Beamte ausgelost, die im Dienste ihrer Volkswirtschaft dann jeweils 63 Päckchen täglich rauchen müssen.

China hat auf jeden Fall Modellcharakter für Deutschland, wo das dann folgendermaßen aussehen könnte: Schon nächstes Jahr würde jeder Opel-Mitarbeiter 120 Zafiras ausgeliefert bekommen. Für die Unterstellmöglichkeiten der neuen Fahrzeugflotte müsste jeder selbst sorgen. Allein die 15.600 Beschäftigten der Rüsselsheimer Stammbelegschaft bräuchten innerhalb weniger Monate also 1,872 Millionen neue Garagen, was nicht nur der regionalen Bauindustrie einen nicht zu unterschätzenden Schub verleihen würde. Das obligatorische Abwracken brächte später weitere 4,68 Milliarden Euro, wenn die neue Bundesregierung mitspielt. Mit dem Geld wiederum könnte ein bunter Strauß sogenannter "Garagenfirmen" gegründet werden, die bekanntlich wahnsinnig innovationsintensiv sind. Microsoft hat auch so angefangen. Und Bill Gates hat nie geraucht. Spätestens an dieser Stelle wird klar: Die Chinesen kommen.

Sie sind nicht so verweichlicht wie die alten Europäer

Zwar orakeln westliche Ökonomen zurzeit, in der Volksrepublik könne bald eine Blase platzen. Aber das Platzen von Blasen wird dann einfach im Vorfeld verboten. Die Chinesen kennen sich mit allem besser aus: Zensur, Tischtennis, Dissidenten, Markenpiraterie. Außerdem verfügen sie über jede Menge Devisen, totale Disziplin und sind unglaublich zahlreich. Sie gelten als ebenso widerstands- wie anpassungsfähig und mögen zum Beispiel den deutschen Sportphilosophen Olli Kahn. Der wiederum mag die Chinesen, weil sie nicht so verweichlicht sind wie wir alten Europäer und auch nicht mit Bananen werfen, wenn sie Olli Kahn sehen.

Wann genau China die Weltherrschaft übernimmt, werden die Führungsgremien der KP noch entscheiden. Dann werden sie kommen in ihren Autos, die noch nie einen europäischen Crashtest überlebt haben. Die Frage ist nur, wie wir sie korrekt empfangen, wenn wir am Ende dieser Wirtschaftskrise in selbsterlegten Kleintierfellen vor unsere Lehmhütten treten, die dann unser Zuhause sein werden. Es wäre wahrscheinlich gut, wenn man bis dahin Grundkenntnisse in der einen oder anderen asiatischen Kampfsportart vorweisen könnte - zur Begrüßung, nicht zur Selbstverteidigung. Von Ikebana-Gestecken ist abzuraten. Die würden zu kulturellen Missverständnissen führen. Die eigenen Kinder könnten aber anfangen, Mandarin zu lernen. Was keinesfalls reichen wird: Fachchinesisch.



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