Weltkrise privat Schutz für Sandy - Schock für Sarrazin

Das letzte Panik-Projekt der Großen Koalition geht in die entscheidende Phase: die Schweinegrippe-Impfung. Die 50 Millionen Impfdosen kommen aber leider viel zu früh - dem Land fehlt Hysterie!

Von SPIEGEL-ONLINE-Krisenkolumnist

Sandy Meyer-Wölden (mit Partner Oliver Pocher): Hilfe erst für sie, dann für Sarrazin
ddp

Sandy Meyer-Wölden (mit Partner Oliver Pocher): Hilfe erst für sie, dann für Sarrazin


Hamburg - Die Schweinegrippe-Besorgnis wächst. Seit Wochen bemühen sich Tausende Bundesbürger um eine ordnungsgemäße Infektion. Doch die Gesundheitsbehörden mauern.

Manche Pandemie-Laien wurden schon dabei beobachtet, wie sie sich aus schierer Verzweiflung am nächsten Flughafen unter einen Mob hustender Urlaubsheimkehrer mit "Malle"-Shirts mischen wollten. Andere riefen infizierte Mitmenschen per Kleinanzeige zu Schweinegrippe-Treffs auf, um im Rahmen eines bunten Abends alle Familienangehörigen mit anstecken zu lassen.

Oder sie flehten ihren Hausarzt an, das Kratzen im Hals endlich "als das zu sehen, was es ist: Ich hab die Seuche!"

Vielsprechend waren die Erfahrungsberichte erster infizierter Lokaljournalisten, deren Zeitungen die oft anrührend-intimen Tagebücher als Dokumente einer seelenlos gewordenen Gesellschaft druckten. Meist klang das etwa so: "Dritter Tag - liege im Bett und fühl mich schlapp. Wieder harter Stuhl. Nachbarn erschrecken, wenn sie mich im Pyjama zum Müll schlurchen sehen. Vierter Tag - Fange an, aus purer Langeweile bei NeunLive mitzuraten. Meist kommt 'Aschaffenburg' raus. Heute gar kein Stuhl. Auch noch Darmverschluss?"

Dazu sah man Fotos von bleichen Lokaljournalisten, die aussahen wie bleiche Lokaljournalisten, nur mit Mundschutz.

Hier greift die scheidende SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt mit dem letzten großen Panik-Projekt ihrer Legislaturperiode an: In den kommenden Wochen soll die bundesweite Schweinegrippe-Massenimpfung anlaufen. Im Interesse einer landesweiten Hysterie hat die Ministerin keine Kosten gescheut, dass pünktlich viel zu wenig Impfstoff bereitliegt. Nun sind nur 50 Millionen Dosen da.

Hausärzte warnen hinter vorgehaltener Hand statt mit Mundschutz

Zuerst sollen Schwangere, chronisch Kranke und sogenanntes medizinisches Schlüsselpersonal behandelt werden - also Sandy Meyer-Wölden und überbezahlte Chefärzte. Kleine, pumperlgsunde türkische Kopftuchmädchen aus Berlin-Kreuzberg müssen sich ebenso hinten anstellen wie 64-jährige Bundesbank-Noch-Vorstände aus Frankfurt. Wenn das kein menschenverachtender Rassismus ist!

Als weitere Aufreger werden von der Bundesregierung bereitgestellt: die geldgeile Pharmamafia, die explodierenden Behandlungskosten und natürlich die Impfung selbst. In den USA wird vorerst nur gesprayt. In Deutschland setzt man dagegen auf die archaische Muskelspritze, die Schweißausbrüche und Herzrasen gewährleistet. Blutvergiftungen gibt es auf Nachfrage.

Laut "Hamburger Abendblatt" verweisen viele Hausärzte nur "hinter vorgehaltener Hand" auf die Probleme der Impfung. Dabei wäre ein handelsüblicher Mundschutz auch hier deutlich effizienter als eine Hand vorm Gesicht. Die Hoffnung auf weitere Risiken ist jedenfalls beachtlich. Fachleute setzen vor allem auf den beigemischten Wirkverstärker ASO3, der möglicherweise unkalkulierbare Nebenwirkungen auslöst: Hautrötungen und Schwellungen sind quasi garantiert. Vielleicht wächst einem auch ein drittes Ohr in der Achselhöhle. Oder man bildet sich zur Schweinegrippe noch Ebola ein bzw. hält sich plötzlich für Guido Westerwelle.

Die Bundeswehr protestiert, weil sie das Mittel ohne die Verstärkerstoffe bekommen soll. Halten unsere Jungs dafür am Hindukusch den Kopf hin? Für die schwarz-gelbe Koalition gibt es noch jede Menge zu tun, um die wachsenden Bedenken in der Bevölkerung stufenlos weiter hochzupegeln in Richtung nackte Massenhysterie.

Eher durch Zufall stellte sich kürzlich heraus: Jährlich sterben allein in Deutschland Hunderttausende Menschen. Einfach so. Der Tod ist eine Seuche. Hier muss endlich was geschehen!



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