Weltweite Giftquellen Die vergessenen Lecks der Öl-Industrie

AP

Von Kai Lange

2. Teil: Westsibirien: Öl für Deutschland fließt durch marode Pipelines


Der Großteil der Öl- und Gasexporte Russlands wird in Sibirien gefördert - auf einer Fläche, die mehr als 20-mal so groß ist wie die Bundesrepublik. Doch das riesige Pipeline-Netz, durch das das Öl nach Deutschland und Westeuropa fließt, ist marode: Mehr als 100.000 Tonnen Rohöl pro Jahr laufen nach Schätzungen von Greenpeace allein durch die amtlich registrierten Havarien und Pipeline-Brüche aus. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein.

"Es ist ein riesiges, veraltetes Netz. Russland hat das Problem zwar erkannt, die Altlasten aber noch lange nicht bewältigt", sagt Bussau. Die veralteten Leitungen halten die extremen Temperaturschwankungen in der Region nicht aus: Immer wieder reißen Schweißnähte, so dass regelmäßig ganze Landschaften in Öl stehen", berichtet der Greenpeace-Mitarbeiter.

Der BP-Konzern ist gemeinsam mit dem russischen Ölförderer TNK in der Region aktiv. TNK-BP ist nach Rosneft und Lukoil der drittgrößte Ölkonzern in Russland. Man setze neue Technologien ein, um den Zustand der Leitungen zu verbessern, heißt es bei TNK-BP. Die Zahl der Lecks sei in den vergangenen fünf Jahren stark zurückgegangen. Nach Einschätzung von Bussau bleibt jedoch noch viel zu tun: Allein in den Samotlor-Ölfeldern in Westsibirien, die zu den größten der Welt zählen, müssten noch Tausende Kilometer Pipelines ausgetauscht werden. "Seit 60 Jahren wird dort Öl gefördert, und seit 60 Jahren läuft dort Öl aus."



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