Weltweite Giftquellen Die vergessenen Lecks der Öl-Industrie

AP

Von Kai Lange

3. Teil: Ölsande in Kanada: Das schmutzigste Öl der Welt


Der US-Kongress hat BP-Chef Tony Hayward bei einer Anhörung in Washington wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko an den Pranger gestellt. Doch auch den schärfsten Kritikern war bewusst, dass die USA noch viele Jahre vom Öl abhängig bleiben werden und die großen Energiekonzerne in der Vergangenheit kaum kontrolliert wurden. Während die Abgeordneten BP beschimpfen, treibt die US-Regierung den Bau einer weiteren Pipeline von Texas nach Alberta voran: Dort, im westlichen Kanada, werden durch den Abbau von ölhaltigen Sanden täglich riesige Mengen Treibhausgase und giftige Abwasser freigesetzt.

"Die Ölsande in Kanada haben für die USA strategische Bedeutung. Sie bieten die zweitgrößten Ölreserven der Welt, alle Big Player der Ölindustrie sind dort aktiv", sagt Christoph van Lieven, Ölexperte bei Greenpeace. Das Öl muss in einem aufwendigen Verfahren zunächst mit Hilfe von heißem Wasser aus dem Sand ausgewaschen werden: Bei dem Verfahren entstehen pro Tag 300 bis 500 Millionen Liter Produktionsabwässer, von denen rund elf Millionen Liter im Boden versickern, schätzt von Lieven. Bei der Ölgewinnung aus Ölsand werden zudem große Mengen Treibhausgase freigesetzt. Nach Einschätzung von Umweltverbänden ist das aus Ölsand gewonnene Öl das "schmutzigste Öl der Welt".

Rund um die Förderstätte Fort McMurray sind aus der Luft riesige Seen aus toxischen Abwässern zu besichtigen, die Tierwelt ist nach Angaben von Greenpeace bereits zu 80 Prozent reduziert. Vogelscheuchen sollen die verbliebenen Vögel von den Fördergebieten fernhalten. Obwohl die Ölgewinnung aus Sand auch für die Fördergesellschaften vergleichsweise teuer ist, bleiben sie vor Ort aktiv: "Für den Börsenwert eines Ölkonzerns spielt die Höhe der Reserven eine wichtige Rolle ", sagt van Lieven. In Kanada sei inzwischen ein Industriegebiet von der Größe Englands entstanden. "Wenn der Abbau der Ölsande so weitergeht, wird der pro Kopf CO2 Ausstoss Kanadas laut IEA ab 2015 der weltweit höchste sein."



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