Weltweite Giftquellen Die vergessenen Lecks der Öl-Industrie

AP

Von Kai Lange

4. Teil: Nigerdelta: Shell und die Umweltkatastrophe in Südnigeria


Seit 50 Jahren wird in der einst fruchtbaren Region des Nigerdeltas im Süden Nigerias Öl gefördert. Einer der wichtigsten Akteure vor Ort ist der Shell-Konzern. Seit Jahren läuft aus dem maroden, 6000 Kilometer langen Pipeline-Netz immer wieder Öl aus. Hinzu kommen Sabotageakte unterschiedlicher Rebellengruppen: Sie zapfen Ölleitungen an oder sabotieren Pipelines, teils aus Protest gegen die Ölförderung, die den Fischern die Lebensgrundlage zerstört hat, und teils aus anderen politischen Motiven.

Nach Schätzungen von Umweltorganisationen verschmutzen pro Jahr rund 13 Millionen Barrel auslaufendes Öl das Nigerdelta - das entspricht etwa der Menge Öl, die 1989 aus der Exxon Valdez ins Meer auslief, als der Tanker vor Alaska auf ein Riff lief. Shell versucht inzwischen, die Lage schon aus eigenem Interesse zu stabilisieren. Doch ein großer Teil des Geldes, das der Ölkonzern an die Regierung zahlt, versickert in den Taschen korrupter Regierungsbeamter wie das Öl im Boden des Deltas. Die Region wird sich nach Einschätzung von Greenpeace von 50 Jahren chronischer Verschmutzung kaum erholen können.

"So lange es nichts oder so gut wie nichts kostet, die Umwelt zu verschmutzen, wird sich kaum etwas ändern", sagt Greenpeace-Aktivist van Lieven. Kosten durch Umweltschäden hätten in der Kalkulation der Förderkonzerne bislang nur einen verschwindend geringen Anteil. Während die Kosten für BP durch die Ölpest im Golf von Mexiko immens ausfallen dürften, habe Shell in Nigeria bislang nur wenig zu befürchten: Die meisten Schadensersatzforderungen hat der Konzern bislang erfolgreich abgewehrt.



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