Weltweite Giftquellen Die vergessenen Lecks der Öl-Industrie

AP

Von Kai Lange

5. Teil: Nordsee: Ölschwaden und der vergessene Blowout


Das Wort "Blowout" erreichte erst durch den Untergang der Deepwater Horizon und die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko traurige Berühmtheit. Doch bereits 1990 sorgte die englische Ölfirma Mobil North Sea Limited mitten in der Nordsee für einen Blowout, als sie auf der Suche nach Öl eine unter Überdruck stehende Gasblase anstach. "Der Überdruck entlud sich durch das Bohrgestänge, doch die Bohrinsel ist damals im Gegensatz zur Deepwater Horizon nicht explodiert", berichtet Greenpeace-Experte Bussau. Die Bohrungen wurden sofort eingestellt, die Bohrinsel abgezogen - und seit 20 Jahren strömen gewaltige Mengen Methan aus dem unverschlossenen Leck am Meeresgrund aus.

Nachfolger der Mobil-Organisation wurde im Dezember 1999 der Ölkonzern Exxon. Die britische Regierung hat die Untersuchung des Gaslecks bereits vor Jahren eingestellt - es bestehe keine Gefahr für die Umwelt, heißt es. Doch aus diesem Bohrloch entweichen nach Berechnungen des Instituts für Meereswissenschaften an der Uni Kiel etwa 25 Prozent des gesamten Methanausstoßes der Nordsee.

"Es ist eine der größten Methangasquellen Europas. In den Seekarten sind entsprechende Warnhinweise eingezeichnet", berichtet Bussau. Während Verbraucher versuchten, die CO-2-Belastung durch umweltbewusstes Verhalten zu senken, ströme dort das als Treibhausgas weitaus wirksamere Methan weiterhin ungehindert aus.

Methangas ist unsichtbar. Deutlich sichtbar sind jedoch die Ölschlieren, die sich um die rund 400 Ölförderplattformen in der Nordsee legen. Seit 1995 überfliegt Bussau regelmäßig die Förderanlagen in der Nordsee, zuletzt im Mai 2010. "Die Plattformen stehen bei ganz normalem Betrieb in einem Ölteppich - denn nachdem das geförderte Gemisch aus Öl, Wasser und Gas getrennt worden ist, wird das ölhaltige Restwasser wieder abgelassen." Eine bessere Filterung wäre für die Fördergesellschaften aufwendig und teuer. Solange es keine entsprechenden Auflagen gebe, sei eine chronische Verschmutzung der Umwelt die günstigere Lösung.



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