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Weltweite Giftquellen: Die vergessenen Lecks der Öl-Industrie

Von Kai Lange

Unbeachtete Giftkatastrophen: Das Leck im Golf von Mexiko gilt als historisches Umweltdesaster. Doch an vielen anderen Stellen in der Welt entweicht seit Jahren unkontrolliert Öl und Gas, ohne dass darum allzuviel Aufhebens gemacht wird.

Von Kanada bis zur Nordsee: Wo Öl weltweit unbeachtet ausfließt Fotos
AP

Hamburg - "Alle hoffen, dass BP das Ölleck endlich schließt", sagt Christian Bussau. Der Teamleiter für Sonderprojekte bei Greenpeace Deutschland verfolgt die Tests der Stahlglocke über dem Ölleck im Golf von Mexiko erwartungsvoll. "Die spannende Frage ist, ob BP es schafft, auch auf die öffentliche Diskussion einen Deckel zu setzen und aus den Schlagzeilen zu kommen."

Bussau spricht aus Erfahrung. Seit 15 Jahren ist er mit Kollegen der Umweltschutzorganisation Greenpeace an Orten unterwegs, wo Öl oder Gas in großen Mengen unkontrolliert austritt - und Abhilfe nicht in Sicht ist, weil es kaum öffentlichen Druck auf die vor Ort verantwortlichen Förderunternehmen gibt.

Um die Folgen dieser chronischen Umweltvergiftung zu besichtigen, müsse man nicht erst nach Westafrika in das berühmt-berüchtigte Nigerdelta fahren, wo auslaufendes Öl seit Jahrzehnten das einst fruchtbare Land zerstört. Im kanadischen Alberta, wo sämtliche Big Player der Ölindustrie aktiv sind, sind durch den Abbau der Ölsande riesige Giftseen und tote Flächen entstanden. In Westsibirien laufen jährlich laut Schätzungen von Umweltorganisationen mehr als 600.000 Barrel Öl aus dem maroden Pipeline-Netz aus, das Öl unter anderem nach Deutschland bringt.

Auch vor der deutschen Küste gehört Umweltverschmutzung zum Tagesgeschäft: "Die rund 400 Förderplattformen in der Nordsee stehen in einem Ölteppich - das gehört zum Normalbetrieb", sagt Bussau. Mitten in der Nordsee, östlich von Schottland, findet sich zudem eine der größten Methangasquellen Europas: "Die Folgen eines Blowouts. Hier tritt seit 20 Jahren Gas aus", sagt Bussau. Die einzige Chance, diesen Prozess weltweit zu stoppen, seien schärfere Auflagen und regelmäßige Kontrollen. Doch danach sieht es derzeit noch nicht aus, wie eine Tour durch zahlreiche Förderstätten zeigt.

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