Weltwirtschaftsforum Trump mischt "Davos-Party" auf

Beim Elitetreffen in Davos will Donald Trump zeigen, wer in der Weltwirtschaft das Sagen hat. Dabei steht die Veranstaltung für alles, was die Anhänger des US-Präsidenten verachten. Wie passt das zusammen?

Davos vor Beginn des Weltwirtschaftsforums
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Davos vor Beginn des Weltwirtschaftsforums

Aus Davos berichten und


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Wer ist der mächtigste Mann der Welt? Diese Frage scheint Donald Trump umzutreiben. Im Schweizer Winterkurort Davos will er sie in dieser Woche offenbar beantworten. Trump hat sich als Redner für das Weltwirtschaftsforum angekündigt, das an diesem Dienstag offiziell beginnt. Er ist der erste US-Präsident seit Bill Clinton im Jahr 2000, der das Treffen von Unternehmens- und Staatenlenkern in den Bergen besucht.

Ausgerechnet Trump. Ausgerechnet jener politische Kraftmeier, der so wenig von internationaler Zusammenarbeit hält. Wenn eines in Davos immer klar war, dann, dass es nur darum gehen kann, wie man die Globalisierung gestaltet. Nicht darum, ob man sie überhaupt will.

Trump hingegen gewann die Wahl mit Abschottungsversprechen. Seinen früheren Chefstrategen Stephen Bannon ließ er gegen die "Davos-Party" wettern, deren Diktatur die arbeitende Bevölkerung der Welt leid sei. Bannon ist weg, doch Trump scheinen andere Länder noch immer vor allem als Kulisse für den eigenen Nationalismus zu interessieren. Den Davos-Besuch ließ er seine Sprecherin damit begründen, der Präsident begrüße "Gelegenheiten seine America-First-Agenda mit Weltführern voranzutreiben".

Vorbote des Trump-Besuchs: US-Militärmaschine am Zürcher Flughafen
DPA

Vorbote des Trump-Besuchs: US-Militärmaschine am Zürcher Flughafen

Ein Populist, der die liberalen Eliten immer verspottet und geschmäht hat, wird also die Hauptattraktion des wohl größten Elitentreffens der Welt. Wie passt das zusammen?

"Es ist absolut notwendig, dass Präsident Trump da ist", beteuert Klaus Schwab, der deutsche Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF). Schließlich gehe es in Davos um "die Zukunft globaler Kooperation" bei Themen wie Handel, Umwelt und dem "Kampf gegen Terrorismus". Heutzutage könne kein Land und kein einzelner Mensch die Probleme der Welt alleine lösen.

Letztes Jahr stahl Xi die Show

Für Trump dürfte es in Davos allerdings um etwas anderes gehen: Prestige. Im vergangenen Jahr hatte der chinesische Präsident Xi Jinping beim WEF seinen großen Auftritt - und nutzte die Abwesenheit wichtiger westlicher Regierungschefs, um sich zum Verteidiger einer liberalen Wirtschaftsordnung aufzuschwingen. "Wir müssen Nein sagen zum Protektionismus", tönte Xi damals, drei Tage vor Trumps Amtseinführung. Das Signal war klar: Wir sind der neue Anker der Weltwirtschaft.

Das können offenbar weder Trump noch andere westliche Staats- und Regierungschefs auf sich sitzen lassen. In diesem Jahr kommen sie alle: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Großbritanniens Premierministerin Theresa May, Kanadas Regierungschef Justin Trudeau. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel wird trotz GroKo-Stress in Davos vorbeischauen.

Auch wenn der US-Präsident selbst erst zum Abschluss des Treffens am Freitag reden soll, dürfte er schon vorher viele Diskussionen bestimmen. Denn so mancher Davoser Dauergast ist längst auf Distanz zu Trump gegangen - etwa Jamie Dimon. Der Chef der US-Bank JP Morgan soll einmal in einer Telefonkonferenz geklagt haben, es sei "beinahe peinlich, als amerikanischer Bürger um die Welt zu reisen und gleichzeitig diesem blöden Mist zuzuhören, mit dem wir es in unserem Land zu tun haben".

Der Milliardär George Soros, ebenfalls Stammgast des Treffens, nannte Trump vor einem Jahr in Davos gar einen "Blender und Hochstapler und Möchtegerndiktator". Auf die Frage, wie die Geschäftswelt auf Trump reagieren solle, antwortete Soros: "Ich werde mich so weit wie möglich von ihm fernhalten."

Gerade bei den zahlreich nach Davos gereisten US-Managern dürfte in Bezug auf Trump jedoch eher freundliche Zurückhaltung herrschen. Der Präsident ist vielen peinlich, doch er betreibt eine Politik ganz in ihrem Sinn. Bisher läuft die Wirtschaft unter Trump hervorragend. Die Aktienmärkte erreichen fast täglich neue Rekordstände. Durch die Steuerreform, die Trump nach langem Hin und Her durch den Kongress bekommen hat, werden die Unternehmen zumindest mittelfristig deutlich entlastet.

Die Folge: Nirgendwo ist die Stimmung laut einer jährlichen Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) unter knapp 1300 Topmanagern derzeit so gut wie in Nordamerika. Der Anteil von Bossen, die "sehr optimistisch" in die nahe Zukunft blicken, schnellte hier innerhalb eines Jahres von 39 auf 53 Prozent hoch. Das liegt laut PwC nicht zuletzt an der "geschäftsfreundlichen Agenda der Trump-Regierung mit ihrer starken Senkung der Unternehmenssteuern und zurückgenommenen Regulierungen".

Auch sonst ist die Stimmung in der Wirtschaft viel besser als man angesichts der vielerorts angespannten Weltlage vermuten könnte. 57 Prozent der Manager erwarten, dass die Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten wächst - fast doppelt so viele wie im Vorjahr und der höchste bislang gemessene Wert.

Doch wer profitiert von all dem Wachstum? Zweifellos viele der Davos-Gäste, doch auch damit gehören sie zu einer Elite: Nach Berechnungen der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam gingen 82 Prozent des weltweiten Vermögenswachstums im vergangenen Jahr an das reichste Prozent der Bevölkerung. Insgesamt besitze das Top-Prozent damit knapp mehr als der gesamte Rest der Bevölkerung.

Exakte Daten zur Vermögensverteilung sind schwer zu bekommen, auch deshalb wurden Oxfam-Berechnungen in der Vergangenheit kritisiert. Tendenziell kommen andere Studien aber zu ähnlichen Ergebnissen. So errechneten der Steuerexperte Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Kollegen gerade, dass das reichste Prozent in Deutschland ein Drittel der Vermögen besitzt.

Protest gegen das WEF und Trump in Bern
AFP

Protest gegen das WEF und Trump in Bern

Zur Bekämpfung der Ungleichheit fordert Oxfam unter anderem eine einheitlichere Steuerpolitik durch weltweite Mindeststeuersätze. Donald Trumps Reform könnte nun jedoch das Gegenteil auslösen: einen neuen Steuerwettbewerb. Auch bei Wertevorstellungen, Handel oder Justiz driftete die Welt nach Ansicht der von PwC befragten Manager derzeit eher auseinander als dass sie zusammenwächst.

"Eine gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt schaffen", lautet passend zu diesen Eindrücken das Motto des diesjährigen Wirtschaftsforums. Von Trump ist eine solche Zukunftsvision nicht zu erwarten. In Davos dürfte man schon froh sein, wenn es am Ende der Woche keine neuen Scherben gibt.

Zusammengefasst: Der Besuch von US-Präsident Donald Trump dürfte das diesjährige Weltwirtschaftsforum in Davos beherrschen. Trumps Ideologie steht im Widerspruch zur dort oft propagierten Form der Globalisierung, viele Unternehmenschefs sehen ihn kritisch. Mit seiner Steuerreform und Deregulierung heizt Trump jedoch die heimische Wirtschaft an - und sorgt damit besonders unter US-Managern für Optimismus.

insgesamt 42 Beiträge
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hansriedl 22.01.2018
1. 2017 gab es weltweit alle zwei Tage einen neuen Milliardär
Ob man in Davos über diesen rasanten Anstieg des Kapitals nur ein Wort verliert. "82 Prozent des im vergangenen Jahr erwirtschafteten Vermögens ist in die Taschen des reichsten Prozents der Weltbevölkerung geflossen" Die Hypothese des Karl Marx von der Akkumulierung des Kapitals, der von den Vertretern eben dieses Kapitals immer wieder verteufelten wird, obwohl er kein Politiker war, sondern Ökonom, scheint sich in der immer mehr globalisierten Welt zu einer These auszuformen. Der Wert der Arbeit sinkt, da das Kapital von Form von Automatisierung in hohem Maß auch dessen Funktion übernimmt. Es ist höchst an der Zeit, wenn hier die Politik endlich einschreitet um den Wert des Menschen gegenüber dem Kapital zu schützen, da andernfalls gefährliche gesellschaftliche Verwerfungen auftreten werden. Der Nationalismus zeigt bereits wieder seine grausame Fratze, die Lehren aus der Migration werden möglicherweise falsch gezogen. Hierzu braucht es eine Lösung.
sven2016 22.01.2018
2.
Da hat er schon Recht: Davos war schon immer ein Treffen der Profiteure und Zocker der Globalisierung. Auch wenn Trump die Typen verachtet (so wie die Goldman Sachs-Banker), verdienen will er daran und sich präsentieren auch. Ein Krönchen vielleicht nach dem Auftritt? Und die Produzenten der Trump-Waren aus China trifft er da auch.
peace1978 22.01.2018
3. Zeit fürs "FISA-Memo"?
Werden die Republikaner jetzt das FISA-Memo veröffentlichen, damit es so aussieht, als ob Trump, der dem es am Meisten nützt und dessen selbsterklärte Feinde, damit mit den miesesten Lügen überschüttet werden, damit es so aussieht, als ob er nichts damit zu tun hätte (FISA-Memo, in Suchleiste + seriöse amerikanische Medien, z.B. CNN oder NYT und zum Vergleich, Fox News was über 30% der Amerikaner anschauen) Na, hoffentlich unterschreibt keiner in Davos etwas bei Trump, da ja durch die Veröffentlichung, der Drecksschriften ("Wie beim KGB!" wie der empörte Rep. Senator Gaetz meinte), ja laut den Reps, Trump jr. und den ganzen Trump-Medien, dadurch das FBI, die Demokraten (+Obama, der gar nicht mehr im Amt ist) und viele so called "Fake News" gestürtzt werden sollen, die sich während der Wahl, angeblich sämtliche Gesetze vetachtend, zusammen taten, um Trump den damals ach so sicheren Sieg zu entreißen. Aber ich bin mir sicher, dass die deutschen Trumpisten, auch dann noch behaupten werden, dass Trump das wahre und einzige Opfer ist, wenn er sich offen bemüht all jene mit diesen Lügen, zu zerstören (obwohl im Moment läßt er ja alle anderen die Drecksarbeit für ihn erledigen). Gott schütze Amerika und uns, vor Trump(-isten)!
WolfThieme 22.01.2018
4. High Noon
Yeeee-haw! Wo ist eine gnädige Dachlawine?
amon.tuul 22.01.2018
5. Die blöden Banker in Devos
sind mir 1000 mal unsympathischer als Trump, den ich nicht sonderlich mag.
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