Studie: Kluft zwischen Arm und Reich gefährdet Weltwirtschaft

Klimawandel, Staatspleiten, Wassermangel: Weltweit wächst die Krisengefahr, zeigt eine Studie des Weltwirtschaftsforums. Die insgesamt tausend befragten Experten warnen vor allem vor extremen Unterschieden beim Einkommen - weil sie der Ökonomie schaden.

World Risks Report: Die größten Gefahren für die Welt Fotos
REUTERS

Hamburg - Was bedroht die Welt? Dieser Frage geht jedes Jahr eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Weltwirtschaftsforums nach. Sie befragt rund tausend Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und sozialen Organisationen - und präsentiert die Ergebnisse in ihrem "Global Risks Report".

Laut dem neuesten Bericht sieht die Welt 2013 ein bisschen düsterer aus als 2012. Viele Risiken seien gestiegen, heißt es. Die Befragten schätzen insgesamt sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit der von ihnen genannten Krisenszenarien in den kommenden zehn Jahren als auch die möglichen Folgen höher ein als noch im letzten Report. "Diese globalen Risiken sind eine Gesundheitswarnung für unsere wichtigsten Systeme", lässt sich Lee Howell, ein Autor der Studie, zitieren. Jedes Land müsse deshalb daran arbeiten, widerstandsfähiger gegen solche Risiken zu werden.

Wirtschaftliche Probleme stehen auch 2013 wieder ganz oben auf der Liste der 50 größten Gefahren für die Welt:

  • Als größtes Risiko wird eine stark zunehmende Einkommensungleichheit genannt. Von allen Szenarien werde dieses am wahrscheinlichsten in den kommenden zehn Jahren eintreten. Das Thema Ungleichheit sorgt seit einiger Zeit für verstärkte Diskussionen - auch weil die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich als ein wesentlicher Auslöser von möglichen Krisen gilt.
  • An zweiter Stelle steht die öffentliche Verschuldung. Ein chronisches Ungleichgewicht der Staatshaushalte gilt den Befragten zwar als etwas weniger wahrscheinlich als noch im vergangenen Jahr - möglicherweise unter dem Eindruck der zuletzt deutlich abgeflauten Euro-Krise. Die möglichen Folgen schätzen sie aber als noch dramatischer ein.
  • Platz drei der Risikoliste belegt ein Umweltthema: Die steigenden klimaschädlichen Emissionen sorgen die Experten in diesem Jahr besonders, die Gefahr eines Scheiterns der Klimaschutzverhandlungen ist in ihren Augen stark gestiegen. Auch der letzte Klimagipfel in Doha endete mit einem Minimalkonsens.
  • Größte gesellschaftliche Gefahr ist laut der Umfrage die zunehmende Wasserknappheit in vielen Ländern der Erde - kaum ein anderes Risiko könne ähnlich dramatische Folgen haben.
  • An fünfter Stelle steht ein falscher Umgang mit der alternden Bevölkerung. Gemeint ist damit ein Versagen bei der Reaktion auf wachsende Kosten und gesellschaftliche Herausforderungen durch den demografischen Wandel.

Vor allem die Kombination aus Problemen im Wirtschafts- und Umweltsystem halten die Experten für gefährlich: "Sind beide Systeme parallel Verwerfungen ausgesetzt, so könnte dies den 'perfekten globalen Sturm' auslösen mit potentiell verheerenden Folgen", schreiben sie. Durch die Wirtschaftskrise fehlten die Ressourcen, um Probleme wie den Klimawandel effektiv anzugehen.

Als weiteres Krisenszenario nennt der Report Ereignisse mit unerwartet großen Auswirkungen. Dazu zählten "digitale Flächenbrände in einer hypervernetzten Welt" wie etwa der Anti-Islam-Film "Die Unschuld der Muslime" auf YouTube, der weltweit für gewalttätige Proteste sorgte.

Außerdem bestehe die Gefahr, dass scheinbar gelöste Probleme außer Kontrolle geraten. Als Beispiel nennt der Report die Möglichkeit, dass ein Großteil der heute verwendeten Antibiotika aufgrund von übermäßiger Verwendung seine Wirkung verliert.

Die Einschätzung von Ungleichheit, Verschuldung und Klimawandel als größte globale Risiken hat sich gegenüber dem World Risk Report von 2012 nicht verändert. Im Verlauf der vergangenen Jahre jedoch hat sich die Rangliste stark gewandelt - offenbar erheblich davon beeinflusst, welche Themen jeweils die öffentlichen Debatten beherrschten.

So war Ungleichheit zu Zeiten der Finanzkrise zwischen 2008 bis 2010 ebenso wenig ein prominentes Thema wie der Klimawandel. Stattdessen galt ein Preisverfall bei Vermögenswerten noch als größtes Risiko, sowohl in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit als auch die potentiellen Auswirkungen. Auch eine Abschwächung der chinesischen Konjunktur und chronische Erkrankungen gehörten der Studie zufolge vor wenigen Jahren noch zu den Top-Risiken.

Der Risikoreport soll in zwei Wochen beim WEF-Jahrestreffen in Davos diskutiert werden. Dazu werden wieder hochrangige Politiker erwartet - unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Ministerpräsident Dmitrij Medwedew.

stk/dab/dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 362 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Arm und reich
hubertrudnick1 08.01.2013
Zitat von sysopKlimawandel, Staatspleiten, Wassermangel - weltweit wächst die Krisengefahr. Das zeigt eine Studie des Weltwirtschaftsforums. Vor allem vor immer extremeren Unterschieden beim Einkommen warnen die insgesamt 1000 befragten Experten. Weltwirtschaftsforum: Global Risks Report zeigt größte Gefahren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/weltwirtschaftsforum-global-risks-report-zeigt-groesste-gefahren-a-876236.html)
Wenn ich hier lese das der Gegensatz zwischen arm und reich die Weltwirtschaft gefährden könnte, dann frage ich mal hier, hat sich schon jemals die Reichen um die Armen in der Welt geschert, haben sie schon jemals beim Schöffeln ihres Reichtum daran gedacht? Unsinniges Nachdenken, die Menschen denken kaum, oder gar nicht an ihre Mitmenschen. Es sind immer wieder nur einige die auch ein Mitgefühl haben, aber die spielen im Weltgeschehen keine entscheidene Rolle.
2. Werden die Armen zu arm,
Baikal 08.01.2013
können sie nicht mehr ausgebeutet werden und auch sonst rentent. Also gebt weiterhin Brosamen: Gut, das ist der Pfennig, aber wo bleibt die Mark? wollte schon Tucholsky wissen und bekam seine Antwort: Krieg.
3. Die wachsende Kluft zwischen Bildung und Unbildung ...
wadoe2 08.01.2013
ist die Ursache für jegliches Übel. Daraus resultiert alles! Ohne Bildung muss ein Mensch das glauben, was man ihm sagt und er muss dem gehorchen, der ihm Befehle erteilt. Dem zu entkommen ist einzig über Bildung möglich. Nur Bildung befreit den Menschen aus seiner Unmündigkeit.
4. Bevölkerungszuwachs..
spon_2117689 08.01.2013
Mir fehlt in der Liste der Bevölkerungszuwachs. Es gibt zuviel Menschen, man kann nicht für alle die selben Möglichkeiten bieten. Das ist traurig, aber ein Problem das wie die anderen seit 30 Jahren ignoriert wird.
5. Schon
sonylein 08.01.2013
immer gab es Krisen. Nur waren die Leute damals nicht so überinformiert wie heute und hatten vor allem keine Zeit sich um alle Krisen dieser Welt zu kümmern. Und eines wird bei diesen Glaskugel Propheten auch immer wieder vergessen. Der Status quo war gestern schon überholt und gilt für morgen sicher nicht mehr. Also besser chillen als ständig Trübsal blasen...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Einkommen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 362 Kommentare
  • Zur Startseite