Hamburg - Was bedroht die Welt? Dieser Frage geht jedes Jahr eine Arbeitsgruppe im Auftrag des Weltwirtschaftsforums nach. Sie befragt rund tausend Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und sozialen Organisationen - und präsentiert die Ergebnisse in ihrem "Global Risks Report".
Laut dem neuesten Bericht sieht die Welt 2013 ein bisschen düsterer aus als 2012. Viele Risiken seien gestiegen, heißt es. Die Befragten schätzen insgesamt sowohl die Eintrittswahrscheinlichkeit der von ihnen genannten Krisenszenarien in den kommenden zehn Jahren als auch die möglichen Folgen höher ein als noch im letzten Report. "Diese globalen Risiken sind eine Gesundheitswarnung für unsere wichtigsten Systeme", lässt sich Lee Howell, ein Autor der Studie, zitieren. Jedes Land müsse deshalb daran arbeiten, widerstandsfähiger gegen solche Risiken zu werden.
Wirtschaftliche Probleme stehen auch 2013 wieder ganz oben auf der Liste der 50 größten Gefahren für die Welt:
Vor allem die Kombination aus Problemen im Wirtschafts- und Umweltsystem halten die Experten für gefährlich: "Sind beide Systeme parallel Verwerfungen ausgesetzt, so könnte dies den 'perfekten globalen Sturm' auslösen mit potentiell verheerenden Folgen", schreiben sie. Durch die Wirtschaftskrise fehlten die Ressourcen, um Probleme wie den Klimawandel effektiv anzugehen.
Als weiteres Krisenszenario nennt der Report Ereignisse mit unerwartet großen Auswirkungen. Dazu zählten "digitale Flächenbrände in einer hypervernetzten Welt" wie etwa der Anti-Islam-Film "Die Unschuld der Muslime" auf YouTube, der weltweit für gewalttätige Proteste sorgte.
Außerdem bestehe die Gefahr, dass scheinbar gelöste Probleme außer Kontrolle geraten. Als Beispiel nennt der Report die Möglichkeit, dass ein Großteil der heute verwendeten Antibiotika aufgrund von übermäßiger Verwendung seine Wirkung verliert.
Die Einschätzung von Ungleichheit, Verschuldung und Klimawandel als größte globale Risiken hat sich gegenüber dem World Risk Report von 2012 nicht verändert. Im Verlauf der vergangenen Jahre jedoch hat sich die Rangliste stark gewandelt - offenbar erheblich davon beeinflusst, welche Themen jeweils die öffentlichen Debatten beherrschten.
So war Ungleichheit zu Zeiten der Finanzkrise zwischen 2008 bis 2010 ebenso wenig ein prominentes Thema wie der Klimawandel. Stattdessen galt ein Preisverfall bei Vermögenswerten noch als größtes Risiko, sowohl in Bezug auf die Wahrscheinlichkeit als auch die potentiellen Auswirkungen. Auch eine Abschwächung der chinesischen Konjunktur und chronische Erkrankungen gehörten der Studie zufolge vor wenigen Jahren noch zu den Top-Risiken.
Der Risikoreport soll in zwei Wochen beim WEF-Jahrestreffen in Davos diskutiert werden. Dazu werden wieder hochrangige Politiker erwartet - unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Russlands Ministerpräsident Dmitrij Medwedew.
stk/dab/dpa
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