Weltwirtschaftsforum: Lagarde und Schäuble beschwören die Euro-Wende
Ihre Botschaft ist klar: Der Euro hat das Schlimmste hinter sich. In Davos verkünden Finanzminister Schäuble und seine französische Kollegin Lagarde die Wende in der europäischen Krise. Umschuldungen angeschlagener Staaten dürften sich dennoch nicht vermeiden lassen.
Sieben Teilnehmer auf dem Podium, ein Moderator, der sich selbst gerne reden hört und gerade einmal anderthalb Stunden Zeit - die Erwartungen an die Diskussion über die globalen wirtschaftlichen Perspektiven für 2011 waren eher gering. Und in der Tat plätscherten die Beiträge lange Zeit im unverbindlichen Nirgendwo zwischen Plattitüde und Palaver. Doch dann war es wieder da, das Thema, das beim Weltwirtschaftsforum seit Tagen dominiert, vor und hinter den Kulissen: die Lage in der Euro-Zone.
Die meisten Diskussionsrunden seit Mittwoch waren geprägt von der allgemeinen wirtschaftlichen Euphorie - bei allen, so viel Zeit muss sein, Hinweisen auf mögliche Risiken wie eine ausufernde Inflation. Und eben jene gute Stimmung machte sich auch bei der Einschätzung zur Zukunft der europäischen Währungsunion breit. Dass der Euro das Schlimmste hinter sich hat, daran zweifeln unter den Mitgliedern der globalen Elite offenbar nur noch die unverbesserlichen Dauernörgler.
Und so lag es am Samstagmittag am deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble und seiner französischen Amtskollegin Christine Lagarde, den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums nochmals die frohe "Die Wende ist geschafft"-Botschaft zu verkünden. Schließlich reisen viele Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft bereits einen Tag vor dem offiziellen Ende der Veranstaltung ab. Oder sie verbringen die restliche Zeit lieber auf den Pisten des Nobel-Skiorts.
Schäuble rief dem Publikum zu, er erwarte keine größeren Verwerfungen in Europa mehr: "Der Euro wird stabil sein." Man müsse nun die gemeinsame Wirtschaftspolitik forcieren, weil niemand außerhalb Europas verstehe, wie Länder eine gemeinsame Währung haben könnten, ohne sich ökonomisch abzustimmen. Diese Debatte will er aber offenbar lieber hinter verschlossenen Türen führen - und nicht in der Öffentlichkeit: "Wir haben auch Probleme mit dem Euro, weil wir zu viele Diskussionen hatten."
"Wir haben aus den Fehlern gelernt"
Deutlich aufgeweckter, charmanter und entschlossener als Schäuble präsentierte sich Frankreichs Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde. Sie rief in für französische Verhältnisse geradezu überirdischem Englisch den europaweiten Paradigmenwechsel aus: "Alle Länder bringen ihre Haushalte in Ordnung, wir haben aus den Fehlern gelernt." Das gelte auch für Frankreich und Deutschland, die als erste Mitglieder der Euro-Zone den Stabilitätspakt gebrochen haben. Als einige Zuhörer daraufhin applaudierten, lächelte Lagarde zufrieden und sagte: "Ich danke allen Europäern im Saal."
Bereits am Donnerstag hatte der französische Präsident Nicolas Sarkozy ein flammendes Plädoyer für den Euro gehalten: "Frau Merkel und ich werden nie, nie den Euro fallen lassen. Niemals werden wir es zulassen, dass man den Euro zerstört." Gleichzeitig rief er den weltweiten Spekulanten zu: "Denen, die gegen den Euro wetten wollen, sage ich 'Vorsicht, wir sind entschlossen, den Euro zu verteidigen.'"
Und auch Kanzlerin Angela Merkel hatte - weniger emotional, aber nicht minder entschlossen - am Freitag betont: "Es gibt keine Euro-Krise, sondern eine Schuldenkrise. Der Euro ist unsere Währung, er ist mehr als eine Währung, er ist das Europa von heute. Scheitert der Euro, scheitert Europa."
Gleichzeitig machte Merkel deutlich, wie sie sich die Harmonisierung der Wirtschaftspolitik in Europa vorstellt, also etwa die Angleichung der Rentenalter: "Wir wollen nicht den Durchschnitt aller Länder bilden, sondern uns an den besten orientieren. Europa soll nicht gleicher, sondern besser werden." Mit diesem Benchmarking-Vorschlag klang Merkel fast wie die Unternehmensberaterin der Europa AG.
Allen "Die Wende ist geschafft"-Prophezeiungen zum Trotz: Hinter den Davoser Kulissen wurde von Tag zu Tag deutlicher, dass eine Reduzierung der Haushaltsdefizite in den Euro-Staaten und bessere Koordination der Wirtschaftspolitik nur zwei von mindestens drei Schritten zur Lösung der Probleme sind. Denn Pleite-Staaten wie Griechenland und Irland könnten nach der Krise so hohe Schulden haben, dass sie nach ökonomischem Ermessen nicht mehr ansatzweise in der Lage sind, diese irgendwie zurückzuzahlen.
Und deshalb gibt es auch eine nicht ganz so frohe Davoser Botschaft: Früher oder später wird es wohl zu Umschuldungen in der Euro-Zone kommen. Am wahrscheinlichsten wird es Griechenland treffen. In manchen Gesprächen schien es, als seien nur noch die Details offen. "Man redet nicht über mögliche Lösungen, sondern präsentiert den Finanzmärkten eine Lösung", gab Bundesbankpräsident Axel Weber allzu neugierigen Fragestellern mit auf den Weg.
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- Samstag, 29.01.2011 – 14:17 Uhr
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Aus der deutschen Wirtschaftswelt nehmen unter anderem folgende Konzernchefs teil: Josef Ackermann (Deutsche Bank), Frank Appel (Deutsche Post), Marjin Dekkers (Bayer), Christoph Franz (Lufthansa), Jürgen Hambrecht (BASF), Peter Löscher (Siemens) und Johannes Teyssen (E.on).
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