Erfolg der Fahnder: Warum immer mehr Steuersünder auffliegen

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Von Freddy Quinn bis Boris Becker: Bekannte Steuersünder machen immer wieder Schlagzeilen. Durch CD-Ankäufe und Datenlecks aber hat der Druck auf Prominente deutlich zugenommen. Selbst höchst verästelte Steuermodelle sind nicht mehr vor Entdeckung sicher.

Becker bis Quinn: Prominente Steuerbetrüger Fotos
DPA

Hamburg - Er gibt sich schweigsam. Uli Hoeneß, der sonst so wortgewaltige Bayern-Manager, will sich zu seiner Selbstanzeige beim Finanzamt derzeit nicht weiter äußern. Hoeneß bestreitet zwar die anfänglich in seinem Fall kolportierten Summen, bestätigte aber die Selbstanzeige wegen eines Kontos in der Schweiz. Nun müsse er "mit den Behörden meine Hausaufgaben machen", sagte Hoeneß der "Süddeutschen Zeitung".

Das klingt bemerkenswert zurückhaltend für einen Mann von Hoeneß' Kaliber. Doch er ist nicht der erste Prominente, der im Angesicht des Fiskus auf Normalmaß schrumpft. Immer wieder gerieten deutsche Prominente wegen Steuerdelikten in die Schlagzeilen.

Ex-Tennisstar Boris Becker und Schlagersänger Freddy Quinn wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt, weil sie nach Ansicht der Richter fälschlicherweise ihren Hauptwohnsitz im Ausland angeben hatten. Ex-Verfassungsschutzchef Ludwig-Holger Pfahls, eine Schlüsselfigur der CDU-Parteispendenaffäre, hinterzog laut Urteil knapp zwei Millionen Mark an Einkommenssteuer. TV-Sternchen Verona Pooth kam nach der Zahlung von 30.000 Euro um ein Verfahren wegen nicht deklarierter Spekulationsgewinne herum.

Seit einigen Jahren aber hat die Debatte um Steuerhinterziehung eine neue Dimension erreicht, markiert wird diese Wende durch den spektakulärsten Fall der vergangenen Jahre: Dass Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel über eine Stiftung in Liechtenstein den Fiskus betrog, flog 2008 durch eine CD mit Steuerdaten auf. Zumwinkel musste zurücktreten und wurde zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Ermutigt durch den Erfolg kauften Behörden in den folgenden Jahren immer wieder Daten-CDs auf - eine rechtlich umstrittene, praktisch aber hochwirksame Maßnahme. Denn nicht nur Fälle wie Zumwinkel werden dadurch aufgeklärt. Die CDs sorgen auch für Verunsicherung und führen damit zu einer Vielzahl von Selbstanzeigen. Der Druck nahm zuletzt noch einmal zu, als Journalisten im Rahmen der "Offshore Leaks"-Affäre gleich ganze Festplatten mit Informationen über mutmaßliche Steuersünder zugespielt wurden.

Was die Fälle Zumwinkel und Hoeneß verbindet: In beiden Fällen widerspricht der Vorwurf der Steuerhinterziehung dem bislang in der Öffentlichkeit gepflegten Bild. So wie Hoeneß immer wieder seine Bodenständigkeit betonte und scharfe Angriffe gegen die Finanzindustrie ritt, so galt auch Zumwinkel bis zur Razzia als vergleichsweise bescheidener Vorzeigemanager.

Warum aber gehen äußerst wohlhabende Menschen das Risiko ein, mit Steuerhinterziehung ihre Karriere zu zerstören? Forschern zufolge teilen sie schlicht die Meinung vieler Normalbürger, dass ihnen der Staat zu Unrecht in die Tasche greift. Auch Zumwinkel erklärte vor Gericht, er habe das Vermögen komplett für seine Familie erhalten wollen. "Dieser Stamm sollte anwachsen, wo immer er auch hinwächst."

Oftmals wachsen die Vermögensstämme der Reichen sehr verästelt. Während Steuerhinterziehung dem Normalbürger meist recht simpel nachzuweisen ist, wird sie im Geflecht von Stiftungen und Briefkastenfirmen frühestens auf den zweiten Blick sichtbar. So manches jetzt im Zuge der "Offshore Leaks"-Affäre bekannt gewordene Modell ist zwar höchst zwielichtig, aber nicht illegal.

Dennoch hat die jüngste Datenflut die Nervosität in den Finanzzentren dieser Welt noch einmal deutlich erhöht. Das zeigte etwa die schlagartig gestiegene Kooperationsbereitschaft von Luxemburg bei der Herausgabe von Bankdaten oder die vor wenigen Tagen von Schweizer Instituten ausgesprochene Mahnungen an deutsche Steuerflüchtlinge: Diese sollten sich selbst anzeigen oder ihre Konten kündigen.

Gut möglich, dass solche Äußerungen und die anschwellende Datenflut auch Hoeneß aufschreckten. Laut "Focus" hoffte er ursprünglich, seine Verhältnisse mithilfe des Deutsch-Schweizer Steuerabkommens in Ordnung zu bringen, das im Dezember vom Bundesrat gestoppt wurde. Das Abkommen hätte es Steuersündern ermöglicht, ihre Steuerschuld anonym zu begleichen. Doch Anonymität wird in Steuerfragen immer mehr zum Luxusgut - auch für den sonst so mitteilsamen Bayern-Manager.

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insgesamt 118 Beiträge
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1. Der Staat fördert aber sogar dubiose Steuersparmodelle
rkinfo 22.04.2013
Klar kann man die Verurteilung aller Beteiligten einer jeder absichtlichen Steuerhinterziehung einfordern. Aber gleichzeitig gibt es 1.001 legale Steuertricks. Wer 1 Jahr wartet kann seine Spekulationsgewinne steuerfrei einstecken ... 1 Tag früher und es ist Steuerhinterziehung. Sollten bei Uli Hoeneß Spekulationen auf Kredit gelaufen sein bleibt die Frage wann und er die komplette Verfügungsgewalt über das Geld hatte. Klare Lösungen wie Vermögenssteuer statt Erträge oder Erbschaften zu besteuern bringt die Politik auch nicht fertig. Es fehlt eine einfache Steuerstruktur welche jede Art der Steuersparmodelle bis Tricks behindert und bei Verstoß klar und gerecht sanktionieren kann.
2. Das Steuersparmodel bedeutete einmal für etwas anderes
kabian 22.04.2013
Zitat von rkinfoDer Staat fördert aber sogar dubiose Steuersparmodelle ...
Sie verwechseln die Werbung der BankenOasen mit den legalen Steuersparmodellen.
3. Erfolg der Fahnder?
hkreuzhuber 22.04.2013
Von wegen Erfolg der Datendiebe! Traurig, wenn es Krimineller bedarf, um Kriminelle zu überführen! Aber anders ist die Kumpanei zwischen Politik, Banken und Superreichen wohl nicht zu druchbrechen.
4. Steep
Steep 22.04.2013
1 Jahr ist halt auch keine Spekulation sondern eine Anlage und irgendwo muss die Grenze gezogen werden...
5. Dieselben Charaktereigenschaften....
mac4ever2 22.04.2013
Zitat von sysopVon Freddy Quinn bis Boris Becker: Bekannte Steuersünder machen immer wieder Schlagzeilen. Durch CD-Ankäufe und Datenlecks aber hat der Druck auf Prominente deutlich zugenommen. Selbst höchst verästelte Steuermodelle sind nicht mehr vor Entdeckung sicher. Wie die Datenflut den Druck auf prominente Steuersünder erhöht - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wie-die-datenflut-den-druck-auf-prominente-steuersuender-erhoeht-a-895735.html)
...die einen Menschen befähigen, Millionen zu verdienen, bringen ihn ihn auch immer wieder dazu, Millionen zu hinterziehen. Das ist ganz einfach Dialektik: Oder glaubt jemand im Ernst, daß jemand, in dessen Charakterstruktur "Solidarität" an prominenter Stelle verankert ist, zu einem Millionenvermögen kommt bzw es bis an die Spitze von Hierarchien schafft?
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