Finanzfirmen Wie Zypern im Kampf gegen Geldwäsche scheitert

Europas Steuerzahler haben zyprische Banken mit Milliarden gerettet. Im Gegenzug sollte das Land Geldwäsche konsequent unterbinden. Einem TV-Bericht zufolge umgeht die Branche die neuen Regeln.

Larnaka auf Zypern
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Larnaka auf Zypern

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Trotz schärferer Regeln können Vermögende offenbar weiter Millionensummen in Zypern verstecken. Das berichtet das ZDF-Magazin "Frontal21". Reporter bekamen demnach in Beratungsgesprächen entsprechende Finanzkonstruktionen angeboten.

Die Journalisten hatten sich bei Finanzberatern als potenzielle Kunden ausgegeben, die ihre Identität verschleiern wollen. "Wie die eigentlichen Verhältnisse sind, will auf Zypern niemand wissen - auch die Bank nicht", sagte eine Beraterin laut Gedächtnisprotokoll. "Denn auf dem Papier sieht ja alles legal aus."

Video: Ausschnitt aus der Frontal21-Sendung

Frontal21/ ZDF

Eine erstaunliche Aussage, denn eigentlich hatte die zyprische Regierung 2013 versprochen, gegen Geldwäsche vorzugehen. Das war eine der Bedingungen, damit das Land 6,3 Milliarden Euro vom Eurorettungsschirm ESM erhalten konnte. Doch Zypern kommt im Kampf gegen Geldwäsche offenbar nur langsam voran - und die Banken haben sich längst angepasst.

"Ein komplettes Servicepaket"

Die Journalisten geben vor, 15 Millionen Euro verstecken zu wollen. Dazu planen sie, über Scheinfirmen in Zypern Immobilien in Deutschland kaufen. Wem die Firma wirklich gehört, soll geheim bleiben. Mit dieser Anfrage wenden sich die Reporter an Finanzberater und Banken in Deutschland und in Zypern.

Mehrere deutsche Berater werben offen mit zyprischen Briefkastenfirmen. Eine Kanzlei in Hamburg entwirft den ZDF-Reportern ein kompliziertes Firmengeflecht. Ein Berater in Leipzig verspricht, man könne alles aus Deutschland abwickeln. "Sie müssen nicht dahin fliegen", sagt der Mann.

Das sei im Grunde ein komplettes Servicepaket, um schwarze Gelder zu waschen, sagt Sebastian Fiedler vom Bund Deutscher Kriminalbeamter.

Neue Regeln, neue Umwege

In Zypern erfahren die Reporter, wie sich die neuen Geldwäscheregeln umgehen lassen. Einfach sollte es eigentlich nicht sein. Seit 2013 müssen die zyprischen Banken sogenannte Compliance-Abteilungen haben, die Geldwäsche verhindern sollen.

Doch ein zyprischer Anwalt erklärt: "Wir haben aber ein gutes Verhältnis zur Bank. Die Compliance Abteilung tut, was wir wollen. So läuft das jetzt."

"Bei welcher Bank?", fragen die Reporter.

"Bei der Bank of Cyprus", antwortet der Anwalt.

Die Bank of Cyprus ist die größte Bank des Landes und bekam ebenfalls Hilfsgelder. Auf ZDF-Anfrage versichert die Bank, dass sie alles unternähme, die vorgeschriebenen Regeln einzuhalten, indem sie, "einen robusten Rahmen für die Einhaltung der Regeln durch eine effektive Organisationsstruktur" schaffe.

Die Politik schweigt

Effektiv ist die Branche jedoch offenbar darin, die zyprischen Kontrollen zu umgehen. "Diese Produktpaletten sind nicht von heute auf morgen zu schließen, weil diejenigen, die sich die Expertise erworben haben, sich überlegen, wie sie künftige Regelungen umgehen können", sagt Fiedler.

Kritische Worte dazu aus Berlin oder Brüssel? Fehlanzeige. Die Bundesregierung lobt, die wesentlichen Ziele des Hilfsprogramms seien erreicht. Das Finanzministerium verweist auf die Kontrollen der EU-Kommission.

Die wiederum ist zufrieden mit Zypern. "Der Anti-Geldwäsche-Aktionsplan ist auf dem richtigen Weg", heißt es in der Einleitung zum letzten Kontrollbericht im Sommer 2015.

Erst auf Seite 35 folgt die Einschränkung: Es fehle ausgebildetes Personal, um eine effektive Überwachung zu gewährleisten.


Den vollständigen Beitrag sehen Sie in der Sendung Frontal21 am Dienstag um 21.00 Uhr im ZDF.

sep

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Seite 1
querdenker13 31.05.2016
1. Es geht ...
... schon wieder los. Entweder ist die EU-Kommission total blind oder sie unterlässt im Auftrag der Bankenlobby jede Kontrolle. Hauptsache der Steuerzahler zahlt. Und die Schwarzgeldlobby kann sich freuen. Diese EU-Kommission ist einfach nur noch unerträglich in ihrer Lobbyistenhörigkeit.
Referendumm 31.05.2016
2. Ist das eigentlich eine Nachricht wert?
So lautete doch bisher die journalistische Grundregel: Hund beißt Mensch => keine Nachricht wert Mensch beißt Hund => IST eine Nachricht wert Hätten die zypriotischen Banken die Geldwäsche also konsequent unterbunden, wäre auch dies eine Nachricht wert gewesen; aber so? Man kann es wirklich nicht mehr lesen. Regeln und Gesetze gelten nur noch für den ganz normalen dummen Bürger. Unsere Machteliten dagegen machen was sie wollen. Konsequenzen? Nö, zur Not werden eben nochmals Milliarden (und zwar Steuergelder der ganz normalen dummen Bürger) ins System gepumpt. WAYNE? Wen interessiert es denn schon? Am Wahltag? Zur Not werden eben die Wahlen manipuliert, damit das Ergebnis wieder passt. Alles schon da gewesen. Erst vor wenigen Monaten gabs dazu ne passende Meldung auf Spon.
modemhamster 31.05.2016
3. Fischer im Recht
Interessante Kolummne bei den Kollegen der Zeit zum Thema Geldwäsche: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-10/geldwaesche-fischer-im-recht/komplettansicht
Referendumm 31.05.2016
4.
Zitat von querdenker13... schon wieder los. Entweder ist die EU-Kommission total blind oder sie unterlässt im Auftrag der Bankenlobby jede Kontrolle. Hauptsache der Steuerzahler zahlt. Und die Schwarzgeldlobby kann sich freuen. Diese EU-Kommission ist einfach nur noch unerträglich in ihrer Lobbyistenhörigkeit.
Es geht schon wieder los? Wieso gabs denn seit dem ominösen Weltkapitalisten-Zusammenbruch Ende 2008 schon einmal ein Ende? Seit Ende 2008 wird dem Götzen "Kapital" doch nur ein Opfer nach dem anderen auf deren Altar der Banken, Börsen & Co. gebracht. Und das Opfer sind die hart verdienten Steuereuros der dummen Arbeitnehmer bzw. der gesamten Bevölkerung, denn auch die Umsatzsteuer, landläufig als Mehrwertsteuer bezeichnet, haben selbst Geringverdiener zu löhnen. Und, lehnen Sie sich wenigstens dagegen auf, oder zahlen Sie weiterhin - zwar zähneknirschend - aber brav weiter die Steuer? Ich zumindest habe seit Ende 2008 reagiert. Rien ne vas plus, wie der Franzose sagt. ;)
MatthiasPetersbach 31.05.2016
5.
Auf sofortige Rückzahlung drängen, andernfalls Banken verstaatlichen, Gelder verteilen, Verantwortliche einsperren. So einfach ist bzw. wäre das. Wenn man wollte. So einfach ist es im übrigen auch, wenn Otto Normalverbraucher mal mit der Steuer im Hintertreffen ist.
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