Kritik zum Jahreswechsel Wirtschaft fordert von Bundesregierung mehr Investitionen

Zu viel umverteilt, zu wenig investiert - so lautet das Urteil von Wirtschaftsverbänden über die Arbeit der Bundesregierung. Diese solle mehr im Sinne der jungen Generation tun.

Straßenbau in Potsdam
DPA

Straßenbau in Potsdam


Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft haben der Bundesregierung in der Wirtschafts- und Sozialpolitik zum Jahresende eine schlechte Bilanz vorgeworfen. "Die Koalition hat bisher auf die falschen Themen gesetzt. Im Koalitionsvertrag geht es so gut wie gar nicht um die jüngeren oder nachfolgenden Generationen", sagte Industriepräsident Dieter Kempf der Nachrichtenagentur dpa.

In der Wirtschaftspolitik habe sich nun ein enormer Handlungsdruck aufgebaut, weil zu lange zu viel umverteilt und zu wenig investiert worden sei. "Unsere Unternehmen werden zunehmend ungeduldig. Wir brauchen endlich eine wahrnehmbare, zukunftsgerichtete Wirtschaftspolitik", sagte Kempf. Diese sei genauso wie eine vernünftige Bildungspolitik die beste Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. "Die Politik muss die Ursachen angehen, nicht nur die Symptome", forderte Kempf.

Die Handwerkslobby verwies auf Risiken, die den aktuellen Wirtschaftsaufschwung stoppen könnten. Es werde konjunkturell sicherlich auch wieder einmal schwieriger werden, sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. "Die Koalition aber stellt ungedeckte Schecks auf die Zukunft aus - bei dem, was sie auf den Weg gebracht hat und ausgibt für Soziales, Rente, Arbeitsmarkt und Gesundheit. Das wird uns und unsere Kinder und Enkel schwer belasten und ist eine Hypothek für die Zukunft."

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer kritisierte, das Jahr 2018 sei zu einem erheblichen Teil von innerparteilichen Kontroversen geprägt gewesen: "Wir haben seit der Bundestagswahl anderthalb Jahre verloren. Es ist allen drei Parteien gelungen, das in Frage zu stellen, was sie zuvor politisch umgesetzt haben", sagte Kramer. Als Beispiele nannte er den Streit in der Union um die sogenannte Obergrenze oder die Auseinandersetzung in der SPD über die Agenda 2010. "Darüber haben sich jeweils Union und SPD mit ruppigem Umgangston gestritten, wie es dem Ansehen der Politik nicht hilft", kritisierte Kramer. "Nun brauchen wir eine konstruktive Arbeit in der Sache."

mmq/dpa

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mimas101 31.12.2018
1. Hmm Tja
Wie wäre es nicht nur auf die öffentliche Hand zu setzen sondern auch auf eigenes Projektmanagement, Eigeninitiative, Eigenausbildung des Berufsnachwuchses und dem Verlangen von Preisen die sich auch ein Normalsterblicher Häuslebesitzer noch leisten kann?
OhMyGosh 31.12.2018
2.
"Die Politik muss die Ursachen angehen, nicht nur die Symptome", forderte Industriepräsident Dieter Kempf. Das ist ja ein Knällchen: Kempf fordert die Abschaffung der Mindestlohns und anderer Sauereien der Agenda 20110??? Hat man also inzwischen in den Chefetagen begriffen, dass dieser Weg zwar ein leichter, aber der falsche war? Machen in Deutschland mittlerweile die Bosse den Klassenkampf, nicht mehr die abhängig Beschäftigten?
singularitaet 31.12.2018
3. Cui bono
Hehre und durchaus wahre Worte von den Wirtschaftsverbänden. Noch besser wäre es aber, diese würden sich an die eigene Nase fassen auch danach handeln. Stattdessen sehe ich oft nur ein Streben nach unmittelbarer Gewinnmaximierung. Daher gilt für mich: "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube" Es stellt sich daher die Frage, was die Wirtschaftsverbände mit diesen Appellen tatsächlich erreichen/erzielen wollen: Weitere Deregulierungen/Privatisierungen/staatliche Investitionen, die sie wieder primär zur eigenen Gewinnoptimierung nutzen würden?
singularitaet 31.12.2018
4. Cui bono
Hehre und durchaus wahre Worte von den Wirtschaftsverbänden. Noch besser wäre es aber, diese würden sich an die eigene Nase fassen auch danach handeln. Stattdessen sehe ich oft nur ein Streben nach unmittelbarer Gewinnmaximierung. Daher gilt für mich: "Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube" Es stellt sich daher die Frage, was die Wirtschaftsverbände mit diesen Appellen tatsächlich erreichen/erzielen wollen: Weitere Deregulierungen/Privatisierungen/staatliche Investitionen, die sie wieder primär zur eigenen Gewinnoptimierung nutzen würden?
ronald1952 31.12.2018
5. Es ist immer das gleiche,
wnn die Wirtschaft zu Dumm, zu Faul und zu Gierig ist soll es immer der Staat richten, daß heißt ja wohl der Steuerzahler. Sollen diese Herrschaften doch erst mal selbst Ihre fälligen Steuern bezahlen und wenn dann nach Abzug von allem was übrig bleibt und nur dann könnte man eventuell über Subventionen mal Nachdenken.Aber die Deutsche Industrie steht ja schon immer auf dem Standpunkt, erst kommen wir und viel viel später die Bevölkerung. Das ist der Falsche Weg. Meine Meinung, wenn der Staat investiert sollte der Saat auch davon profitieren also Anteile davon haben. schönen Tag noch,
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