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Wirtschaftsschwäche: China verzeichnet niedrigstes Wachstum seit drei Jahren

So schwach ist die Wirtschaft in China seit mehr als drei Jahren nicht mehr gewachsen: Von Juli bis September verzeichnete die Volksrepublik ein Wachstum von 7,4 Prozent - zuletzt war dieser Wert kurz nach Ausbruch der Weltfinanzkrise so niedrig. Auch deutsche Firmen dürften die Schwäche spüren.

Containerhafen von Ningbo: Schwacher Außenhandel, niedrige Binnennachfrage Zur Großansicht
REUTERS

Containerhafen von Ningbo: Schwacher Außenhandel, niedrige Binnennachfrage

Peking - Normalerweise werden die Vorgaben der Staatsführung in China streng befolgt - die Wirtschaft des Landes hat die Wachstumsziele der Regierung im dritten Quartal jedoch klar verfehlt. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt legte von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch um 7,4 Prozent zu, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Es war das siebte Quartal in Folge, in dem der Zuwachs schrumpfte und das niedrigste Wachstum seit Anfang 2009 kurz nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise. Die Führung in Peking hatte für das Gesamtjahr ein Wachstum von 7,5 Prozent angepeilt.

Grund für die schlechten Zahlen sind sowohl die schwächelnden Exporte als auch eine unzureichende Binnennachfrage. Bereits im Vorquartal war deshalb nur ein Wachstum von 7,6 Prozent verzeichnet worden. Die Schuldenkrise in Europa und die schlechte Konjunktur in den USA haben zu einem spürbaren Rückgang der Nachfrage nach chinesischen Waren geführt. Die Exporte sind für die Volksrepublik enorm wichtig, 2011 trugen sie laut Weltbank 31 Prozent zum chinesischen Wachstum bei.

Die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft hat wiederum negative Rückwirkungen auf die Weltkonjunktur. Die Geschäfte der kriselnden Euro-Zone oder der USA mit dem Land erreichen nicht den erhofften Umfang. Im vergangenen Jahr hatte Chinas Wirtschaft noch um 9,2 Prozent zugelegt, in den ersten drei Quartalen dieses Jahres wurden nur noch 7,7 Prozent erreicht.

Im Schnitt zehn Prozent Wachstum in den vergangenen 30 Jahren

Im August war die Industrie des Landes überraschend geschrumpft. Die Staatsführung in Peking versucht schon länger, der Entwicklung gegenzusteuern. So wurden Leitzinsen gesenkt und Kapitalreserve-Anforderungen für Banken gelockert. Zudem will die Regierung die Wirtschaft mit Infrastrukturprojekten ankurbeln.

Regierungschef Wen Jiabao gibt sich demonstrativ zuversichtlich. Vor Bekanntgabe der Zahlen warnte der Premier zwar vor "beträchtlichen Schwierigkeiten" im letzten Quartal, äußerte aber seine Überzeugung, dass sich die Wirtschaft durch die Konjunkturmaßnahmen "weiter stabilisieren" werde. Es habe Verbesserungen in der Entwicklung und Umstrukturierung der Wirtschaft gegeben.

Für das Gesamtjahr erwarten Experten zwar, dass China sein Wachstumsziel von 7,5 Prozent leicht übertreffen wird. Allerdings war diese Vorgabe der Regierung immer schon sehr konservativ angesetzt und wurde gewöhnlich um ein oder zwei Prozent übertroffen. In den vergangenen drei Jahrzehnten hatte China im Schnitt meist ein Wachstum von fast zehn Prozent erreicht. Ein Schwellenland mit viel Nachholbedarf wie China benötigt schnelles Wachstum, um ausreichend Arbeitsplätze schaffen und seine Probleme lösen zu können. Die kritische Grenze legen Ökonomen bei sechs bis acht Prozent an.

fdi/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Nur 7,4 %
lb9000 18.10.2012
Es ist aberwitzig, auf welchem Niveau hier gejammert wird!! Das heißt also, die Geschwindigkeit, mit der die Emissionen von Treibhausgasen zunehmen, hat sich von "doppelturbo" auf "turbo" reduziert. Arme Wohlstands-Wachstums-Komfort-Sicherheits-Welt!
2. Warum Wachstum?
Querkopf58 18.10.2012
Ich bin sicher kein Ökonom, jedoch sagt mir mein gesunder Menschenverstand, dass es nicht immer nur Wachstum geben kann. Irgendwann ist doch mal der Bedarf gesättigt. Es muß doch nicht immer mehr und mehr und mehr werden. Ein hohes Niveau sollte gesichert werden, ansonsten gibt es ohne Frage irgendwann einen Absturz. ... und mit Verlaub: 7,4 % Wachstum,,, davon träumen andere Nationen. Und wenn man die Entwicklung Chinas der letzten 30 Jahre analysiert, sollte man auch bedenken, dass das Ausgangsniveau mittlerweile ein sehr viel höheres ist und somit die 7,4 % von heute in absoluten Zahlen sehr viel mehr als die höhere Wachstumsraten von früheren Zeiten sind.
3.
muellerthomas 18.10.2012
Zitat von Querkopf58Ich bin sicher kein Ökonom, jedoch sagt mir mein gesunder Menschenverstand, dass es nicht immer nur Wachstum geben kann. Irgendwann ist doch mal der Bedarf gesättigt. Es muß doch nicht immer mehr und mehr und mehr werden. Ein hohes Niveau sollte gesichert werden, ansonsten gibt es ohne Frage irgendwann einen Absturz. ... und mit Verlaub: 7,4 % Wachstum,,, davon träumen andere Nationen. Und wenn man die Entwicklung Chinas der letzten 30 Jahre analysiert, sollte man auch bedenken, dass das Ausgangsniveau mittlerweile ein sehr viel höheres ist und somit die 7,4 % von heute in absoluten Zahlen sehr viel mehr als die höhere Wachstumsraten von früheren Zeiten sind.
Und Sie meinen, der weltweite Bedarf an Konsumgütern wäre gedeckt?
4. Die Basis ist gewachsen
ditor 18.10.2012
Zitat von sysopREUTERSSo schwach ist die Wirtschaft in China seit mehr als drei Jahren nicht mehr gewachsen: Von Juli bis September verzeichnete die Volksrepublik ein Wachstum von 7,4 Prozent - zuletzt lag dieser Wert kurz nach Ausbruch der Weltfinanzkrise so niedrig. Auch deutsche Firmen dürften die Schwäche spüren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wirtschaft-in-china-waechst-im-dritten-quartal-nur-schwach-a-861919.html
7,4% von einer mit den Jahren stetig gewachsenen Basis. Ein Riesenproblem scheint das eher nicht zu sein.
5. Starkes Wachstum auch im August
anonymus12 18.10.2012
Ihre Aussage "Im August war die Industrie des Landes überraschend geschrumpft" ist falsch. Sie war es schon bei der Erstveröffentlichung, das wurde nicht korrigiert und jetzt ohne Nachdenken übernommen. Der Anstieg der Industrieproduktion betrug 8,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das ist schwächer als sonst, aber immer noch ein phänomenaler Wert im Vergleich zu den USA oder den EU-Staaten.
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