Wirtschaft in Deutschland Stadt, Land, Boom

Die Metropolen prosperieren, das platte Land verarmt - so ein gängiges Vorurteil. Nun haben Forscher die ländlichen Regionen Deutschlands näher untersucht. Und Erstaunliches herausgefunden.

Schwarzwald (Lenzkirch-Saig)
picture alliance/ Rolf Haid

Schwarzwald (Lenzkirch-Saig)


Ländliche Regionen in Deutschland holen bei der Wirtschaftskraft auf - und das trotz andauernden Zuzugs in die Städte. Das geht aus einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor, aus der die Nachrichtenagentur dpa zitiert: Demnach nähert sich die Wirtschaftsleistung je Einwohner zwischen dem ländlichen Raum und den Städten seit dem Jahr 2000 an.

Konkret heißt es: Bisher gebe es keine Verschiebung der absoluten Anteile an der Wirtschaftskraft zugunsten der Städte und Metropolregionen. Vielmehr könne der ländliche Raum seinen Anteil am Bruttoinlandsprodukt konstant halten.

Weil gleichzeitig die Zahl der Menschen in ländlichen Regionen sinkt, heißt das: Beim Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner nimmt der Rückstand des ländlichen Raums auf die städtischen Zentren seit dem Jahr 2000 spürbar ab.

Das Fazit des IW: Anders als oft dargestellt gebe es keine zunehmende wirtschaftliche Spaltung, sondern eine Anpassung zwischen städtischen und ländlichen Regionen.

Entwarnung gibt das arbeitgebernahe Institut aber nicht. Es bestehe weiter "erheblicher regionalpolitischer Handlungsbedarf". So werde sich die Alterung der Gesellschaft in manchen, überwiegend ländlichen Regionen sehr viel eher und stärker auswirken. Es erscheine daher wahrscheinlich, dass die Wirtschaft dem Urbanisierungstrend zeitversetzt folgen könnte, wenn auf dem Land der Fachkräftemangel drückender werde und sich das Verhältnis zwischen arbeitenden Menschen und Ruheständlern spürbar verschlechtere.

Seit dem Jahr 2000 nimmt der Urbanisierungsgrad in Deutschland laut IW zu, die Einwohnerzahl in Großstädten steigt. Der ländliche Raum verliert dagegen vielerorts Einwohner. "Damit stellt sich die Frage, ob sich die wirtschaftliche Aktivität dem Urbanisierungstrend dauerhaft entziehen kann."

wal/dpa



insgesamt 50 Beiträge
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Markus Frei 25.12.2017
1. Schwachsinn
Das ist ungefähr so als wenn mein Chef sein Gehalt um 5 mio €/Monat aufstockt und dann sagt das die Gehälter in der Firma im Schnitt um sagenhafte 10% gestiegen sind. Dieser Artikel mag ja hinhauen in der Gegend wo ich wohne (Großraum Stuttgart), aber fährt man mal nach Mecklenburg-Vorpommern sieht das ganz anders aus, ich will den "Wissenschaftler" sehen der dort behauptet das der "ländliche Raum" floriert. Es ist schade das solche Wissenschaftler wie bei dieser Studie alles zurechtbiegen um den Wünschen des Auftraggebers zu entsprechen, der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft dient das sicherlich nicht. Ich persönlich glaube "Wissenschaftlern" gar nichts mehr.
gelbesvomei 25.12.2017
2. Nach meiner Beobachtung ...
Natürlich nicht statistisch abgesichert, aber trotzdem: In den Städten wächst vor allem der Anteil der finanziell schlecht Gestellten - seien es legale und illegale Immigranten, einheimische Hartz-4-Empfänger, Studenten. Viele gut Verdienende arbeiten vielleicht auch in der Stadt, pendeln dagegen ins Eigenheim auf dem Land.
wolle0601 25.12.2017
3. Der Urbanisierungsgrad wird wieder sinken
Meiner Ansicht nach ist die 2037-Vision nicht ganzheitlich genug gedacht. Das autonome Fahren wird dazu führen, daß ländliche Räume wieder neu erschlossen werden. Warum sollten sich Menschen in Städten zusammendrängen, wenn sie bei guter Mobilität auch in der Fläche leben können?
vitalik 25.12.2017
4.
Zitat von Markus FreiDas ist ungefähr so als wenn mein Chef sein Gehalt um 5 mio €/Monat aufstockt und dann sagt das die Gehälter in der Firma im Schnitt um sagenhafte 10% gestiegen sind. Dieser Artikel mag ja hinhauen in der Gegend wo ich wohne (Großraum Stuttgart), aber fährt man mal nach Mecklenburg-Vorpommern sieht das ganz anders aus, ich will den "Wissenschaftler" sehen der dort behauptet das der "ländliche Raum" floriert. Es ist schade das solche Wissenschaftler wie bei dieser Studie alles zurechtbiegen um den Wünschen des Auftraggebers zu entsprechen, der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft dient das sicherlich nicht. Ich persönlich glaube "Wissenschaftlern" gar nichts mehr.
Sie glauben den Wissenschaftlern gar nichts mehr? Also glauben Sie auch nicht an die Wirksamkeit von Antibiotika und anderen Medikamenten? Interessant ist, dass Sie, der im Großraum Stuttgart wohnt, so genau Bescheid wissen, wie es in Meck-Pomm aussieht. Ihnen liegen die Zahlen natürlich alle vor, sodass Sie so ein Aussage treffen können. Zum Artikel: Ich nehme an, dass es darauf kommt, was man als ländliche Region bezeichnet. Die Dörfer um die Großstädte florieren, da es die Menschen eben in die Städte oder in die Nähe der Städte hinzieht. Je näher zu der Stadt desto besser, je weiter weg, desto schlechter wird es. Dörfer, die 80-100 km zur nächsten Großstadt liegen, verschwinden dann komplett. Alles verlagert sich hin zu einer Stadt, dabei bleibt das, was man als die Wirtschaftskraft einer ländlichen Region bezeichnet konstant. Ob, man der Entwicklung irgendwie Nachtrauern sollte, glaube ich nicht, da man selbst ja nie in einem Dorf 80km von einer Stadt entfernt leben möchte.
interessierter Laie 25.12.2017
5. @Markus Frei
Mecklenburg-Vorpommern ist vielleicht gar kein schlechtes Beispiel, denn die Wirtschaft dort insgesamt schwach. Das umfasst auch die Städte. Rostock, Schwerin, Stralsund sind auch keine starken Wirtschaftszentren und sie hängen an alten Industrien. Auf dem Land entsteht mit erneuerbarer Erzeugung von Energie ein nicht zu unterschätzendes Wirtschaftspotential. Hinzu kommt die industrielle Land- und Viehwirtschaft. Diese Bereiche brauchen nicht viel Arbeitskraft und die Urbanisierung sorgt so dafür, dass ihre Erträge auf weniger Köpfe verteilt werden. In der Statistik sieht das dann so aus, als trage die Landbevölkerung mehr zum Gesamtprodukt bei, als die Städte. Und daran zeigt auch ein weiteres Problem. Auch wenn ein Landstrich der statistisch gesehen wächst, heißt das nicht automatisch, dass die Bevölkerung davon profitiert.
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