Risiken für die Konjunktur Stell dir vor, alles wird gut

Finanzcrash, Handelskrieg, Populismus: Die Gefahr für unseren Wohlstand ist so groß wie lange nicht, Apokalyptiker überbieten sich mit Worst-Case-Szenarien. Doch es könnte ganz anders kommen.

Kräne am Hamburger Hafen
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Kräne am Hamburger Hafen

Eine Kolumne von


An schlechten Nachrichten herrscht wahrlich kein Mangel. Politik, Finanzmärkte, internationale Spannungen: Überall sind Unsicherheitsfaktoren zu erkennen. Das Zerstörungspotenzial ist enorm.

  • Der Nationalpopulismus hat viele Länder fest im Griff - mit dem heraufziehenden Handelskrieg als krassem Symptom.
  • Den USA, in denen die Ermittler Präsident Donald Trump immer mehr bedrängen, steht eine Verfassungskrise ins Haus.
  • In Mittel- und Osteuropa sind populistische Regierungen, die sich offen gegen EU-Recht stellen, inzwischen die Norm - darunter in Italien, dessen Regierung droht, die Zahlungen an den EU-Haushalt einzustellen.
  • Auch die Gefahr eines chaotischen EU-Ausstiegs Großbritanniens ist längst nicht gebannt - mit dem Zerfall des Binnenmarkts als möglicher Folge.
  • Und die Notenbanken - voran die amerikanische Federal Reserve, die Europäische Zentralbank (EZB) folgt im Schlepptau - versuchen, den Krisenmodus zu verlassen und die globale Geldschwemme abzuschöpfen. Ein Großexperiment mit dem Potenzial, einen weltweiten Finanzcrash auszulösen.
  • Der Türkei ist auf dem Weg ins Desaster, andere Schwellenländer müssen sich zumindest auf Finanzkrisen gefasst machen.
  • Im Nahen Osten droht sich der Konflikt mit Iran zuzuspitzen. Ein weiterer Anstieg des Ölpreises könnte die Folge sein.

Unsicherheit, wohin man schaut - und Deutschland ist hochgradig anfällig.

Diese Woche wird einigen Aufschluss darüber geben, inwieweit sich die dunklere weltwirtschaftliche Lage bereits auf die Bundesrepublik auswirkt: Montag gibt's Neuigkeiten zur Stimmung in den Unternehmen, Mittwoch zur Laune der Verbraucher, Donnerstag zur Lage auf dem Arbeitsmarkt und zur Inflation.

Doch so schockierend viele Meldungen sein mögen: Es könnte auch anders kommen. Denn Unsicherheit schließt die Möglichkeit ein, dass sich viele Gefahren am Ende nicht materialisieren. Nicht jeder lautstarken Drohung folgt eine entsprechende Handlung. Nicht jeder Konflikt eskaliert bis zum großen Knall.

Hier einmal ein positives Zukunftsszenario.

Stell dir vor, alles wird gut

Nehmen wir den Handelskrieg: Bislang wird nur ein kleiner Teil des globalen Warenaustauschs mit Sonderzöllen belegt. Bislang laufen die Verhandlungen darüber weiter, zwischen den USA und China, zwischen den USA, Mexiko und Kanada. Andere Regionen sprechen über eine weitere Liberalisierung, darunter die EU und China. Die Erwartung, dass einige Gespräche zum Erfolg führen, ist keineswegs abwegig - sondern wahrscheinlich.

Oder die Notenbanken: Die Zinswende vollzieht sich so sachte, dass Verwerfungen in den großen Volkswirtschaften bislang ausgeblieben sind. Fed, EZB und Co. bleiben berechenbar. Sie folgen ihren eigenen Ankündigungen, vermeiden Überraschungen, sodass sich alle allmählich auf teureres Geld einstellen können. Das hat bisher funktioniert, es könnte auch weiterhin klappen.

Die Fed lässt sich nicht von Trumps Angriffen auf ihre Unabhängigkeit kirre machen, sondern bleibt stoisch auf Kurs. Der EZB gelingt bis zum Jahresende ein Ausstieg aus dem Anleiheaufkaufprogramm, ohne eine erneute Staatsschuldenkrise auszulösen. Wo es innerhalb der Eurozone Probleme geben sollte, steht der Rettungsschirm ESM bereit.

Die heraufziehende Krise in den Schwellenländern, ausgelöst durch den nun teureren Schuldendienst auf Dollar-Basis, entlädt sich ganz allmählich, nicht in einem großen Knall. Die Türkei bleibt ein isolierter Einzelfall. China, eine der am höchsten verschuldeten Volkswirtschaften der Welt, gelingt ein sanfter Ausstieg aus der Schuldenwirtschaft.

In Europa überwiegt trotz lautem Verbal-Populismus der Pragmatismus. Italien bleibt im Euro, Griechenland wurschtelt sich durch, Polen und Ungarn geben sich kompromissbereiter als in der Vergangenheit.

In Großbritannien gibt es in diesem Positivszenario ein zweites Referendum, das den Brexit rückgängig macht. Eine Entwicklung, die der europäischen Integration unerhörten Auftrieb gäbe. Denn es würde klar: Die Verbindungen innerhalb Europas sind doch so stark, dass sie sich letztlich nicht trennen lassen. Für die EU gibt es keinen Weg zurück - nur verschiedene Wege nach vorn.

Im Nahen Osten hält das dauerhafte Patt zwischen Saudis und Iran. Das Säbelrasseln der Mullahs weicht einem pragmatischeren Kurs, was sich wiederum die US-Regierung als Erfolg ihrer Sanktionen zuschreiben kann. Syrien ist nicht frei, aber zumindest kann allmählich der Wiederaufbau beginnen. Der Ölpreis bleibt stabil und relativ niedrig.

Die guten Nachrichten helfen, den weltwirtschaftlichen Aufschwung zu stabilisieren, mit positiven Folgen gerade für Deutschland. Einer Fortsetzung des zweiten deutschen Wirtschaftswunders bis weit ins nächste Jahrzehnt steht nichts im Wege. Alles Schönfärberei?

Der weite Raum zwischen Best Case und Worst Case

Ein solches Best-Case-Szenario ist gar nicht so abwegig. Es ist ebenso möglich wie ein Worst-Case-Szenario. Und dann gibt es ja noch viele Abstufungen dazwischen.

Vielleicht sind die Bürger klug genug zu erkennen, dass die Populisten mit ihren Feindbildern und unerfüllbaren Erwartungen letztlich nichts zu bieten haben.

Vielleicht sind die Verfassungen der westlichen Länder, zumal der USA, stark genug, der Aushöhlung staatlicher Institutionen zu widerstehen.

Vielleicht sind die globalen Verbindungen inzwischen so vielfältig und so stark, dass sie sich letztlich nicht mehr kappen lassen.

Vielleicht sind die Finanzmärkte so mächtig, dass sie populistischen Politikern ihre Grenzen aufzeigen.

Das Bild, das wir uns von der Zukunft machen, ist immer unsicher. Und meist ist das Ergebnis weder Schwarz noch Weiß, sondern irgendeine Schattierung von Grau. Oder, noch besser: Es ist sogar bunt.

Die wichtigsten Wirtschaftsereignisse der kommenden Woche
Montag
München - Gedämpfte Stimmung - Neue Zahlen zum Ifo-Geschäftsklimaindex: Trotz zuletzt guter Wachstumszahlen trübt sich die Stimmung bei den Unternehmen seit Monaten ein.

Den Haag - Mullahs contra Trump - Der Internationale Gerichtshof beginnt mit Verhandlungen über die Rechtmäßigkeit der US-Sanktionen gegen Iran wegen der angeblichen Nichteinhaltung des Atomabkommens. Teheran hält den Ausstieg Amerikas aus dem Abkommen für rechtswidrig.

Mittwoch
Nürnberg - Shopping Queens und Leasing Kings - Neue Zahlen zur Stimmung der Verbraucher: die aktuelle GfK-Konsumklimastudie.

Donnerstag
Nürnberg - Jobs, Jobs, Jobs - Die Bundesagentur für Arbeit präsentiert die Arbeitsmarktdaten für August.

Wiesbaden - Deutsche Inflation - Das Statistische Bundesamt legt eine erste Schätzung der Inflationsrate im August 2018 bekannt.

Freitag
Peking - Chinesische Stimmung - Neue Zahlen zur Stimmung in chinesischen Unternehmen, von offizieller Stelle.

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Müllers Memo


insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
Schnabbelschnute 26.08.2018
1. Ich wäre....
...ja schon froh, wen ich etwas von der guten Konjunktur mal etwas abbekommen würde....gefühlt seit Jahrzehnten haben wir eine gute Konjunktur die nicht bei den Arbeitnehmern ankommt. Wir leben in zu großer Abhängigkeit zu der Konjunktur, von den Arbeitgebern, und vom Bankenwesen.
von_hintendrop 26.08.2018
2.
Das ist der verbissene Glaube Herrn Müllers daran, dass der Kapitalismus am Ende immer zum Guten führt. Doch die Geschichte lehrt uns etwas anderes. Ein "weiter so" kann es nicht zuletzt wegen der Auswirkungen der Globalisierung auf das Klima nicht geben. Die Abgehängten werden aufbegehren, flüchten und wieder für politische Verwerfungen sorgen. Die Bürger haben das begriffen, die Lenker nicht. Sie reden sich ein, dass alles wieder gut wird.
rainer82 26.08.2018
3. # 1
Diie gute wirtschaftliche Lage ist in Deutschland sehr wohl auch bei den Arbeitnehmern angekommen. In den letzten 6 Jahren lag nahmen die Einkommen der Beschäftigten in höherem Maße zu als die inflationsquote, so dass unterm Strich Jahr für Jahr mehr in der Tasche der Arbeitnehmer blieb.
rabode 26.08.2018
4. @Schnabbelschnute..
dann frage ich mal direkt, wieviel Handys existieren in Ihrem Haushalt? Was für ein Auto fahren Sie? Besitzen Sie mehr als ein Auto? Müssen Sie überlegen ob sie sich morgen Wurst auf Ihrem Brötchen leisten können? Müssen Sie mit jeden Cent rechnen beim Einkaufen? Viele in diesem Land meckern auf einem hohen Niveau und sollte mal Urlaub im Ausland machen, aber nicht All Inclusive sondern mal bei den Menschen direkt. Dann wird man wieder viel Bescheidener und merkt wie gut es uns hier doch geht.
thequickeningishappening 26.08.2018
5. Nee, Der Crash ist ueberfaellig
1. Geschichte wiederholt sich immer - nur Der Zeitpunkt ist variabel 2. Die Korrektur wurde durch Die Notenpresse und andere Maßnahmen in Die Zukunft verschoben was Die Staerke Des Bebens potenzieren wird. 3. Die Auswirkungen von 4.0 und Klimawandel werden unter den Tisch gekehrt!
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