Athen/Wiesbaden - Die griechische Wirtschaft rutscht tiefer in die Krise. Einer Prognose der Forschergruppe IOBE zufolge wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes im laufenden Jahr noch stärker schrumpfen als bislang erwartet. Das BIP werde um 6,9 Prozent einbrechen, kündigte IOBE am Montag an.
Dies hänge vor allem mit der Kaufzurückhaltung der Griechen und den Auswirkungen des harten Sparkurses zusammen, erklärten die Forscher. Noch im April hatten sie ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent prognostiziert.
Damals hatten sie damit gerechnet, dass 2012 jeder fünfte Grieche ohne Job sein wird. Auch diese Prognose korrigierten die Forscher und zeichnen inzwischen ein noch schlechteres Bild vom Jobmarkt. Sie sagen nun eine Arbeitslosenquote von 23,6 Prozent voraus.
Die Forschergruppe IOBE wurde von dem Ökonomieprofessor Yannis Stournaras geleitet. Er ist inzwischen neuer griechischer Finanzminister und gilt als Reformbefürworter. Stournaras wird auch auf dem Treffen der Finanzminister der 17-Euro-Länder seinen Kollegen Rede und Antwort stehen müssen.
Die Lage in Griechenland ist verfahren: Die neue Regierung muss sich erst sortieren und hat bereits eingeräumt, dass die Ziele des Sparpakets verfehlt wurden. Am Montag erlitt die Regierung einen weiteren Rückschlag. Staatssekretär Nikos Nikolopoulos trat aus Protest gegen die sich hinziehenden Verhandlungen über Erleichterungen beim Sparkurs überraschend zurück. Die Regierung sei nicht stark genug, um die Kreditgeber zu Änderungen beim Rettungsplan zu bewegen, begründete der stellvertretende Arbeitsminister seinen Schritt.
OECD erwartet Abschwächung der Weltwirtschaft
Die Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) soll den Finanzministern Bericht erstatten. Wegen des wochenlangen Wahlkampfs und der massiv schrumpfenden Wirtschaftsleistung sind die Ziele kaum noch zu erreichen, die Griechenland als Gegenleistung für das Hilfsprogramm von 130 Milliarden Euro versprochen hat. Athen will nachverhandeln.
Die Krise in Europa wirkt sich auch auf die Weltwirtschaft aus. Die Industriestaaten-Organisation (OECD) erwartet eine leichte Abschwächung der globalen wirtschaftlichen Aktivität. Der Frühindikator für die Mitgliedstaaten im Mai sei um 0,1 Zähler auf 100,3 Punkte zurückgegangen, teilte die Organisation am Montag mit. Der Indikator für die Euro-Zone liege im Mai unverändert bei 99,6 Punkten und signalisiere eine konjunkturelle Lage leicht unter dem Durchschnitt.
USA und Schwellenländer retten deutsche Exporteure
Immerhin ist die Konjunktur in den USA und Asien stabil. Das kommt Deutschland zugute. Denn dank der steigenden Nachfrage aus aller Welt zogen die Ausfuhren im Mai überraschend kräftig an. Die Exporte stiegen im Vergleich zum schwachen April um 3,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist das stärkste monatliche Plus seit März 2011. Insgesamt verkaufte die deutsche Wirtschaft im Mai Waren im Wert von 92,5 Milliarden Euro ins Ausland.
Vor allem Länder wie China, Indien und Brasilien stützen die deutschen Exporte und federn die schlechte Entwicklung in der Euro-Zone ab. Die Bilanz der ersten fünf Monate 2012 zeigt deutlich, woher das Wachstum kommt: Während die Exporte in die Euro-Zone um 0,6 Prozent sanken, zogen sie in Drittländern wie China und USA um 9,4 Prozent an und stiegen damit sogar doppelt so stark wie die gesamten Ausfuhren. Die EU ist aber weiterhin wichtigster Empfänger deutscher Exportwaren: Die Mitgliedstaaten kauften Produkte im Wert von 53,6 Milliarden Euro.
mmq/dpa/Reuters
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