Wirtschaftlicher Alltag: Theologe Küng mahnt ethisches Verhalten an

Braucht die Wirtschaft eine neue Ethik? Auf jeden Fall, fordert der Tübinger Theologe Hans Küng - nur so lasse sich eine weitere Finanzkrise verhindern. Gesetze allein könnten den wirtschaftlichen Alltag nicht regeln, alle Beteiligten müssten ihr Verhalten an festen Werten orientieren.

Börsenhändler in New York: Mahnung zu verantwortlichem Handeln Zur Großansicht
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Börsenhändler in New York: Mahnung zu verantwortlichem Handeln

New York - Moralische Werte sollen einen neuen Absturz der Wirtschaft verhindern: Mit einem Grundsatzprogramm zum ethischen Verhalten im Alltag will der Tübinger Theologe Hans Küng einer Wiederholung der gegenwärtigen Krise vorbeugen. Die von ihm und einer Gruppe Intellektueller verfasste "Erklärung zu einem Globalen Wirtschaftsethos" legt fest, was im wirtschaftlichen Alltag "rechtens, gerecht und fair" ist. Dies seien Werte, die alle Menschen weltweit anerkennen könnten - unabhängig von ihrer Kultur, Tradition und Religion, sagte Küng bei der Vorstellung des Programms am Dienstag in New York.

Personen, Unternehmen und Verbände verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, den Grundsätzen künftig bei allen wirtschaftlichen Entscheidungen und Aktivitäten zu folgen. Zur Rechenschaft gezogen werden können sie jedoch nicht.

"Seit Beginn der gegenwärtigen Krise war der Ruf nach einem ethischen Rahmen für die globalen Finanz- und Wirtschaftsmärkte laut aus vielen Ländern der Welt zu vernehmen", sagte Küng bei einem Symposium am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. Die neue Erklärung ermahne alle Beteiligten, verantwortlich zu handeln und die Wirtschaft zu humanisieren. "Die Globalisierung verlangt nach einer globalen Ethik", sagte Küng.

Das Programm fordert von Wirtschaftsunternehmen die Beachtung von "fünf weltweit gültigen Werten":

  • Menschlichkeit,
  • Gewaltlosigkeit und Respekt für das Leben,
  • Gerechtigkeit und Solidarität,
  • Ehrlichkeit und Toleranz sowie
  • gegenseitige Achtung und Partnerschaft.

Das neue Programm überträgt die 1993 aufgestellte "Weltethoserklärung des Parlaments der Weltreligionen" nunmehr auch auf die Wirtschaft, hieß es bei dem Symposium des Uno Global Compact. Dieser Uno-Initiative für eine nachhaltige und sozial verantwortliche Weltwirtschaft haben sich schon Hunderte Unternehmer und Personen des öffentlichen Lebens angeschlossen.

Globalisierung und Wohlstand in der Welt

In seiner Rede hob der 81-jährige Tübinger Professor hervor, dass die Globalisierung nur dann zu Wohlstand in aller Welt führen wird, wenn sich die Menschen grundsätzlich aufeinander verlassen können.

Zwar dürfe jeder seine wirtschaftlichen Eigeninteressen verfolgen, müsse dabei aber ethische Rahmenbedingungen einhalten. Zu den ersten Unterzeichnern der Erklärung gehören die frühere Präsidentin von Irland und ehemalige Menschenrechtskommissarin, Mary Robinson, der US-Wirtschaftsprofessor Jeffrey Sachs sowie der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu.

Seit 1995 ist Küng Präsident der von ihm gegründeten "Stiftung Weltethos". Er ist überzeugt, dass es keinen Frieden der Nationen ohne Frieden der Religionen geben wird. Viele Politiker schlossen sich diesem Programm an. Einige von ihnen solidarisierten sich mit dem katholischen Theologen, darunter im Jahr 2003 der damalige Uno-Generalsekretär Kofi Annan.

mik/dpa

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Forum - Mit Ethik gegen künftige Krisen?
insgesamt 121 Beiträge
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1.
Volker Gretz 07.10.2009
Zitat von sysopNach Überzeugung des Tübinger Theologen Hans Küng sind es nicht strengere Regeln, die eine weitere Finanzkrise in der Zukunft verhindern könnten. Vielmehr ist es an ethischen Regeln orientiertes Verhalten aller Beteiligten. Eine gute Grundlage zur Vermeidung künftiger Krisen?
Nein. Enge Gesetze und hohe Strafen. Die Wirtschft muss asozial sein, um ihr Paradigma zu erfüllen. Mit Ethik oder Moral ist der Unterschicht nicht beizukommen. Nur die Angst vor der JVA und Verarmung würde Abhilfe schaffen.
2.
m. m 07.10.2009
Zitat von sysopNach Überzeugung des Tübinger Theologen Hans Küng sind es nicht strengere Regeln, die eine weitere Finanzkrise in der Zukunft verhindern könnten. Vielmehr ist es an ethischen Regeln orientiertes Verhalten aller Beteiligten. Eine gute Grundlage zur Vermeidung künftiger Krisen?
Fragt sich erst mal, welche Ethik Küng da so meint. Kann von Fall zu Fall von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent, von Kultur zu Kultur diametral entgegengesetzt sein. Genau die Schwäche von Küngs "Weltethos".
3.
m. m 07.10.2009
Zitat von Volker GretzMit Ethik oder Moral ist der Unterschicht nicht beizukommen.
Banker als "Unterschicht" zu bezeichnen, ist natürlich recht originell.
4.
Roller 07.10.2009
Zitat von sysopNach Überzeugung des Tübinger Theologen Hans Küng sind es nicht strengere Regeln, die eine weitere Finanzkrise in der Zukunft verhindern könnten. Vielmehr ist es an ethischen Regeln orientiertes Verhalten aller Beteiligten. Eine gute Grundlage zur Vermeidung künftiger Krisen?
Wenn man davon ausgeht, dass der Mensch in erster Linie schlecht ist, dann nicht. Erst muessen wir gesellschaftlich so weit sein, dass es z.B. verpoent ist, das Finanzamt zu betreugen. Das wird aber heute von der Gesellschaft ueberwiegend als ein akzeptiertes Delikt angesehen. Ethische Regeln werden daher in einer solchen Gesellschaft einfach verpuffen.
5.
Volker Gretz 07.10.2009
Zitat von m. mBanker als "Unterschicht" zu bezeichnen, ist natürlich recht originell.
Wie würden Sie Unterschicht sonst definieren? Keine sozialen Bindungen, keine Ethik, keine Heimat,... und belasten zum persönlichen Gewinn Gesellschaften mit Milliarden.
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