Wirtschaftshilfe Kreml lockt Ukraine mit Milliardenkredit

Russland hat der nahezu bankrotten Ukraine neue Finanzhilfen in Milliardenhöhe in Aussicht gestellt. Zeitgleich steht die frühere Sowjetrepublik in Verhandlungen mit der EU über das weitere Vorgehen. Am Dienstag reist Präsident Janukowitsch nach Moskau.

Pro-Europa-Protest in Kiew: Russland bietet Milliardenhilfe für das bankrotte Land
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Pro-Europa-Protest in Kiew: Russland bietet Milliardenhilfe für das bankrotte Land


Moskau - Während die Europäische Union (EU) und Russland von beiden Seiten um die Ukraine werben, hat die Regierung in Moskau dem Land einen Milliardenkredit in Aussicht gestellt. "Ich bezweifele nicht, dass ein Kredit bewilligt würde, falls es eine entsprechende Anfrage gibt", sagte der Wirtschaftsberater von Kreml-Chef Wladimir Putin, Andrej Beloussow, am Montag russischen Agenturen zufolge. "Die Ukraine kann ohne einen Kredit von dieser oder jener Seite keine wirtschaftliche Stabilität garantieren", sagte Beloussow.

Diese Ankündigung platzte mitten in das Treffen der 28 EU-Außenminister mit ihrem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Brüssel. Dabei wollen die Teilnehmer über eine mögliche Annäherung der Ukraine an die Europäische Union diskutieren. Es wird erwartet, dass bei einem gemeinsamen Mittagessen in Brüssel über das von der EU und der früheren Sowjetrepublik ausgehandelte Assoziierungsabkommen debattiert wird.

Die Ukraine kann nach wie vor jederzeit das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union unterzeichnen, sofern sie dies wünscht, betonten mehrere EU-Außenminister zu Beginn des Treffens. "Die Tür zur Europäischen Union steht weiter für die Ukraine offen", sagte der amtierende deutsche Außenminister Guido Westerwelle. Ähnlich äußerten sich auch andere Minister. "Die Ukraine sollte ohne Druck von außen entscheiden können", sagte der britische Ressortchef William Hague.

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Großdemos in Kiew: Die Wut ist immer noch da
Am Dienstag wird der ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch zu Gesprächen nach Moskau reisen. Die Opposition in Kiew lehnt eine engere Zusammenarbeit mit dem Nachbarn Russland vehement ab und fordert seit Wochen mit Massendemonstrationen einen Westkurs der Ex-Sowjetrepublik.

Der Putin-Berater Beloussow warb erneut eindringlich für einen Beitritt der Ukraine zu einer von Russland angeführten Zollunion. Dies bringe dem Land viele Vorteile. So erhöhe sich automatisch der Zollschutz vieler Produkte wie etwa im Maschinenbau und in der Chemie, sagte der frühere Wirtschaftsminister. Die Regierung in Kiew lehnt einen Beitritt bislang ab.

Allerdings hofft die finanziell schwer angeschlagene Ukraine auch auf eine schnelle Einigung mit Russland über niedrigere Gaspreise. "Beide Seiten haben vereinbart, dass es an der Zeit ist, diese Frage zu regeln", sagte der ukrainische Regierungschef Nikolai Asarow in einer Fernsehsendung. Die frühere Sowjetrepublik ist stark auf Energielieferungen aus dem Nachbarland angewiesen, zahlt aber bisher deutlich höhere Preise als westeuropäische Staaten. "Wir haben nicht nach Rabatten gefragt, wir haben lediglich Konditionen zu europäischen Preisen diskutiert, und ich hoffe, dass wir dieses Problem während des Treffens endgültig lösen können", sagte Asarow.

In Kiew demonstrieren seit bald vier Wochen täglich Tausende gegen eine engere Partnerschaft mit Russland und für eine Annäherung an die EU. Auf dem Unabhängigkeitsplatz - dem Maidan - harrten in der Nacht zu Montag trotz eisiger Temperaturen erneut bis zu 8000 Anhänger der prowestlichen Opposition um Boxer Vitali Klitschko aus.

nck/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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urdemokrat 16.12.2013
1. Kapitalismus pur
Geld regiert nun mal die Welt. Das sollten die westlichen Staaten doch am besten wissen.
ihawk 16.12.2013
2. Ukraine nahezu bankrott ?
Die Ukraine ist reich an Rohstoffen, nur sind die Abbaurechte der Rohstoffe streng nach westlichem Muster in der Hand einiger weniger Ausbeuter, auch Oligarchen genannt. Eine Frage die sich aufdrängt: Wollen die Europäer (das Volk) eigentlich die Anbindung der Ukraine ... Ich kann mich nicht erinnern gefragt worden zu sein, noch steht das in einem mir bekannten Parteiprogramm - jedenfalls nicht in dieser Deutlichkeit.
reinerotto 16.12.2013
3. Putin ist viel cleverer als die Zauderer in D/EU
Schon vor Jahren wäre es möglich gewesen, die UA enger an D/EU zu binden. Z.B. bei der Vergabe des Auftrags für einen Truppentransportflugzeug. Antonov hatte sogar angeboten, mit EADS/Airbus in Kooperation zu arbeiten, z.B. bei der Modernisierung der AN-70, welche schon vor 10 Jahren flog und in etwas dem Airbus A-400M entsprach. Der allerdings heute immer noch nicht richtig vom Boden loskommt. Aber das wurde ja aus politischen und lobbyistischen Gründen abgelehnt. Obwohl das Angebot von Antonov deutlich unter denen der Konkurrenz lag.
demom 16.12.2013
4. Lächerlich
Das ist nur ein Spiel in einem großen Theater. Leider sind die Menschen vergessen, dass die nicht einfach Menschen sind, sondern....
kategorien 16.12.2013
5. EU-Dilettanten
"Die Tür zur Europäischen Union steht weiter für die Ukraine offen". Gab es nicht erst dieses Wochenende ein anderes Signal seitens der EU? Putin ist sehr geschickt, unweit geschickter als Obamas Unterhändler. Merkel & Co. sind dagegen Witzfiguren. Wir dürfen auf Russland und China in den nächsten 10-15 Jahren gespannt sein.
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