Schwächelnde Wirtschaft Hollande will Franzosen zum Einkaufen bewegen

Frankreichs Wirtschaft wächst seit zwei Jahren nicht mehr. Nun will Präsident Hollande seine Bürger zum Geldausgeben animieren. Geschäfte sollen öfter sonntags öffnen, Geringverdiener weniger Steuern zahlen.

Frankreichs Präsident Hollande: Will seine Bürger zum Kaufen animieren
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Frankreichs Präsident Hollande: Will seine Bürger zum Kaufen animieren


Paris - Verkaufsoffene Sonntage, Steuersenkungen, Wohnraumförderung: Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket will Frankreichs Präsident François Hollande die Kaufkraft im Land ankurbeln. Insbesondere für Geringverdiener sollen die Steuern gesenkt werden, sagte Hollande in einem Interview mit der Zeitung "Le Monde". Zudem werde bei den staatlichen Leistungen zur Unterstützung von Niedriglöhnern nachgebessert. Auch der Wohnungsbau soll durch steuerliche und finanzielle Anreize angekurbelt werden.

Hollande kündigte auch an, im September einen "Gesetzentwurf zur Kaufkraft" vorzulegen. Darin soll unter anderem das Verbot der Sonntagsöffnung für Geschäfte gelockert werden. Außerdem sollen Privilegien von abgeschotteten Berufsgruppen wie Anwälten, Notaren oder Apothekern abgebaut werden - dadurch soll die Konkurrenz gestärkt werden, die Kosten für die Verbraucher sollen sinken.

Auch für Lehrlinge und bei der Fortbildung von Langzeitarbeitslosen kündigte Hollande Reformen an. Darüber hinaus sollen durch eine Zusammenlegung der Sozialhilfe (RSA) mit der Beschäftigungsprämie für Geringverdiener die Anreize zur Arbeitsaufnahme erhöht werden.

Die sozialistische Regierung in Paris kämpft seit ihrem Amtsantritt 2012 gegen eine Wachstumsschwäche und eine stetig steigende Arbeitslosigkeit. Trotz einer Reihe von Reformen sind bisher keine Anzeichen für einen Aufschwung erkennbar - im Gegenteil: Die jüngsten Wirtschaftsdaten der nationalen Statistikbehörde wiesen für die ersten beiden Quartale 2014 ein Null-Wachstum aus. Die Arbeitslosigkeit erreichte im Juni einen neuen Negativrekord von fast 3,4 Millionen Menschen. So wuchs in den vergangenen Tagen erneut der Druck auf die Regierung, dringend gegenzusteuern.

jbe/AFP



insgesamt 12 Beiträge
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pepe_sargnagel 20.08.2014
1.
Mal schauen, ob er auch so handeln wird, wie er es ankündigt. Mehr Wettbewerb allerdings werden sich die "abgeschotteten Berufsgruppen" aber nicht wünschen. Und das sind Berufsgruppen, die eine ziemlich starke Stimmung machen können, so dass die Sozialisten nie wieder gewählt werden. Auch bei den Steuersenkungen bin ich gespannt, ob es nicht ein linke-Tasche rechte-Tasche Spiel wird. Warten wir mal ab und hoffen das Beste. Mehr bleibt uns eh nicht übrig.
licorne 20.08.2014
2. Die Regierung kämpft gegen Arbeitslosigkeit und 0 Wachstum?
Hollande hat die katastrophale Lage befeuert und verschlimmert. Mit Zickzack Kurs, Rückwärts- Vorwärtsaktionen, großen Ankündigungen ohne Folgen, Unternehmerbeschimpfungen uam. hat diese Regierung den letzten Rest der Wirtschaft abgewürgt. Was heute gilt, kann morgen anders sein, erlassene Gesetze werden wieder aufgedröselt. Die Bauwirtschaft ist dank unglaublicher Bürokratisierung von Abläufen am Boden, Firmen machen ohne Ende pleite. Wer will da noch investieren oder konsumieren? Unfähige Regierungsmitglieder, die ihr ganzes Leben von Steuerzahlern und noch nie von Kunden bezahlt wurden, versuchen mit Methoden der Siebzigersozialisten und Globalisierungsleugner ein Land zu retten, das seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse lebt. Die Opposition ist seit Verlust der Wahl mit sich selbst beschäftigt, Besserung nicht in Sicht.
pace335 20.08.2014
3. Unsere Grünen, SPD und Linkenanhänger sollten mal
einen genaueren Blick nach Frankreich wagen, dann wissen sie was uns erwartet im Falle einer sozialistischen Regierug.
n.r.g.mecklenburg 20.08.2014
4. Negatives Wachstum...
... Ist das Gebot der Stunde!! Wenn lediglich die Grundbeduerfnisse bedient werden und der Export auf die, für den eigenen Bedarf, für die zum Gegenwert notwendigen Importe, reduziert wird, dann entsteht auch eine stabile Wirtschaft ohne Stuetzmechanismen.
hermannheester 20.08.2014
5. Leute kauft Kämme es kommen (sonst) lausige Zeiten!
Diese alte Volksweisheit ist nicht wirklich französisch. Schon Oma kannte diesen Spruch und sie wußte woher. Wo das gemeine Volk kein Geld hat um zu konsumieren, wird es kein Wirtschaftswachstum geben. Und wenn man noch so viele Waffen an wen auch immer exportiert.
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