Auszeichnung Börsenpropheten erhalten Wirtschaftsnobelpreis

Der Wirtschaftsnobelpreis 2013 geht an die US-Forscher Eugene Fama, Lars Peter Hansen und Robert Shiller. Damit würdigt die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften ihre empirischen Analysen von Aktienkursen.


Stockholm - Es ist die höchste Auszeichnung für Ökonomen: Der Wirtschaftsnobelpreis geht in diesem Jahr an die US-Forscher Eugene Fama und Lars Peter Hansen von der Universität Chicago sowie Robert Shiller von der Eliteuniversität Yale. Das teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm mit. Die drei würden für ihre empirischen Analysen von Aktienkursen geehrt.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Robert J. Shiller durch sein Buch "Irrationaler Überschwang" bekannt, in dem er vor den Übertreibungen der New-Economy-Euphorie warnte. Ebenso warnte er fühzeitig vor der Spekulationsblase auf dem US-Immobilienmarkt, die letztlich die Weltfinanzkrise auslöste. Der Yale-Ökonom hat sich jedoch auch als Erfinder des wichtigsten amerikanischen Immobilienindex, dem Case-Shiller-Index, und als Prophet der Dotcom-Blase einen Namen gemacht.

Nicht nur deshalb galt er schon seit einigen Jahren als Favorit auf die Würdigung - dennoch zeigte er sich am Montag überrascht. "Ich konnte es einfach nicht glauben, anders kann ich es nicht sagen", sagte der bei der Pressekonferenz in Stockholm per Telefon zugeschaltete Shiller.

"Ich interessiere mich für eine Million unterschiedlicher Dinge. Ich habe angefangen, mich für Wirtschaft zu interessieren, weil ich glaube, dass sie sich mit wichtigen Problemen auseinandersetzt", sagte Shiller weiter. "Sie ist so grundlegend für menschliches Handeln." Das Wissen über das Finanzwesen sei nützlich für die Gesellschaft und könne helfen, das menschliche Gemeinwohl zu verbessern. "Das Finanzwesen steuert die moderne Gesellschaft. Das mag sich für manche Menschen seltsam anhören, aber es ist absolut wahr."

Fotostrecke

34  Bilder
Fotostrecke: Träger des umstrittenen Nobelpreises

2009 veröffentlichte Shiller zusammen mit dem ebenfalls mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichneten George Akerlof das Buch "Animal Spirit", eine Kritik an dem in den Wirtschaftswissenschaften vorherrschenden Menschenbild des streng rationalen Homo oeconomicus.

Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre an der Universität Mannheim, kennt sowohl Robert Shiller als auch Robert Fama. Beide hätten den Nobelpreis in hohem Maße verdient, sagte Weber SPIEGEL ONLINE. "Bei Fama habe ich als junger Postdoc mal einen Kurs angefangen und dann sein lassen, weil er mir einfach zu schwierig war", sagt Weber lachend. Fama, der über viele Jahre die Wintersemester stets an der University of California in Los Angeles verbrachte, habe gerne damit kokettiert, wie viel Zeit er auf dem Tennisplatz und dem Surfbrett verbringe. Seiner wissenschaftlichen Leistung taten diese Hobbys offenbar keinen Abbruch.

Der Nobelpreis für Wirtschaft ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (zehn Millionen Kronen) dotiert. Er ist die letzte Auszeichnung, die in der Reihe der Nobelpreise vergeben werden - doch streng genommen gehört er gar nicht dazu. Er geht als einziger nicht auf das Testament des Schweden Alfred Nobel zurück, sondern wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel ins Leben gerufen.

Seitdem hat die Stockholmer Wissenschaftsakademie meist US-Ökonomen ausgezeichnet, so auch in diesem Jahr. Unter den bisherigen Preisträgern war nur eine Frau. Letzter deutscher Preisträger war 1994 der Bonner Spieltheoretiker Reinhard Selten. Im vergangenen Jahr waren die beiden US-Forscher Alvin Roth und Lloyd Shapley für ihre Arbeiten zur optimalen Abstimmung von Angebot und Nachfrage ausgezeichnet worden.

Überreicht werden die Nobelpreise am 10. Dezember, dem Todestag von Stifter Nobel.

vks/dpa/Reuters/AFP



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
real_jester 14.10.2013
1. Es gibt keinen Wirtschaftsnobelpreis!
Es gibt nur einen "Von der schwedischen Reichsbank in Erinnerung an Alfred Nobel gestiftete Preis für Wirtschaftswissenschaften". Dies ist ein Preis der von einer (oder vielen) Banken 1968 gestiftet wurde um die Wirtschafts- "wissenschaften" wie eine Naturwissenschaft aussehen zu lassen. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um eine Mischung aus Sozialwissenschaft und Spieltheorie....
monolithos 14.10.2013
2. Nicht im Sinne Alfred Nobels
Es ist sicher nicht im Sinne Alfred Nobels, dass sein Name missbraucht wird, um regelmäßig millionenschwere Zahlungen an die USA zu leisten. Über 70% der Verleihungen fanden in Richtung USA statt. Das ist doch kein Zufall. Sollen hier für irgendwas Geheimes zu leistende Reparationszahlung von Schweden an die USA verschleiert werden? Ist der Preis gekauft? Auf jeden Fall ist er genauso zur Farce geworden wie der Friedensnobelpreis. Schade um die große Idee!
emmerot 14.10.2013
3. @real_jester
Jede Jahr die selben alten Komentare; vielleicht nicht von Ihnen, aber von jedem anderen. Wie Karl Valentin meinte: Es ist zwar schon alles gesagt, aber nicht von jedem. Im Übrigen sind die WWs Teil der Sozialwissenschaften, das bestreitet kein WW. Liegt wahrscheinlich daran, dass es nur wenige Obergruppen gibt: Natur-, Geistes-, und eben Sozialwissenschaften. Und (Ironie!!) die Spieltheorie ist m.E. wohl eher in der Politikwissenschaft oder der Pädagogik beheimatet - die ihre Fehler nicht selbst bezahlen müssen. Moral Hazard :-)
Ernie 14.10.2013
4. So ein Schwachsinn...
...auch noch zu ehren stinkt mir gewaltig... bald gehört das Nobel-Preis-Kommitee ins Guiness-Weltrekorde-Buch für den Rekord des Vergebens von Nobelpreisen an die verkehrten Personen... erst Friedenspreis an Obama, dann der Friedenspreis an die Chemiewaffen-inspekteure und jetzt auch noch einen Preis für irgendwelche Heuchler des Porno-Kapitalismus (weil, die habens ja kommen sehen, die Schlauberger) ... was für eine kaputte Welt!
ehFrank 14.10.2013
5. Was hat die Börse mit Wissenschaft zu tun?
Egal wo auf der Welt ein unangenehmer Wind einem Darm entweicht, es könnte sich auf "die Märkte" auswirken. Spekulationen haben nichts mit Wissenschaft zu tun. Und die "Erklärungen" zu Aktienkursen sind allenfalls interessant als Mysterium für Soziologen und Psychoanalytiker.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.