Wirtschaftspreis für Euro-Ausstieg Ökonomen glauben nicht an Euro-Masterplan

Nach dem Nobelpreis ist es der höchstdotierte Wirtschaftspreis: 250.000 Pfund erhält der Gewinner des neuen Wolfson Economics Prize, wenn er einen plausiblen Masterplan für den Austritt eines Landes aus der Euro-Zone vorlegt. Ökonomen sind skeptisch, die Motive des Stifters zu durchsichtig.

Parlamentsgebäude in London: Der Euro hat in Großbritannien viele Feinde
REUTERS

Parlamentsgebäude in London: Der Euro hat in Großbritannien viele Feinde


Wie ein moderner Alfred Nobel möchte Lord Simon Wolfson die Wissenschaft zu Höchstleistungen anspornen: Der Vorstandschef des britischen Mode-Einzelhändlers Next hat einen mit 250.000 Pfund dotierten Wirtschaftspreis ausgelobt. Erhalten soll ihn der Wirtschaftsexperte, der einen plausiblen Plan für den geordneten Austritt eines Landes aus der Euro-Zone vorlegt.

"Dieser Preis soll sicherstellen, dass hochkarätige Ökonomen sich darüber Gedanken machen, wie der Euro in stabilere Währungen umstrukturiert werden kann", sagte Wolfson der Londoner "Times". Organisiert wird der Wettbewerb von der konservativen Londoner Denkfabrik Policy Exchange. Wolfson, ein bekannter Parteispender der britischen Tories, stiftet das Preisgeld.

Bei Ökonomen sorgt der Preis für gemischte Reaktionen. Policy Exchange ist ein Hort der Euro-Skeptiker, Preisstifter Wolfson offensichtlich vom eigenen politischen Interesse gelenkt. Schon die Fragestellung verrät, worum es ihm geht: Die Teilnehmer sollen einen Weg aufzeigen, wie ein Staat die Euro-Zone verlassen kann. Damit ist die Auflösung der Währungsgemeinschaft als Ziel bereits vorgegeben.

"Wenn es wirklich darum ginge, einen konstruktiven Beitrag zu leisten, würden sie fragen, ob die Auflösung der Euro-Zone die beste Lösung sei", sagt Clemens Fuest, Wirtschaftsprofessor an der University of Oxford. Der Euro-Experte will bei dem Wettbewerb daher nicht mitmachen. Es sei vollkommen legitim, die Frage zu stellen, sagt er. "Aber ich würde mich nicht an die Speerspitze einer Bewegung stellen, die den Euro abschaffen will".

Fuest hält nichts von Denkverboten, er selbst hat für das "Handelsblatt" mal das Worst-Case-Szenario einer Griechenland-Pleite durchgespielt. "Man muss alle Optionen studieren", sagt er. Aber die Wolfson-Aufgabe hält er für zu begrenzt. "Es wäre nur eine Studie über die ökonomischen Kosten der Auflösung der Euro-Zone".

"Es gibt keine ideale Lösung"

Auch sein Kollege Iain Begg von der London School of Economics (LSE) erwartet nicht viel von dem Preis. "Die Frage ist interessant, aber sie wird keine politisch tragfähige Lösung erbringen", sagt der Wirtschaftsprofessor. Eine rein technische ökonomische Lösung reiche nicht aus, politische und rechtliche Fragen spielten in der Euro-Zone eine entscheidende Rolle. Diese Dimension werde bei der Aufgabenstellung des Wirtschaftspreises komplett ausgeblendet.

"Es gibt keine ideale Lösung", sagt Begg. Die Suche danach würde schon daran scheitern, dass die politischen und wirtschaftlichen Parameter sich jede Woche änderten.

Peter Boone hingegen, ebenfalls Ökonom an der LSE, begrüßt den Preis. "Er fördert die öffentliche Debatte", sagt er. Die Frage eines Euro-Ausstiegs einzelner Länder sei in den Finanzministerien und Zentralbanken der Euro-Zone sicherlich schon durchgespielt worden, aber diese Ergebnisse seien nicht veröffentlicht worden. Es sei daher interessant zu erfahren, zu welcher Einschätzung unabhängige Experten kämen.

Dennoch glaubt auch Boone nicht, dass der Wettbewerb den Masterplan zur Auflösung der Euro-Zone liefern wird. "Das kann ein Ökonom allein nicht schaffen", sagt er. Die rechtlichen Fragen eines Ausstiegs aus der Euro-Zone seien viel zu kompliziert. "Man würde ein ganzes Team aus Ökonomen und Juristen brauchen."

Die Ausschreibung lässt auch nicht viel Zeit: Der Essay soll bis zu 25.000 Worte lang sein, Einsendeschluss ist der 31. Januar 2012. Die Teilnahmeunterlagen wurden an 200 VWL-Fachbereiche in der ganzen Welt geschickt. Mitmachen können jedoch auch Nicht-Ökonomen.

Dem britischen Euro-Skeptiker Wolfson selbst wäre es wahrscheinlich nicht unrecht, wenn am Ende niemand einen Plan vorlegen kann. Auch dieses Ergebnis, sagte er der "Financial Times", wäre "ziemlich aufschlussreich".



insgesamt 36 Beiträge
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dunnhaupt 19.10.2011
1. Was tun wir, wenn die Eurorettung misslingt?
Zitat von sysopNach dem Nobelpreis ist es der höchstdotierte Wirtschaftspreis: 250.000 Pfund erhält der Gewinner des neuen Wolfson Economics Prize, wenn er einen plausiblen Masterplan für den Austritt eines Landes aus der Euro-Zone vorlegt. Ökonomen sind skeptisch, die Motive des Stifters zu durchsichtig. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792838,00.html
Unsere Politiker steuern völlig blind in ein Niemandsland in ihren verzweifelten Versuchen, mit Billionen den kranken Euro noch irgendwie zu retten, ohne jedoch irgendeinen Plan zu haben, was sie tun sollen, falls dies misslingt. Die Erstellung eines Ausstiegsszenarios für den Notfall wäre also durchaus ratsam.
jupiter999 19.10.2011
2. Natürlich
Natürlich hat diese Ausschreibung Eurofeindliche Hintergedanken, eine Mehrheit in Großbritannien würde die EU zu gerne zerfallen sehen und auf ihren Grab tanzen. Aber dennoch ist die Frage legitim geworden. Schaut man sich die Deutsche Politik an so kommt man nicht um das Gefühl herum das es keinen Plan für den Supergau gibt. Es wird eher nach dem altbekannten Motto verfahren : "Es kann nicht sein was nicht sein darf" das sich immer dann anmeldet wenn die Realität zu grässlich geworden ist um sie noch zu ertragen. Das EU Gebäude wackelt mittlerweile. Jahrzehnte der Arbeit stehen dichter vor dem totalen aus als man offen zugeben will. Eurospektiker in GB haben es jetzt sogar geschafft das ein Ausstieg Großbritanniens aus der EU offen im Parlament diskutiert wird. Und das schon demnächst. Premierminister Cameron hat gedroht eventuelle Forderungen nach einem Volksreferendum zum Ausstieg aus der EU per Veto zu blockieren. Er weiß das dies daß ultimative Ziel dieser Debatte sein wird. Und er weiß auch das die Chancen gar nicht schlecht stünden das daß britische Volk dann auch mehrheitlich für den Ausstieg stimmen würde. Die Situation ist zu schlimm geworden um den Zusammenbruch des Euro und der EU noch von der Hand zu weisen. Es darf keine offene Diskussion geben aber man muss hinter verschlossenen Türen über einen Plan für den Fall X diskutieren. Nur momentan hat man in deutschen Kreisen zu große Angst das man dies nicht geheimhalten könnte und die Medien davon Wind bekommen. Das würde natürlich einen fatalen Stein ins Rollen bringen. Wenn die Länder und Märkte denken würden das Deutschland nicht mehr an das überleben der EU glaubt .....
Kaygeebee 19.10.2011
3. .
"Ein Ökonom ist ein Experte der morgen weiss warum was er gestern vorhergesagt hat heute nicht eingetroffen ist." Laurence Peter
Yeti, 19.10.2011
4. Warum gross überlegen?^
Ich verstehe gar nicht, was es da zu überlegen und zu forschen gibt. Fast jedes Land in der Euro-Zone hat vor der Euro-Umstellung eine stabile Währung gehabt. Abgesehen von den Staaten, die jetzt gerade tierische Probleme mit ihren Schulden haben. Einfach wieder zurück und gut ist. Frei konvertibel und nicht gegeneinander festgeschrieben.
rabenkrähe 19.10.2011
5. Skandal
Zitat von sysopNach dem Nobelpreis ist es der höchstdotierte Wirtschaftspreis: 250.000 Pfund erhält der Gewinner des neuen Wolfson Economics Prize, wenn er einen plausiblen Masterplan für den Austritt eines Landes aus der Euro-Zone vorlegt. Ökonomen sind skeptisch, die Motive des Stifters zu durchsichtig. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792838,00.html
....... Das hat mit glauben nichts zu tun, was auch immer unsere blinden Euro-Helden machen, es kann nur viel kosten, die Schulden weiter explodieren lassen, aber niemals eine substantielle Lösung herbeiführen. Schon, weil es nur weiterführen könnte, wenn die Schuldenproblematik weltweit und insbesondere in den USA angegangen würde. rabenkrähe
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