Industrieproduktion: Chinas Wachstum zieht wieder an

Monatelang schwächelte die chinesische Wirtschaft, doch nun mehren sich die Zeichen für eine Trendwende. Laut Umfragen ist die Industrieproduktion im Oktober überraschend gestiegen. Kurz vor dem Parteitag der KP kommen die guten Zahlen der Führung in Peking sehr gelegen.

Industriearbeiter in Shanghai: Es geht aufwärts Zur Großansicht
REUTERS

Industriearbeiter in Shanghai: Es geht aufwärts

Peking - In China keimt Hoffnung auf eine Trendwende in der Wirtschaft auf. Nachdem das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts zuletzt auf den niedrigsten Stand seit Jahren gefallen war, geben zwei neue Umfragen unter Unternehmen nun Anlass zu Optimismus.

Der chinesische Handelsverband teilte am Donnerstag mit, der von ihm ermittelte Einkaufsmanagerindex für die Industrieproduktion sei im Oktober auf 50,2 Punkte gestiegen. Die Skala reicht bis 100. Werte über 50 Punkte zeigen Wachstum an. Ähnlich positiv entwickelte sich auch der von der britischen Großbank HSBC ermittelte Index: Er legte auf 49,5 Punkte zu und liegt damit an der Schwelle zum Wachstum. Das ist laut HSBC der höchste Wert seit acht Monaten.

Die neuen Zahlen sind gute Nachrichten für die Weltkonjunktur. Angesichts der Rezession in großen Teilen Europas und der schwachen Erholung in den USA war China zuletzt der wichtigste Treiber des globalen Wirtschaftswachstums. Das Land hat längst eine Schlüsselrolle im Welthandel eingenommen. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) ist China mittlerweile für 78 Staaten der wichtigste oder zweitwichtigste Handelspartner. Auch viele deutsche Firmen sind von der Konjunktur des Landes abhängig.

Zuletzt hatte sich die chinesische Wirtschaft ungewöhnlich stark abgekühlt. Im dritten Quartal des Jahres war das Wachstum zum siebten Mal in Folge gesunken - auf zuletzt 7,4 Prozent. Das offizielle Ziel der Regierung für das Gesamtjahr 2012 liegt bei 7,5 Prozent. Für ein Land, das in den vergangenen Jahren Wachstumsraten von zehn Prozent und mehr gewohnt war, ist das ein herber Rückschlag.

Vor dem Parteitag sind gute Nachrichten willkommen

Ein Schwellenland mit viel Nachholbedarf wie China benötigt zudem schnelles Wachstum, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und den sozialen Frieden zu wahren. Die kritische Grenze sehen Ökonomen bei sechs bis acht Prozent - China läuft Gefahr, darunter zu fallen.

Doch seit einigen Wochen mehren sich die Zeichen für eine Trendwende. So waren nach offiziellen Daten sowohl die Einzelhandelsumsätze als auch die Industrieinvestitionen im September überraschend gestiegen. Viele Experten hatten daraufhin ihre Wachstumsprognosen erhöht. Die Bank of America etwa rechnet damit, dass die chinesische Wirtschaft im Schlussquartal des Jahres erstmals wieder stärker wachsen könnte.

Die neuen Daten zur Industrieproduktion schüren nun diese Hoffnung auf Erholung. "Dies zeigt, dass die Wirtschaft ihren Tiefpunkt erreicht hat und sich nun stabilisiert", zitiert die "Financial Times" den Ökonomen Zhang Liqun vom staatlichen Development Research Centre. "Wir gehen davon aus, dass das Wachstum nicht mehr weiter sinkt und es nun zu einer leichten Erholung kommt."

Das wäre auch ganz im Sinne der politischen Führung in Peking, die in der kommenden Woche den Parteitag der KP abhält. Dabei ist ein Generationenwechsel geplant, die herrschenden Strukturen sollen aber bestehen bleiben.

Gute Nachrichten zur Konjunktur kommen der Parteispitze deshalb sehr gelegen. Seit Monaten versucht sie, die schwächelnde Konjunktur wiederzubeleben. Zweimal hat die Zentralbank bereits die Zinsen gesenkt. Zudem pumpt die Regierung über neue Infrastrukturprojekte Geld in die Wirtschaft.

stk/AP

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insgesamt 56 Beiträge
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1. Wen interessiert das eigentlich?
ra-live 01.11.2012
Die meisten SPON-Leser haben vermutlich weder eine Firma noch chinesische Aktien, noch chinesische Kumpels. Die Nachrichten werden immer seltsamer. Wie läufts eigentlich in Gabun. Da habe ich einen Kumpel wohnen. ich glaube vor 3 Jahren das letzte Mal das Wort Gabun hier entdeckt.
2. ist das nun gut oder schlecht?
Ernesto_de_la_Vita 01.11.2012
ich befürchte, dass nun die Preistreiberei auf den Rohstoffmärkten wieder ordentlich an Fahrt gewinnt und die Spekulanten sich die Hände reiben.......
3. Eventuell sind die Zahlen wegen dem Parteitag schöner
Fricklerzzz 01.11.2012
Es ist schon oft vorgekommen das aus Angst die Bilanzen geschönt wurden.
4. @ra-live: Sie müssen das ja nicht lesen! .
bigjes 01.11.2012
Sie tun so, als ob China und dessen Wirtschaft absolut unbedeutend sind und stellen es eine Stufe mit Gabun. Da komme ich schon ins Grübeln...
5.
stefan.schneider84 01.11.2012
Zitat von ra-liveDie meisten SPON-Leser haben vermutlich weder eine Firma noch chinesische Aktien, noch chinesische Kumpels. Die Nachrichten werden immer seltsamer. Wie läufts eigentlich in Gabun. Da habe ich einen Kumpel wohnen. ich glaube vor 3 Jahren das letzte Mal das Wort Gabun hier entdeckt.
Ich schätze aber mal, dass viele SPON Leser in Unternehmen arbeiten, für die Handelsbeziehungen mit chinesischen Firmen wichtig, wenn nicht sogar überlebenswichtig sind. Dies wiederum bertrifft dann auch den eigenen Arbeitsmarkt. Keiner meiner Kumpels arbeitet in einer Firma, die wichtige Handelsbeziehungen nach Gabun haben und mit deren Hilfe ihren Lebensunterhalt bestreiten. Von daher ist es wohl normal, dass im WIRTSCHAFTSTEIL von SPON wenig von Gabun zu hören ist, oder?
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