Herbstgutachten Wirtschaftsforscher senken Prognose für 2018 deutlich

Die Abkühlung der Weltkonjunktur und der spürbare Fachkräftemangel gehen an der deutschen Wirtschaft nicht spurlos vorüber. Führende Forschungsinstitute streichen deshalb ihre Prognose für 2018 deutlich zusammen.

Containerumschlag in Hamburg
imago/ Christian Ohde

Containerumschlag in Hamburg


Die führenden deutschen Wirtschaftsforscher haben ihre Prognosen für das Jahr 2018 und 2019 gesenkt.

Sie erwarten für das laufende Jahr nun eine um 1,7 Prozent höhere Wirtschaftsleistung, im Frühjahr waren sie noch von 2,2 Prozent ausgegangen. Für das kommende Jahr nahmen sie ihre Vorhersage leicht von 2,0 auf 1,9 Prozent zurück. Das geht aus dem Herbstgutachten der Gemeinschaftsdiagnose hervor, das am Donnerstag in Berlin vorgestellt wird.

"Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft verliert an Fahrt. Die Nachfrage aus dem Ausland ist schwächer geworden, gleichzeitig haben Unternehmen offenbar zunehmend Probleme, genügend Arbeitskräfte für ihre Produktion zu finden", sagt Roland Döhrn, Konjunkturchef des gastgebenden Essener Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Maßnahmen, die auch zur Belebung der Konjunktur dienen könnten, sieht der Ökonom allerdings eher kritisch: "Kurzfristige Initiativen wie das Baukindergeld führen tendenziell zu Mitnahmeeffekten und steigenden Kosten, weil die Bauwirtschaft ohnehin gut ausgelastet ist. Die Förderpolitik im Wohnungsbereich sollte in der derzeitigen konjunkturellen Lage stärker auf Kontinuität angelegt sein."

Die Zahl der Erwerbstätigen wird von 44,9 Millionen in diesem auf 45,3 Millionen im nächsten und auf 45,6 Millionen im Jahr 2020 steigen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Arbeitslosen von 2,3 auf 2,1 Millionen Menschen. Damit geht die Arbeitslosenquote von 5,2 über 4,8 auf 4,5 Prozent zurück. Die Verbraucherpreisinflation wird sich voraussichtlich von 1,8 Prozent im Durchschnitt dieses Jahres auf 2,0 Prozent im kommenden Jahr beschleunigen und 2020 bei 1,9 Prozent liegen. Dabei nimmt der binnenwirtschaftliche Preisauftrieb zu.

Für den gesamten Prognosezeitraum erwarten die Institute deutliche Finanzierungsüberschüsse des Staates. Im laufenden Jahr dürfte er mit 54 Milliarden Euro einen neuen Höchstwert erreichen. Bis zum Jahr 2020 wird er durch die expansiv ausgerichtete Finanzpolitik auf 41 Milliarden Euro abschmelzen.

Die Risiken für die deutsche und die internationale Konjunktur haben sich gegenüber dem Frühjahr vergrößert, weltweit insbesondere durch die zunehmende Zahl von Handelskonflikten, auf europäischer Ebene durch die Möglichkeit eines ungeordneten Austritts Großbritanniens aus der EU und einer möglichen Schuldenkrise in Italien.

Die Gemeinschaftsdiagnose wird erarbeitet vom RWI in Essen, vom DIW in Berlin, vom ifo Institut in München, vom IfW in Kiel und vom IWH in Halle.

mik

insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
strag 27.09.2018
1.
Als Arbeitnehmer kann ich dazu nur sagen..."mir egal". Der Wirtschaftsaufschwung ging ja auch an "uns" vorbei und die Gürtel musste man auch trotz gut laufender Konjunktur enger schnallen.
hamburger-humanist 27.09.2018
2.
Wenn es einen Fachkräftemangel gäbe, würden die Löhne steigen. Diese sind in 2018 aber real bisher um gerade mal 0,5% gestiegen. Solch mickrigen Lohnsteigerungen lassen nicht gerade darauf deuten, dass die Unternehmen händeringend nach Fachkräften suchen. Wenn man ganz dringend Angestellte braucht, würde man den angebotenen Arbeitsplatz doch attraktiver gestalten. Das findet aber nicht statt. Erkenntnis: es gibt keinen Fachkräftemangel
vitalik 27.09.2018
3.
Zitat von stragAls Arbeitnehmer kann ich dazu nur sagen..."mir egal". Der Wirtschaftsaufschwung ging ja auch an "uns" vorbei und die Gürtel musste man auch trotz gut laufender Konjunktur enger schnallen.
Welche exotische Arbeit verrichten Sie, dass der gesamte Aufschwung der letzten Jahre an Ihnen vorbeigegangen ist? Handwerksberuf ist es wohl nicht, Pflege, IT und viele andere Dienstleistungen auch nicht.
laranagustavo 27.09.2018
4. @ 1 strag
Bloss nicht von 12 bis Mittag denken. Am besten gar keine Wirtschaft mehr, nicht war? Aber huch... wo kommt dann bloss mein Gehalt her? Egal, macht dann schon der Staat für mich. Schön ausruhen. Man, man, man, das Eine ist, ob es Unternehmen gibt, die sich auf Kosten der Arbeitnehmer bereichern, dass Andere, ist aber, dass die Vielzahl der Unternehmen sehr wohl auch an seine Arbeitnehmer denkt und Ihnen nebenbei Ihr Leben finanziert.
Spiegelleserin57 27.09.2018
5. war vorhersehbar!
es kommen die bekannten sieben mageren Jahre. Herr Trump erreicht langsam aber sicher seine Ziele. Er wird oft belächelt ABER hier sieht man auch die Folgen. Auch die Folgen der Dieselaffaire werden sich sicherlich bemerkbar machen...wenn sie nicht sogar nur die Folgen des Wirtschaftskrieges sind. Die Binnenwirtschaft wurde vernachlässigt, die Löhne gedrückt, Billigkräfte eingestellt. Die Kaufkraft erlahmt, da ist kein Wachstum zu erwarten, folglich auch kein Wunder! Wenn die Politik die Wirtschaft fördert aber die Bürger vergisst gibt es eben solche Entwicklungen!
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