Frankfurt - Wolfgang Franz, Vorsitzender der Wirtschaftsweisen, garniert seine Warnung mit drastischen Worten: Die Europäische Zentralbank (EZB) solle Anleihekäufe nicht ausweiten, die "Monetarisierung von Staatsschulden" gehöre zu den "Todsünden einer Zentralbank", sagte Franz in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ").
Die EZB könne ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn sie als "Geldgeber der letzten Instanz" für überschuldete Staaten einspringe, fürchtet der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Zudem wachse die Gefahr von Inflation, wenn Staatsschulden durch die Notenbank finanziert würden.
Die EZB stützt das taumelnde Finanzsystem aktuell mit einer Vielzahl von Maßnahmen: Zum einen kauft sie Staatsanleihen von Krisenländern wie Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien - mittlerweile hat sie Papiere im Volumen von mehr als 190 Milliarden Euro angehäuft. Zudem stellt sie den Banken in großem Umfang frisches Geld zur Verfügung.
Die Rolle als Euro-Retter und vor allem der Kauf von Staatsanleihen sind in der EZB durchaus umstritten. Vor allem die deutschen Vertreter im EZB-Rat lehnen die Maßnahme ab. In diesem Jahr gaben deshalb bereits der Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber und EZB-Volkswirt Jürgen Stark ihre Ämter auf. Auch Webers Nachfolger Jens Weidmann gilt als Gegner der Staatsanleihenkäufe. Für den neuen EZB-Chef Mario Draghi scheint jedoch derzeit kein Weg daran vorbei zu führen.
Der Sachverständigenrat hatte in seinem jüngsten Gutachten vorgeschlagen, einen Teil der europäischen Schulden in einen gemeinschaftlichen Topf mit gemeinsamer Haftung zu legen.
lgr/dpa-AFX/dapd
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