Jahresbilanz der Baubranche Deutschland verfehlt Ziel beim Wohnungsneubau

Mit Neubauten will die Regierung den steigenden Miet- und Immobilienpreisen begegnen. Doch die Baubranche kritisiert: 2018 seien weniger Wohnungen geschaffen worden als nötig wären.

Baustelle am Alexanderplatz in Berlin
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Baustelle am Alexanderplatz in Berlin


Im Kampf gegen steigende Mieten und Wohnungspreise hat es laut der Baubranche auch 2018 nicht genug Neubau gegeben. "Wir dürften im laufenden Jahr rund 300.000 Wohnungen erstellen", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Reinhard Quast, anlässlich der Jahresbilanz der Branche. Im nächsten Jahr werde die Zahl auf 315.000 bis 320.000 steigen.

"320.000 Wohnungen bedeuten zwar eine Verdopplung des Fertigstellungsniveaus gegenüber 2010", sagte Quast. "Das reicht aber noch nicht an den Bedarf von mindestens 350.000 Wohnungen heran."

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, bis 2021 rund 1,5 Millionen neue Wohnungen zu schaffen. Das entspräche etwa 375.000 Wohnungen pro Jahr. Um die Zahl der jährlichen Neubauten zu steigern, sind aus Sicht der Baubranche weitere steuerliche Erleichterungen, mehr günstiges Bauland und Typenhäuser nötig, die nur einmal entwickelt und genehmigt werden müssen, aber vielfach gebaut werden können.

Auch Bund, Länder und Gemeinden bauen wieder mehr

Dennoch blicken die großen Branchenverbände optimistisch aufs kommende Jahr. Die Auftragsbücher der Baufirmen sind so voll wie nie. Mit einem Wert von 47,6 Milliarden Euro lag der Auftragsbestand im September um 14 Prozent über dem starken Vorjahreswert.

Der Umsatz im Bauhauptgewerbe werde erneut um sechs Prozent auf dann 128 Milliarden Euro steigen, sagten der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der ZDB voraus. Die Zahl der Mitarbeiter dürfte um zwei Prozent auf 850.000 steigen.

Ungeachtet der Konjunkturabkühlung soll auch der Wirtschaftsbau - von Fabriken bis Bürogebäuden - auf hohem Niveau weiter wachsen. Hier sagen die Verbände ein Plus von sechs Prozent voraus, nachdem es im zu Ende gehenden Jahr sieben Prozent sein sollen. "Zwar sind die Wachstumserwartungen für die deutsche Wirtschaft nach unten revidiert worden", hieß es. Betroffen wäre die Baubranche aber erst dann, wenn die Industrieunternehmen aufgrund verschlechterter Absatzerwartungen im Ausland ihre Investitionen zu Hause zurückfahren würden. Davon sei aber in den aktuellen Investitionsumfragen nichts zu sehen.

Beim öffentlichen Bau erwarten die Verbände einen Zuwachs von sechs Prozent, 2018 lag das Plus bei fünf Prozent. "Nach langen Jahren der Investitionszurückhaltung der öffentlichen Hand zeigt sich nun wieder ein deutliches Wachstum der Bautätigkeit bei Bund, Ländern und Gemeinden", hieß es. Die Kassen der öffentlichen Hand sind durch gestiegene Steuer- und Beitragseinnahmen gut gefüllt.

Baubranche weist Vorwurf der Gewinnmaximierung zurück

Für Bauherren wird es unterdessen immer teurer. Nach einem Plus von 3,6 Prozent im Vorjahr kostete Bauen in diesem Jahr weitere 4,5 Prozent mehr, wie der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Peter Hübner, sagte.

Darin spiegelt sich auch die hohe Nachfrage: Wohnungen gelten angesichts niedriger Zinsen als gute Geldanlage. Hübner wies aber Vermutungen zurück, die Bauunternehmen nutzten die hohe Nachfrage aus, um ihre Gewinne zu maximieren. Baustoffe wie etwa Betonstahl und Bitumen für Straßen seien deutlich teurer geworden, sagte Hübner. "Man braucht nicht zu glauben, dass die steigenden Preise direkt die Margen der Bauunternehmen bedienen." Die Firmen seien endlich wieder in der Lage, ihre Risiken angemessen zu bepreisen.

mmq/Reuters/dpa

insgesamt 19 Beiträge
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In-Golf 17.12.2018
1. Mit dümmlicher Mieterschutzgesetzgebung
schaffen es die Regierungen, dass immer weniger Wohnungen gebaut werden. Die Marktfunktion als Ausgleich zwischen Nachfrage und Angebot hat noch nie in regulierten Märkten (á la DDR) greifen können.
echoanswer 17.12.2018
2. Nennt mir ein Ziel ...
welches Deutschland nicht verfehlt. Ich kenne keines. Also wundert das hier einfach niemanden mehr.
latrodectus67 17.12.2018
3. Abwarten
wie hiess es so schön bis 2008, "Immobilienpreise können nicht fallen". Es ist ein Markt. Und der Markt boomt solange sich Käufer finden. www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/Bauen/Bauen.html Zeigt und beschreibt interessanterweise, dass der Bau von Ein und Zweifamilienhäusern zurückgeht. Während Mehrfamilienhäuser und Wohnheime zulegen. Wenn die ersten Investoren ihre Renditeziele nicht erreichen, weil die neuen Wohnungen nicht verkauft/vermietet werden können, wird sich das wohl abkühlen.
ich2010 17.12.2018
4.
wer soll eigentlich diese Wohnungen kaufen...? Ein Kauf lohnt sich nur, wenn man entweder selbst einzieht oder aber Rendite beim Vermieten erzielt. Mit Rendite vermieten ist zumindest für Privatvermieter heutzutage nicht mehr möglich. Nachdem kein Wohnungsbesitzer, der halbwegs klar bei Sinnen ist, bereit ist bei der Vermietung auch noch draufzuzahlen dürfte es auch in Zukunft mit billigen Mietwohnungen dürftig aussehen.
brutus972 17.12.2018
5. Wohnungen mit Arbeitsplätzen bauen
Ist das Gebot der Stunde, damit wir dort arbeiten können, wo wir wohnen. Die Pendlerpauschale, Subventionen von Diesel gehören abgeschafft, damit wir in der Zukunft nicht 10spurige Autobahnen bauen müssen.
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