Wohnungsnot Baukindergeld sorgt kaum für Neubauten

12.000 Euro Zuschuss pro Kind: Das Baukindergeld sollte Familien helfen, ihren Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Gegen die Wohnungsnot richtet die Förderung dagegen kaum etwas aus.

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Das Baukindergeld sollte den Neubau ankurbeln - doch in den ersten Monaten lockt die begehrte Leistung vor allem Familien, die sich ein bestehendes Haus oder eine Wohnung kaufen. Für Neubauvorhaben gehen deutlich weniger Anträge ein, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Linken-Abgeordneten Caren Lay hervorgeht.

Demnach wurde bis Ende November nur etwa jeder achte Antrag für ein Neubauvorhaben gestellt, 87,7 Prozent der Anträge betrafen den Erwerb von Bestandsimmobilien.

"Das Baukindergeld verfehlt klar seinen Zweck", kritisierte Lay. Statt den Neubau von Wohnungen anzukurbeln, subventioniere es den Kauf bestehender Häuser. Gefördert werde damit vor allem die Mittelschicht auf dem Land. Für Entspannung auf dem städtischen Wohnungsmarkt für Geringverdiener sorge es dagegen nicht. Kritiker monieren seit Längerem, dass die Prämie vor allem Besserverdiener fördert.

Die meisten Anträge kommen aus NRW

Das Baukindergeld soll Familien in Zeiten steigender Bau- und Immobilienpreise beim Erwerb von Eigentum helfen. Für den Bau eines Hauses oder den Kauf einer Immobilie ist ein staatlicher Zuschuss von 1200 Euro je Kind und Jahr veranschlagt, gezahlt über zehn Jahre: also 12.000 Euro pro Kind.

Die Förderung ist begehrt: Bis Jahresende wurden bereits 56.435 Anträge von Familien bewilligt. Die meisten kamen aus den bevölkerungsreichen Flächenländern Nordrhein-Westfalen (12 606), Baden-Württemberg (7562), Niedersachsen (7099) und Bayern (6941). Aus den Stadtstaaten Berlin (861), Hamburg (589) und Bremen (492) dagegen gingen nur wenige Anträge ein. Hier aber sei eine Entlastung auf dem Wohnungsmarkt dringend nötig, sagte Lay.

Verantwortlich für die hohe Antragszahl zum Start ist vor allem die Tatsache, dass der Zuschuss zu Beginn auch rückwirkend beantragt werden konnte - nämlich von allen Eltern oder Alleinerziehenden, die seit 1. Januar 2018 eine Baugenehmigung erteilt bekommen oder einen Kaufvertrag unterschrieben haben. Das Baukindergeld läuft über drei Jahre.

Gewährt wird das Baukindergeld für Familien und Alleinerziehende bis zu einer Grenze von 90.000 Euro zu versteuerndem Haushaltseinkommen im Jahr bei einem Kind. Bei größeren Familien darf die Grenze pro Kind 15.000 Euro höher liegen. Man muss mit den Kindern in dem Haus oder der Wohnung auch selbst wohnen - und es kann nur einmal beantragt werden. Umstritten ist das Baukindergeld auch wegen seiner hohen Kosten. Pro Jahr gibt es ein Fördervolumen von rund drei Milliarden Euro.

Die Industriestaaten-Organisation OECD hatte zudem kritisiert, dass das Baukindergeld ärmeren Haushalten sogar schade, weil es die Immobilienpreise weiter in die Höhe treiben könnte.

koe/dpa

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Lütt Matten 20.01.2019
1. Baukindergeld zeigt die ganze Unfähigkeit
Der GroKo. Wieso braucht jemand der ein zu versteuerndes Einkommen von 90000 also ca. 105000 brutto hat noch Förderung vom Staat ? CDU - CSU- SPD haben abgewirtschaftet.
Sibylle1969 20.01.2019
2.
In teuren Ballungsgebieten sind 12.000 Euro verteilt über mehrere Jahre natürlich ein Witz, das hilft niemandem, der sich ohne den Zuschuss keine Immobilie leisten kann, sondern sorgt nur für Mitnahmeeffekte. Besser wäre es m.E., wenn die Grunderwerbssteuer für selbstgenutzte Immobilie entfallen würde oder es zumindest einen hohen Freibetrag gäbe. Zudem wäre ein Eigenkapitalzuschuss in Form eines nachrangigen Darlehens sinnvoll. Denn das Hauptproblem bei den hohen Preisen sind die hohen Kaufnebenkosten und der Eigenkapitalbedarf, der in teuren Städten mindestens 6-stellig ist.
Europa! 20.01.2019
3. Schiefe Frage, schiefe Antwort
Was für eine Naivität steckt in der Vorstellung, man würde mit der Familiengründung und dem Bau eines Hauses GLEICHZEITIG anfangen? Natürlich kaufen Familien Wohnungen oder Häuser, die es schon gibt. Sie brauchen SCHNELL ein Zuhause für ihre Kinder, nicht in drei Jahren. Deswegen geht die Bauindustrie auch in Vorleistung und stellt fertige Eigentumswohnungen zur Verfügung. Das ist richtig und gut so. Und wenn der RRG-Senat in Berlin den Eigentumswohnungsbau nicht mit aller Gewalt zu verhindern versuchte, könnten auch in Berlin mehr Anträge auf das BKG gestellt werden.
guka-le. 20.01.2019
4. Ziel erreicht würde ich sagen
Das Ziel ist sicherlich nicht den Neubau zu fördern. Ziel ist es, dass bestehende Immobilien für die Banken mit ihrer Kreditvergabe attraktiver werden. Banken bewährten bestehende Immobilien viel niedriger mit dem Preis als den realistischen Preis, der für ein Haus in einer bestimmten Region aufgerufen wird. Und an den nicht steigenden Neubauten sind die Kommunen selbst schuld. Wenn ich kein Bauland freigebe bzw. Bauland nicht bebaut wird kann der Staat noch soviel versuchen zu fördern es wird so nicht funktionieren. Vielleicht sollte man auch mal über eine Arbeitsplatz-Wohnplatzquote nachdenken. Denn wenn ich als Kommune gerne viele neue Arbeitsplätze haben möchte muss ich auch sehen wo den die neuen Arbeiter später auch wohnen sollen ohne gleich neue Ghettos zu schaffen!!! Thema Infrastruktur wäre auch so ein Thema was alle vernachlässigen.
Europa! 20.01.2019
5. Sehr richtig!
Zitat von Sibylle1969In teuren Ballungsgebieten sind 12.000 Euro verteilt über mehrere Jahre natürlich ein Witz, das hilft niemandem, der sich ohne den Zuschuss keine Immobilie leisten kann, sondern sorgt nur für Mitnahmeeffekte. Besser wäre es m.E., wenn die Grunderwerbssteuer für selbstgenutzte Immobilie entfallen würde oder es zumindest einen hohen Freibetrag gäbe. Zudem wäre ein Eigenkapitalzuschuss in Form eines nachrangigen Darlehens sinnvoll. Denn das Hauptproblem bei den hohen Preisen sind die hohen Kaufnebenkosten und der Eigenkapitalbedarf, der in teuren Städten mindestens 6-stellig ist.
Mit dem Verzicht (oder zumindest einem Rabatt) auf die Grunderwerbssteuer könnten die gierigen Großstädte den Eigentumserwerb von jungen Familien gezielt fördern. Stattdessen wird in Berlin und andernorts bewusst der Wohnungsmangel gefördert, weil SPD und Linke hoffen, bei den Wahlen von der Unzufriedenheit zu profitieren.
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