S.P.O.N. - Die Spur des Geldes Wie gefährlich ist die Geldflut wirklich?

Geld, Geld, und noch mehr Geld: Mit nahezu grenzenloser Liquidität versucht Mario Draghi derzeit die Folgen der Schuldenkrise zu mindern. Zu leichtfertig, meinen manche. Doch in Wahrheit hat der Chef der Europäischen Zentralbank kaum eine Alternative.

Eine Kolumne von


Es gibt kaum ein Thema, bei dem sich die deutsche Wirtschaftsdebatte von der im Ausland so sehr unterscheidet wie in der Bewertung der Rolle des Geldes und der Notenbanken. SPIEGEL-Mann Michael Sauga hat kommentiert, die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank bilde die Grundlage für die nächste Blase. Aus Großbritannien und den USA hört man das Gegenteil: Die EZB habe die Krise beendet.

Ich halte beide Aussagen für falsch, aber stehe in dieser Debatte näher bei den Deutschen als den Angelsachsen. Letztere machen es sich mit der Ursachenforschung für Finanzblasen zu leicht, indem sie auf die Unverantwortlichkeit der Banken verweisen oder die Deregulierung des Finanzsektors anprangern. Sauga stellt die richtigen Fragen. Nur teile ich nicht seine Antworten.

Wie er in seinem Buch "Gelduntergang" mit Co-Autorin Ursula Weidenfeld beschreibt, ist Saugas Modell das hydraulische: Oben kommt zusätzliches Geld rein, und unten fließen Inflation und Preisblasen heraus. Dieses Denkmodell beruht auf drei Grundannahmen:

  • hinter dem Modell steht die Theorie des Monetarismus. Danach bestimmt die Menge des Geldes in der Wirtschaft die Inflationsrate. Die Beobachtung geht auf eine berühmte Studie des US-Ökonomen Milton Friedman zurück, der eine zu scharfe Verknappung der Geldmenge für die Große Depression verantwortlich machte. In ihrem Buch befürworten die Autoren eine größere Berücksichtigung der Geldmenge bei der Geldpolitik.

  • Die zweite implizite Annahme, die sie treffen, lautet: Niedrige Zinsen erzeugen Spekulationsblasen.

  • Drittens gehen die Autoren davon aus, dass Notenbanken das allgemeine Zinsniveau bestimmen, denn sie sind schließlich die Quelle allen Geldes.

Diese drei Annahmen sind alle notwendig, um ihre Hauptthese zu untermauern, dass nämlich Alan Greenspan und die Federal Reserve mit ihrer Geldpolitik die amerikanische Hypothekenblase verursacht haben - und das Mario Draghi jetzt gerade dabei ist, denselben Fehler in der Europäischen Zentralbank zu wiederholen.

Man darf aber nicht einfach Monetarismus mit harter Zinspolitik gleichsetzen. Schließlich entstand der Monetarismus als eine Kritik zu hoher Zinsen. Auch heute würde ein echter Monetarist Billigzinsen fordern und somit genau das Gegenteil dessen, was Sauga und Weidenfeld fordern. Die Autoren übersehen, dass das Geldmengenwachstum in den vergangenen Jahren extrem gering war. Wenn man fordert, dass sich Notenbanken gegen den Wind lehnen und die Zinsen erhöhen, braucht man ein anderes Denkmodell als das hydraulische.

Die Billigzinsen des vergangenen Jahrzehnts entstanden innerhalb eines Kreislaufs. Die Einnahmen aus den hohen Exportüberschüssen von China, Indien, und auch Deutschland führten zu einem enormen Geldstrom in die USA, Großbritannien und Spanien - und drückten dort die Zinsen. Die Chinesen investierten vor allem in US-Staatsanleihen, die Deutschen in die Ramschhypotheken mit Hilfe komplexer Finanzprodukte. Das wiederum hat die Marktzinsen in den USA gesenkt. Durch die Möglichkeit, eigene Immobilien zu refinanzieren, benutzten amerikanische Immobilienbesitzer ihre Häuser als eine Art Geldautomat. Jedes Mal wenn der Immobilienpreis stieg, haben sie eine neue Hypothek aufgenommen. Das Geld haben sie konsumiert, indem sie deutsche Autos oder in China hergestellte Computer kauften.

Die Notenbanken waren nicht der Auslöser der Finanzkrise

Die Notenbanken waren in diesem Prozess bloße Statisten. Früher sprach man von "Leitzinsen". Die Notenbanken setzten den Zins, und der Markt folgte. In Zeiten großer Ungleichgewichte dreht sich der Mechanismus um. Die Notenbanken hatten kaum Spielräume. Alan Greenspan hätte zwar auch meiner Meinung nach vor zehn Jahren die Zinsen nicht auf ein Prozent senken sollen. Aber als die Langfristzinsen erst einmal im Keller waren, konnte er nicht mehr viel ausrichten. Auch wenn er die Zinsen bei zwei Prozent belassen hätte, hätte das nicht den geringsten Einfluss auf die Hauspreisblase gehabt.

Greenspan trifft eine Schuld, aber sie liegt weniger in der Geldpolitik, als in der wilden Deregulierung im Finanzsektor. Sie war eine der Ursachen für die Blase bei den Ramsch-Hypotheken. Deren Zinsen waren gar nicht einmal so niedrig. Das Problem war, dass man arme und unerfahrene Käufer einem deregulierten Markt aussetzte. Es war eine Form der Sozialpolitik, man wollte arme Menschen durch Hauseigentum zu etwas Wohlstand bringen. Die Hauptursache der Krise war eine Immobilienpolitik, die unter Präsident Bill Clinton ihren Anfang nahm.

Die Liquiditätspolitik könnte die Krise verschärfen

Es ist richtig, dass das geringe Zinsniveau insgesamt dazu beiträgt, Spekulationsblasen zu verursachen. Nur löst man das Problem nicht, in dem die Zentralbanken einfach die Zinsen erhöhen. Man muss die Ungleichgewichte adressieren, die die Finanzströme auslösen. Und hier besteht meine Hauptkritik an Sauga und Weidenfeld: Man macht es sich einfach, wenn man mit dem Finger auf Greenspan oder jetzt auf Draghi zeigt.

Ich teile die Besorgnis der Autoren angesichts der Liquiditätsschwemme der EZB. Ich glaube nur nicht, dass sie inflationär wirkt oder eine neue Blase verursacht. Nach den Studien, die ich gesehen habe, müsste das Volumen dieser Aktion sich knapp verdreifachen, bevor es eine Inflationsgefahr gibt. Ich sehe das eigentliche Problem darin, dass diese Liquiditätspolitik ihr Ziel verfehlt und lediglich dazu führt, dass sich die Krise am Ende noch verschärft.

Draghi handelte so, weil er im Dezember keine Wahl hatte. Er durfte die Staatsanleihen nicht direkt kaufen und machte es daher indirekt über die Banken. Hätte er es nicht gemacht, wäre der Euro heute akut gefährdet. Schlimmer noch als das, was Draghi tat, war das, was ihn dazu trieb: nämlich die Tendenz der Politik, die Krise vor sich hinzuschieben. Diese Tendenz hält unverändert an. Man denke nur die politischen Verlautbarungen der vergangenen Tage, wonach der Höhepunkt der Krise überschritten sei. Die Krise wird bald zurückkehren, und dann wird man feststellen, dass die Notenbank ihre Munition weitgehend verschossen hat.

Somit bildeten sowohl in den USA als auch bei uns die Politiker und nicht die Notenbanken den eigentlichen Herd der wirtschaftlichen Instabilität.

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insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
wika 14.03.2012
1. Ersaufen werden wir dabei …
… jedenfalls wenn man die Mechanismen dieses Geldsystems kennt. Die Mehrung des Geldes funktioniert nach wie wie vor exponentiell, dem stehen am ende aber keine Güter gegenüber und das Geld sammelt sich nur in den Händen einiger weniger. Es befördert also ebenso rasant die Umverteilung von unten nach oben. Die eigentlichen Nutznießer sind die Betroffenen der „Guthabenkrise“, die ja bekanntlich dieselbe Dimension hat wie die Schuldenkrise. Zum vertieften Verständnis des sich auf der Seite ergebenden Leids soviel: Schuldenkrise eskaliert, jetzt auch noch *Guthabenkrise* (http://qpress.de/2011/12/05/schuldenkrise-eskaliert-jetzt-auch-noch-guthabenkrise/) Derzeit tun wir alles im Rahmen unserer Sozialstaatlichkeit, dass diese Minderheit an Banken und Bankeigentümern nicht durch das soziale Rost unseres schönen Kapitalismus fällt … nach den Worten unseres neuen Präsidenten: „Ich hab noch nichts besseres erlebt“. Sie sehen also, der Minderheitenschutz in Deutschland funktioniert und wenn dafür am Ende auch die Mehrheit draufgeht. Wir müssen es nur ernst meinen mit dem Minderheitenschutz … (°!°)
rundertischdgf 14.03.2012
2. 1 Billion der EZB ist nur eine Buchung
Zitat von sysopGeld, Geld, und noch mehr Geld: Mit nahezu grenzenloser Liquidität versucht Mario Draghi derzeit die Folgen der Schuldenkrise zu mindern. Zu leichtfertig, meinen manche. Doch in Wahrheit hat der Chef der Europäischen Zentralbank kaum eine Alternative. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,821272,00.html
Wir haben das schon an andere Stelle berichtet, der SPD Landesvorsitzende und MdB Pronold machte bei abgeordnetenwatch.de: Das virtuelle Wählergedächtnis (http://www.abgeordnetenwatch.de) die Aussage, die eine Billion Euro, die die EZB in den Geldmarkt pumpte, ist nur ein Buchungswert ohne realen Gegenwert. MdB Pronold, SPD, erklärt das Handeln der EZB « rundertischdgf (http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/03/06/mdb-pronold-spd-erklart-das-handeln-der-ezb/)
henkel-franklin 14.03.2012
3. Die Inflation kommt!
Zitat von sysopGeld, Geld, und noch mehr Geld: Mit nahezu grenzenloser Liquidität versucht Mario Draghi derzeit die Folgen der Schuldenkrise zu mindern. Zu leichtfertig, meinen manche. Doch in Wahrheit hat der Chef der Europäischen Zentralbank kaum eine Alternative. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,821272,00.html
Denn die Banken müssen in drei Jahren eine Billion 10Milliarden Euro zurückzahlen, und wärend dessen müssen Sie das Geld in den Markt werfen, um damit Profit zu machen, was ja jetzt mit dem Öl schon sehr deftig geschieht! spätestetens, wenn die Tanker und Speicher wieder zu teuer werden und der Ölpreis sinkt, müssen die Banken ja auch die Verluste durch diese Spekulationen wett machen, also das Geld muss noch mehr arbeiten! Und zu guter letzt müssen auch einige Banken am Zahltag Pleite gehen, denn alle können nicht gewinnen!
idealist100 14.03.2012
4. Diese 1 Billion
Zitat von sysopGeld, Geld, und noch mehr Geld: Mit nahezu grenzenloser Liquidität versucht Mario Draghi derzeit die Folgen der Schuldenkrise zu mindern. Zu leichtfertig, meinen manche. Doch in Wahrheit hat der Chef der Europäischen Zentralbank kaum eine Alternative. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,821272,00.html
Diese 1 Billion wird genauso verpuffen wie die 500 Mrd. in 2009 für die 1te. Bankenrettung. Jetzt 2011 500 Mrd. 2te. bankenrettung und nun 530 Mrd. 3.te Bankenrettung. Nur reichen die Gewinne von 1% Leihgebühr und 1,5% -5% Verleihgebühr nicht aus um den Schuldenberg bzw. Fehlspekulationen und Bad Banks wieder einzugliedern. Spätestens im 2.Quartal kommt die 4te Bankenrettung danach kommt die Staatenrettung ESM auf Kredit. Und irgendwann singen wir alle miteinander "Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld, wer hat soviel Pinke,Pinke, wer hat uns nur den EURO geschenkt".
Neapolitaner 14.03.2012
5. Das EuroSystem ist zu großen Teilen insolvent
---Zitat--- Die Krise wird bald zurückkehren, und dann wird man feststellen, dass die Notenbank ihre Munition weitgehend verschossen hat. Somit bildeten sowohl in den USA als auch bei uns die Politiker und nicht die Notenbanken den eigentlichen Herd der wirtschaftlichen Instabilität. ---Zitatende--- Und was dann? Wenn man feststellt, dass die EZB ihre Munition ( = ihren LTRO-Zauber) verschossen hat? Die südeuropäischen Banken, die sich mit Liquidität vollgetankt haben, werden durch LTRO aber nicht solvent. Sie müssen der EZB vielmehr für die bezogenen Gelder Sicherheiten hinterlegen, die ihr Geld nicht wert sind (toxic assets). Zur Zeit merkt man das noch nicht, da die Institute ihr von der EZB geliehenes Geld noch bei der EZB parken - sie bekommen 0,25% Zinsen und zahlen zugleich der EZB für dieses Geld 1%. Dieser Vorgang für sich genommen ist höchst merkwürdig. Er wird sich erst aufklären, wenn die EZB mit Schrott-Papieren befüllt wird. Irgendwann werden sich die "Toxic Assets" auch als Schrott erweisen und die EZB muss dies als negatives Eigenkapital bilanzieren. Das ist der EuroKrise dritter Teil. Nach der Logik des Euro-Systems müssste Schäuble dann einen Euro-Rettungs-Soli einführen (10% Zuschlag zu den Steuerarten) um eneute Geldmittel für "Stützungsmaßnahmen" bereitzustellen und insbesondere die EZB auszubailen. Ob er aber die benötigten Geldmittel überhaupt bereitstellen kann, ist fraglich aufgrund der Größenordnungen. Die Wiedervereinigung war "Peanuts" dagegen.
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