Wirtschaftsreform: Chinas Präsident prophezeit Ende des Mega-Wachstums

Chemiefabrik in Tianjin: Tage des rasanten Wachstums gezählt? Zur Großansicht
dpa

Chemiefabrik in Tianjin: Tage des rasanten Wachstums gezählt?

Xi Jinping verkündet den Wandel: Chinas neuer Präsident schwört die Bevölkerung auf niedrigere Wachstumsraten ein - und verspricht mehr Umweltschutz. Nach Ansicht vieler Ökonomen ist eine grundlegende Wirtschaftsreform nötig, damit die Volksrepublik stabil bleibt.

Hamburg - Chinas Wirtschaft sei grundsätzlich "in guter Form", sagt Xi Jinping. Der Aufwärtstrend könne noch "auf lange Zeit" weitergehen. Die Modernisierung der Produktion, die Urbanisierung der Bevölkerung - all das biete noch "riesigen Raum für Wachstum".

Es sind ermutigende Worte, die Chinas frisch gekürter neuer Präsident während des Boao-Forums, einer Asien-Konferenz in Südchina, wählte. Gleichzeitig aber schwor er die Bevölkerung auf grundlegende Reformen ein. "Ich glaube nicht, dass China ein ultraschnelles Wachstum beibehalten kann", sagte Xi laut "Wall Street Journal".

Um 7,8 Prozent hat das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr zugelegt. Aus europäischer Sicht ein hoher Wert, aus chinesischer der schwächste seit 13 Jahren. Chinas Wachstum ist zudem schon jetzt künstlich hoch: Fast die Hälfte der Wirtschaftsleistung geht derzeit auf Investitionen zurück.

Die neue Regierung will das Wachstumsmodell der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft modernisieren. Das Land, einst Werkbank der Welt, soll zusehends hochpreisige Markenprodukte erstellen. Der Binnenkonsum, der nur rund 35 Prozent zur Wirtschaftsleistung beiträgt, soll wachsen. Der Sozialstaat, der zwölf Prozent des Haushalts ausmacht, soll ausgebaut werden. Die Korruption, die die Partei bis in die Spitze zersetzt, will Xi eindämmen.

Mega-Reform statt Mega-Wachstum

Während des Boao-Forums versprach Xi zudem mehr Umweltschutz. Seit die Luftverschmutzung in der Hauptstadt Mitte Januar ihren Höchststand erreicht hat, tobt in Chinas Blogs eine Debatte über Umweltverschmutzung und ihre gesundheitsschädlichen Folgen. Der Protest in der Bevölkerung wird größer, zudem werden die ökologischen Probleme immer mehr zum Wirtschaftsfaktor.

Laut Berechnungen der Weltbank machen die Kosten, die durch Umweltverschmutzung entstehen, inzwischen 5,8 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aus, wobei allein die Luftverschmutzung mit 3,8 Prozent zu Buche schlägt. In den Kosten sind unter anderem der Anstieg der Kosten für medizinische Versorgung, Autounfälle, die Stornierung von Flügen und Materialschäden enthalten.

Chinas Regierung hat versprochen, all diese Probleme anzugehen. Die gewaltigen Wachstumsraten des vergangenen Jahrzehnts sind vor diesem Hintergrund nicht mehr realistisch. Viel wichtiger noch ist indes die Frage, ob die große Wirtschaftsreform gelingen kann. Denn durch sie wird sich nicht nur die Gesellschaft fundamental ändern, auch Chinas Regierung wird Kontrolle - und damit Macht - abgeben müssen.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Xi Jinping
RudiLeuchtenbrink 09.04.2013
Zitat von sysopXi Jinping verkündet den Wandel: Chinas neuer Präsident schwört die Bevölkerung auf niedrigere Wachstumsraten ein - und verspricht mehr Umweltschutz. Nach Ansicht vieler Ökonomen ist eine grundlegende Wirtschaftsreform nötig, damit die Volksrepublik stabil bleibt. Xi Jinping: Chinas Wirtschaft dürfte langsamer wachsen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/xi-jinping-chinas-wirtschafts-duerfte-langsamer-wachsen-a-893249.html)
Die Chinesen haben zur rechten Zeit eine neue unverbrauchte politische Führung in Stellung gebracht. Schaffen sie es den Binnenmarkt zu entwickeln, machen sie sich unabhängig von den Krisen des Westens. Umweltschutz ist ein Fachbereich der vielen Menschen Arbeit gibt und die Gesundheit eines Volkes mehrt.
2. Überraschung
suaheli4711 09.04.2013
Zitat von sysopXi Jinping verkündet den Wandel: Chinas neuer Präsident schwört die Bevölkerung auf niedrigere Wachstumsraten ein - und verspricht mehr Umweltschutz. Nach Ansicht vieler Ökonomen ist eine grundlegende Wirtschaftsreform nötig, damit die Volksrepublik stabil bleibt. Xi Jinping: Chinas Wirtschaft dürfte langsamer wachsen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/xi-jinping-chinas-wirtschafts-duerfte-langsamer-wachsen-a-893249.html)
es ist wirklich amüsant wie auf der einen seite Panikmache betrieben wird - China überrollt alles...niedergang der demokratie...blablabla Und siehe da - auch in China kocht man nur mit Wasser! Seltsamerweise beobachtet man immer wieder einen Zusammenhang zwischen Wohlstand und Bildung und einhergehend erhöhten Nebenkosten für Umweltschutz/sichere Arbeitsplätze usw. Wenn das Reisschälchen voll ist kommt eben die nächste Stufe der Bedürfnispyramide...ist so - bleibt so- gut so!
3. Kluger Mann,
ronald1952 09.04.2013
Zitat von sysopXi Jinping verkündet den Wandel: Chinas neuer Präsident schwört die Bevölkerung auf niedrigere Wachstumsraten ein - und verspricht mehr Umweltschutz. Nach Ansicht vieler Ökonomen ist eine grundlegende Wirtschaftsreform nötig, damit die Volksrepublik stabil bleibt. Xi Jinping: Chinas Wirtschaft dürfte langsamer wachsen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/xi-jinping-chinas-wirtschafts-duerfte-langsamer-wachsen-a-893249.html)
wo er Recht hat, da hat er Recht. Irgendwann ist einfach Schluß mit dem Grenzenlosen Wachstum der Industrie und des Binnenmarktes. Im Besonderen scheint da gerade hier in Europa niemand so richtig Verstehen zu wollen oder können. Wenn die Leute alles haben, dann haben sie eben alles. Wozu immer und immer alles Neu kaufen? Es wird auch hier in Deutschland kein großartiges Wachstum mehr geben, wie unsere Regierung immer wieder Beschwört. Ganz zu Schweigen von der Senkung der Arbeitslosenzahlen. Auch das geplärre wegen der Mangelnden Fachkräfte ist reines Getue, denn wir haben genug gut Ausgebildetet Fachkräfte. Nur sollte jedem klar sein, eine Fachkraft Arbeitet auch nicht gerne für einen Hungerlohn.wie das die Industrie gerne hätte. Zitat Robert Bosch: „Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld weil ich gute Löhne zahle.“ Aber solange nur noch Hungerlöhne für Fachkräfte gezahlt werden, haben wir Fachkäftemangel, denn die Fachkräfte die Arbeitslos sind, werden besonderst ab 40 Jahren und höheren Alters garnicht erst Eingestellt, sie sind diesen Beutelschneidern einfach zu Teuer.Aber nur die langjährige Erfahrung im Beruf macht die Fachkraft, neben einer gut Fundierten Ausbildung. Also braucht es billiges Fachpersonal aus dem Ausland. Die Frage die bleibt, sind das wirklich Fachleute? schönen Tag noch,
4. Alles hat einmal ein Ende, nur die Wurst....
seneca55 09.04.2013
Die VRChina begrenzt in Zukunft ihr exorbitantes Wachstum als "Die Fabrik der Welt", um sich und ihr Volk Chinas nicht weiter so schnell zu vergiften wie bisher, vernünftig. Die VRChina wird so mit relativer Verspätung erst die USA als 1. Wirtschafts-Weltmacht vom Thron stoßen, aber das ist für alle Staaten einschließlich der Chinesen gesünder. Der Tourismus in der EU wird in den nächsten Jahren von Chinesen überschwemmt werden; denn angeblich wollen 94 Millionen reisefähige Chinesen nach Europa reisen, um hier vor allem Luxusartikel zu kaufen und u.a. das Karl-Marx-Museum in Trier besuchen, lt. "Handelsblatt-online" von gestern.
5.
regensommer 09.04.2013
China ist unregierbar. Die lokalen Fürsten regieren nach eigenem Gutdünken und sind vergleichbar mit der Mafia, nur schlimmer.
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