Handelsstreit China droht USA offenbar mit Vergeltung

Ab 6. Juli wollen die USA Zölle auf chinesische Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar erheben. Der chinesische Präsident Xi soll laut "Wall Street Journal" vor Managern eine harte Reaktion angekündigt haben.

Xi Jinping
AFP

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Die Ankündigung von US-Zöllen auf chinesische Produkte sorgt für Ärger: Im Handelsstreit zwischen den USA und China scheinen sich die Fronten weiter zu verhärten. Staatspräsident Xi Jinping soll Angaben des "Wall Street Journal" ("WSJ") zufolge nun vor einer Gruppe von 20 Chefs multinationaler Konzerne gegen die Pläne gewettert haben.

"Im Westen gibt es die Neigung, die rechte Backe hinzuhalten, wenn jemand auf die linke geschlagen hat. In unserer Kultur schlagen wir zurück", zitiert die Zeitung Xi. Das "WSJ" beruft sich auf Personen, die über die Inhalte des Treffens informiert wurden. Eine Bestätigung für diese Aussagen gibt es nicht.

Eine Einigung im Zollstreit bis zum 6. Juli scheint demnach aber immer unwahrscheinlicher. An diesem Tag wollen die USA Zölle auf chinesische Waren im Wert von 34 Milliarden Dollar einführen. Weitere Abgaben sollen folgen. Insgesamt will Trump chinesische Waren mit einem Wert von 50 Milliarden Dollar mit Zöllen belegen.

China plant im Gegenzug Zölle auf US-Waren. In vorherigen Treffen hatte das Land aber versucht, mit gemäßigten Aussagen und diplomatischen Maßnahmen auf Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump einzugehen.

Bereits am Montag hatte ein anderer Bericht des "WSJ" über den Handelsstreit für Unruhe bei Anlegern gesorgt. Er nannte mögliche Beschränkungen für Investitionen an US-Technologieunternehmen durch chinesische Konzerne. In den USA sackte daraufhin am Montag der Dow Jones um bis zu zwei Prozent ab.

Der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro, wies diesen und einen weiteren Bericht am Montagabend im Fernsehsender CNBC aber zurück: Es gebe keine Pläne, Investitionen von Unternehmen aus speziellen Staaten zu beschränken. Es gehe vielmehr darum, US-Technologie zu verteidigen, wenn sie bedroht werde.

Die US-amerikanische Regierung will am Freitag Pläne vorstellen, wie sie geistiges Eigentum von US-Konzernen besser schützen will. Die Untersuchungen, auf denen die Pläne beruhen, beziehen sich laut Navarro vor allem auf China.

China wiederum könnte bei Investitionsbeschränkungen unter anderem versuchen, Übernahmen von US-Konzernen zu blockieren. Zudem könnte China die Vergabe von Lizenzen verzögern oder die Anzahl der Inspektionen hochfahren, sodass US-Konzernen wie Apple der Zugang zu dem Markt mit einer Milliarde Verbrauchern erschwert wird. Die chinesische Regierung könnte zudem an die Konsumenten appellieren, nicht zu US-Produkten zu greifen.

apr/dpa



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muellerthomas 26.06.2018
1.
""Im Westen gibt es die Neigung, die rechte Backe hinzuhalten, wenn jemand auf die linke geschlagen hat. In unserer Kultur schlagen wir zurück"" Damit macht er schön klar, dass der im Westen allgemein udn besonders hier im Forum gepflegte Mythos von der aisatischen Zurückhaltung und der Konsensgeselslcahft quatsch ist.
bigroyaleddi 26.06.2018
2. Wundert das hier noch jemanden?
Das hat der Donald doch so gewollt. Nach der Pleite mit Harley jetzt auch noch das .... Sorry, aber ich kann mich unschönerweise nicht einer gewissen Schadenfreudigkeit enthalten. Jetzt bekommt er endlich die Antwort auf das, was er anrichtet. Und ich vermute mal, das China im zurückschlagen wesentlich effektiver als die EU ist. Und offensichtlich stehen die Chinesen auch direkt und sofort zu ihrem Tun. Vergessen wir mal, was auch sonst noch dahinter steht. Denn China agiert wie früher Preussen unter Friedrich II. Da ist im größeren Stil das in Preussen gemacht worden, was wir heute Industriespionage nennen würden.
jufo 26.06.2018
3. Die KI die für Trump twittert
Die KI, die für Trump twittert, ist nicht besonders hoch entwickelt. Ich denke, dass China hier schon weiter ist.
peteftw 26.06.2018
4. Binnenmarkt
Am Ende ist es eine recht einfache Rechnung. Schon alleine aufgrund der schieren Größe des chinesischen Binnenmarktes werden Exporthindernisse für China leichter abzudämpfen sein. Noch dazu will jedes Unternehmen dieser Welt gerne an diesem riesen Markt, der durch den wirtschaftlichen Aufschwung auch immer mehr Menschen in höhere Kaufkraftschichten bringt, teilhaben. Diesen Wirtschaftskrieg kann Trump nur verlieren..
ilja.albrecht 26.06.2018
5. Richtig so
Natürlich ist ein Handelskrieg schlecht, kieiner will ihn, müsste doch alles anders gehen, wird wirtschaftlich sehr wehtun, blablabla. Der entscheidende Satz steht ganz am Anfang: Nicht die andere Backe hinhalten, sondern zurückschlagen. Seit Amtsantritt bemüht sich die Welt via Diplomatie, das geistig schlicht und ergreifend zurückgebliebene und hyperventilierende Geschrei des Donald Trump zu verstehen, zu respektieren und zu beantworten und damit muß es irgendwann vorbei sein. Der Mann versteht nichts weil er es psyschisch nicht kann, weil sein Beratungsumfeld keine gemäßigt denkende und vermittelnde Intelligenz mehr beinhaltet und weil die USA per se kein Parttner mehr, sondern ein Gegner sind. Vielleicht ist das der wirkliche große Vorteil des Trump-Debakels, eine finale reinwaschende Katharsis, mit der sich Europa emanzipieren und wirtschaftlich Russland und China stärker zuwenden kann. Das sind auf keinen Fall Heilsbringer, der widerwärttige egoistische Wirtschaftsimperialismus der USA aber, schon seit Jahrzehnten so durchgezogen und mit Donald Trump einfach nur mit einem unverstellten Gesicht versehen, muss ein Ende haben. Mit Schrecken, von mir aus, aber diese Hörigkeit gegenüber Washngton muss aufhören.
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