Erdöl aus Ecuador: Mögliches Ende einer Klimaschutz-Utopie

Von Tobias Käufer, Bogota

Es war ein Experiment für eine neue Form der globalen Zusammenarbeit: Ecuador wollte darauf verzichten, in einem Teil seines Regenwalds Erdöl zu fördern - und sich dafür von der Weltgemeinschaft entschädigen lassen. Jetzt könnte der Versuch vor dem Scheitern stehen. Es fanden sich bislang nicht genug Geldgeber.

Ecuador: Kampf ums Naturparadies Fotos
DPA

Die neue Begeisterung für das Erdöl kommt via Fernseher und Radio in die ecuadorianischen Wohnzimmer: "Erdöl schenkt Amazonien Leben" schwört eine Kampagne der Regierung die Menschen in dem südamerikanischen Land auf den bevorstehenden Kurswechsel ein. Präsident Rafael Correa will insgesamt 21 neue Förderlizenzen im ecuadorianischen Amazonas-Regenwald an die Erdölindustrie zu vergeben. Für die ersten Gebiete wurden die Lizenzen schon Ende November unterzeichnet. Betroffen sind auch Teile des Naturschutzparks Yasuni, dem Namensgeber der von Ecuador ins Leben gerufenen Initiative "Yasuni-ITT" zum Schutz des Regenwalds.

Damit steht ein Idee vor dem Scheitern, die Präsident Correa in den letzten Jahren positive Schlagzeilen rund um den Erdball bescherte und ihn zum Liebling grüner Parteien weltweit machte. Die Idee lautete: Ecuador schützt den Regenwald - und die Welt bezahlt dafür.

Ecuador wollte die unter der Erde des artenreichen Regenwalds vermuteten Erdölreserven nicht antasten, wenn die Weltgemeinschaft im Gegenzug in einen Fonds einzahle. 3,5 Milliarden Euro will Ecuador in diesem Topf sehen, das ist etwa die Hälfte dessen was das Land durch den Verkauf des unter dem so genannten ITT-Areal liegenden Öls erlösen könnte. Doch der Rest der Welt hat kein Geld für Ecuadors Pläne übrig - und nun rücken die Bagger und Bohrer an. Mehrere Erdölgesellschaften halten ohnehin schon Förderlizenzen im Park. Die drei Bohrstellen Ishpingo, Tambococha, Tibutini (ITT) sind nun die letzten noch unerschlossenen Lücken im Nationalpark Yasuni.

"Seit Yasuni-ITT im Gespräch ist, bereitete die Regierung parallel dazu die Ölförderung in den südlich angrenzenden Waldgebieten vor, in einer Region, die 16-mal größer ist als das ITT-Stück. Dort leben sieben indigene Völker, die um ihre Zukunft bangen", sagt Mascha Kauka von der Umweltschutzorganisation "Amazonica" im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die Münchnerin, die mehrere Monate im Jahr im ecuadorianischen Regenwald lebt, war bereits seit Beginn der Initiative skeptisch, dass Correas weltweit beachtete Idee einen nachhaltigen Fortschritt bringen würde. Jetzt sieht es aus, als sollte sie recht behalten.

Ein Eindruck, dem der ecuadorianische Botschafter in Berlin, Jorge Jurado, entschieden widerspricht. Das Projekt sei lediglich einer planmäßigen Evaluierung unterzogen worden, "Die bedeutet jedoch keineswegs, dass die Initiative eingestellt würde".

Der linksgerichtete Correa hatte stets mit offenen Karten gespielt: Sollten aus der internationalen Staatengemeinschaft für die Yasuni-ITT-Initiative nicht genügend Geld zusammenkommen, dann würde Ecuador irgendwann mit den Bohrungen beginnen.

Das Scheitern des Projekts ist nur eine Frage der Zeit

Die Bundestagsabgeordnete Ute Koczy (Die Grünen) gilt als eine der energischsten Verfechterinnen des Yasuni-Projekts in Deutschland. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE schließt Koczy ein Scheitern des Präzedenzfalls Yasuni nicht mehr aus: "Die eigentliche Frage ist doch, ob die ITT-Initiative noch eine Zukunft hat."

Die Weltgemeinschaft hat außer Absichtserklärungen bislang keine festen Zusagen über die Milliardensummen gemacht, die Ecuador verlangt, um zumindest den ITT-Block zu schützen. Deutschland, so Koczy, sei der einzige Staat, der wirklich konkret und konzeptionell für die Biosphäre Yasuni Geld gebe: "Das ist ein Fortschritt - doch der komplette Schutz des Nationalparks ist damit noch lange nicht Realität." Auch Deutschland hat allerdings nicht in den Fonds eingezahlt, sondern stattdessen 25 Millionen Euro zusätzliche Entwicklungshilfe bereitgestellt, um die Artenvielfalt in Yasuni und die dort lebenden indigenen Völker zu schützen.

Man könnte es auch weniger diplomatisch ausdrücken: Falls nicht weitere Zusagen eingehen, ist das Scheitern des weltweit beachteten Yasuni-ITT-Projekts nur noch eine Frage der Zeit. In Zukunft könnten vor allem chinesische Gesellschaften die begehrten Bohrlizenzen beanspruchen, denn China hat Ecuador großzügige Kredite gewährt und soll als Gegenleistung 52 Prozent des ecuadorianischen Erdöls erhalten.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Na dann
na!!! 17.12.2012
her mit dem Öl . sollen die Arabischen Länder sitzen bleiben auf ihrem Öl . Asien , Südamerika , Afrika , Sibirien , Mittelamerika , Australien , kanada , USA . Alle können Öl liefern . und wenn die Arabischen Länder ihr Öl nicht mehr los bekommen fallen die Preise für ihr schwarzes Gold , dann kaufen wir vielleicht ;-) wieder und die begreifen endlich das sie ohne den Westen nicht existieren können .
2. Wir
gulo-gulo 17.12.2012
die Homo Sapiens des 21. Jahrhuderts werden alles fördern und ausbeuten was geht, alle Rressourcen vernichten um uns dann im 22. Jahrhundert um die Reste zu streiten und uns zu Homo Sapiens des 20. Jahrtausends vor Chr. zurückzubomben. Wetten?
3. Bitte nicht
Otoshi 17.12.2012
890 Millionen Barrel? Das deckt den Weltverbruch fuer gerade mal 10 Tage. Dafuer sollte man dieses Stueck Paradies nicht zerstoeren.
4. Das ist ein Sieg für die menschheit!
nitram1 17.12.2012
Die ökoreligiösen Menschenverachter haben gelogen und sind auf dem Rückzug
5. Ecuador soll selber entscheiden.
veremont 17.12.2012
Darf man einem Land verbieten seine eigenen Bodenschätze zu plündern? Die "Weltengemeinschaft" (scheinbar ohne China und Ecuador) wollen Geld zahlen, da mit kein Öl abgebaut wird. Wie lange hält denn das vor? Besteht nicht die Gefahr, dass hier kassiert wird und irgendwann das Öl trotzdem abgebaut wird? Sollte man nicht die Regierung von Ecuador davon überzeugen dort kein Öl abzubauen und China ermahnen dieses Thema nicht weiter zu befeuern? Aber wenn die Regierung überhaupt kein Interesse an Umweltschutz hat und das Geld der "Weltengemeinschaft" nur aus Profitgründen gerne akzeptiert - aber keinen Cent weniger... dann sollen sie das Öl verdammt nochmal abbauen. Warum darf Kanada riesen Sauereien in seinem Wald veranstalten und Gewässer im gigantischen Ausmaß mit Chemikalien verschmutzen und Ecuador nicht? Wir hier in Deutschland haben den charmanten Vorteil, dass wir bereits alles zerstört haben was natürlich ist, unsere Fließgewässer, unsere Moorlandschaften unsere Wälder. Hier lebt es sich zum Glück völlig ungeniert aber ich sehe es kritisch jetzt von hier aus auf andere Länder mit dem Finger zu zeigen. Entweder in Ecuador entsteht auf Grund von Beratung ein Umweltbewusstsein - oder es entsteht eben keines und wenn keines da ist dann sollte man die Scheine in der Geldbörse lassen. ich zahle einem Kind ja auch nicht 20 € wenn es die Teekanne NICHT runter schmeißt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Ecuador
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 59 Kommentare

Bevölkerung: 14,865 Mio.

Fläche: 272.045 km²

Hauptstadt: Quito

Staats- u. Regierungschef: Rafael Correa

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Ecuador-Reiseseite