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Nationalpark im Amazonasgebiet: Ecuador erteilt Ölbohr-Lizenz für Weltnaturerbe

Yasuní-Nationalpark: Lizenz für 17 Hektar Zur Großansicht
DPA

Yasuní-Nationalpark: Lizenz für 17 Hektar

Im artenreichen Yasuní-Nationalpark wird von 2016 an Erdöl gefördert. Die Regierung Ecuadors hat einem Staatskonzern die Lizenz für Bohrungen erteilt. Zuvor war die Idee gescheitert, das Gebiet gegen Geld aus Industrienationen zu schützen.

Quito - Ecuador hat seinem Staatskonzern Petroamazonas EP die Erlaubnis gegeben, im Nationalpark Yasuní Erdöl zu fördern. Die Ölförderung solle nach umfassenden Umweltschutzmaßnahmen Anfang 2016 beginnen, teilte die Umweltministerin Lorena Tapia der Zeitung "El Telégrafo" zufolge am Donnerstag mit. Das Dschungelgebiet im Osten des Landes war 1989 von der Unesco zum Weltnaturerbe ernannt worden.

Bereits im Oktober 2013 hatte das Parlament den Naturpark für eine begrenzte Erdölförderung auf 0,1 Prozent der knapp zehntausend Quadratkilometer Schutzgebiet freigegeben. Zuvor war eine Initiative aus dem Jahr 2007 gescheitert, das Gebiet im Gegenzug für Ausgleichszahlungen zu schützen.

Ecuadors Staatschef Rafael Correa wollte auf das Erdöl verzichten, wenn die Industriestaaten im Gegenzug einen solidarischen Ausgleichsbetrag in einen Fonds einzahlten. Dadurch wäre der Ausstoß von 400 Millionen Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids verhindert worden. Der erwartete Betrag von 3,6 Milliarden Dollar kam jedoch bei Weitem nicht zusammen. Nur 336 Millionen Dollar wurden Correa zufolge zugesagt, vorwiegend von europäischen Staaten und Naturschutzorganisationen. Tatsächlich eingezahlt worden seien sogar nur 13,3 Millionen Dollar.

Heimat für zahlreiche bedrohte Arten

Die nun erteilte Lizenz gilt für die 17 Hektar der Ölfelder Tiputini und Tambococha, in denen Ölreserven von 460,6 Millionen Barrel vermutet werden. Ein Barrel entspricht rund 159 Litern. Tiputini befindet sich am Rand außerhalb des Naturparks, während Tambococha direkt in dem geschützten Gebiet liegt. Der Großteil der Infrastruktur zur Erdölförderung soll in Tiputini angelegt werden. Falls die bisher ohne Kontakt zur Außenwelt lebenden Völker der Tagaeri und Taromenane in den Ölfeldern gesichtet werden, soll die Förderung eingestellt werden.

Der Gewinn aus den Ölfeldern wird auf 18,3 Milliarden Dollar geschätzt, von denen 1,6 Milliarden an die autonomen Regionalregierungen im Amazonasgebiet gehen sollen. Ein drittes Ölfeld, Ishpingo, mit nachgewiesenen Reserven von 456,1 Millionen Barrel, wurde vorerst nicht an Petroamazonas übergeben. Es liegt im für unantastbar erklärten Gebiet des Yasuní-Parks.

Der Yasuní-Nationalpark ist Heimat für 173 Säugetierarten, ein Drittel aller im Amazonasgebiet vorkommenden Arten dieser Tierkategorie. Allein 28 bedrohte Wirbeltierarten von der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN leben dort neben 567 Vogelarten und 188 Arten Amphibien und Reptilien.

fdi/dpa

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insgesamt 51 Beiträge
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1. Sehr gut
Thomas C. 23.05.2014
Wir müssen noch viel, viel mehr Öl verbrennen! Wir dürfen uns in dieser Frage nicht auseinanderdividieren lassen. Ölförderung ist alternativlos!
2. Was kümmern mich die Probleme von morgen...
trophic 23.05.2014
Was zählt schon der Planet auf dem wir leben, wenn man stattdessen Geld haben kann? Naja, mutmaßlich wird irgendwann der Punkt erreicht sein, an dem es nichts mehr Wert ist. Und DANN geht das Jammern los...Bedauerlich diese Kurzsichtigkeit!
3. das ist
markmach 23.05.2014
die traurigste Nachricht heute...
4. Eine Schande
weiseruhu 23.05.2014
Zitat von sysopDPAIm artenreichen Yasuní-Nationalpark wird von 2016 an Erdöl gefördert. Die Regierung Ecuadors hat einem Staatskonzern die Lizenz für Bohrungen erteilt. Zuvor war die Idee gescheitert, das Gebiet gegen Geld aus Industrienationen zu schützen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/yasuni-nationalpark-in-ecuador-erdoel-foerderung-ist-nun-erlaubt-a-971217.html
13,6 Milliarden - Peaunuts, angesichts der Gelder, die in Rettungsschirme fuer Banken gepumpt wurden. Aber an Rettungsschirme fuer bedrohte Umwelt denkt natuerlich niemand, kann man ja auch nichts mit verdienen. „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann" - Prophezeiung der Cree
5. Super!
hobbyleser 23.05.2014
Ich hoffe mal, dass das eine Win-Win-Situation sowohl für den Öl- als auch die Teakholzmarkt wird. Ausserdem lässt sich vielleicht durch die freugewordene Fläche auch das akute Parkplatzproblem in Ecuador endlich lösen.
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Fotostrecke
Ecuador: Kampf ums Naturparadies

Bevölkerung: 14,865 Mio.

Fläche: 272.045 km²

Hauptstadt: Quito

Staats- u. Regierungschef: Rafael Correa

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