Zahl der deutschen Auswanderer sinkt Einmal Zürich und zurück

Viele gehen ins Ausland, doch immer mehr Deutsche kehren auch wieder zurück. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts, wie die "Welt am Sonntag" berichtet. Die Europakrise und die gute Lage auf dem hiesigen Arbeitsmarkt machen Schweiz und Co. offenbar unattraktiv.

Bankenviertel in Zürich: Auswandern verliert für Deutsche an Reiz
REUTERS

Bankenviertel in Zürich: Auswandern verliert für Deutsche an Reiz


Wiesbaden - Abenteuerlust, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Geld: Deutsche lockt es aus verschiedenen Gründen ins Ausland. Beliebt sind Länder wie USA, Österreich oder Schweiz. Doch was einst verlockend klang, scheint für viele an Reiz verloren zu haben: Immer mehr deutsche Auswanderer kehren zurück, während immer weniger das Land verlassen, berichtet die "Welt am Sonntag".

Die Zeitung beruft sich auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden für den Zeitraum Januar bis Mai 2013. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank demnach die Differenz zwischen Rückkehrern und Auswanderern von minus 7692 auf minus 7590. Im Jahr 2008 verließen noch 67.000 mehr Deutsche das Land, als zurückkehrten - bis 2012 schrumpfte das Minus auf 18.000.

Den Grund dafür sehen Experten in der guten wirtschaftlichen Entwicklung, schreibt die Zeitung: Die deutsche Wirtschaft ist gewachsen, und es fehlen zunehmend Fachkräfte - der demografische Wandel ist auf dem Arbeitsmarkt angekommen. "Es hat eine Trendwende stattgefunden bei der Zu- und Abwanderung von Deutschen", sagte Thomas Liebig, Migrationsexperte bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Gute Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt

Auch die Zentrale Auslandsvermittlung (ZAV), eine Behörde der Bundesagentur für Arbeit (BA), spürt die Veränderung. Vor drei Jahren beschäftigten sich die Mitarbeiter der ZAV noch zu 80 Prozent damit, Deutsche ins Ausland zu vermitteln. Nun sei es umgekehrt: "Nach 2010 hat sich unser Geschäft komplett verändert", sagte Monika Varnhagen, Direktorin der Behörde, der Zeitung.

2010 vermittelte die ZAV noch über 10.000 Deutsche ins Ausland, 2012 waren es nur noch 5700, und 2013 waren es bisher nur 2000. "Die Krise in Europa und die gleichzeitig gute Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben dazu geführt, dass die Zahl der Deutschen, die wir ins Ausland vermittelt haben, geschrumpft ist", sagte Varnhagen.

Laut den Daten des Statistischen Bundesamtes zogen 2012, die meisten Auswanderer, nämlich 20.862 Deutsche in die Schweiz. Auf Platz zwei der beliebten Ziele lagen die USA mit 12.803 Auswanderern, gefolgt von Österreich (11.022), Großbritannien (7802) und Türkei (5459). Im selben Jahr kehrten aus der Schweiz 11.1140 Menschen nach Deutschland zurück. 10.116 waren es aus den USA, 6915 aus Österreich, 6432 aus Großbritannien und 3227 aus der Türkei. Aus Spanien und Polen kamen dagegen mehr Deutsche zurück (7773 und 7958 Rückkehrer) als Deutsche in die Länder auswanderten (5997 und 6180 Auswanderer).

cib/dpa

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Schacht Holland 29.09.2013
1. Gründe?
Zitat von sysopREUTERSViele gehen ins Ausland, doch immer mehr Deutsche kehren auch wieder zurück. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts, wie die "Welt am Sonntag" berichtet. Die Europakrise und die gute Lage auf dem hiesigen Arbeitsmarkt machen Schweiz und co. offenbar unattraktiv. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zahl-der-auswanderer-sinkt-immer-mehr-deutsche-kehren-zurueck-a-925134.html
Klingt gut. Aber ich hoffe, die sind nicht zurückgekommen, weil sie völlig abgebrannt, pleite und hilfsbedürftig sind. Man durfte sich ja in den letzten Jahren häufig im Fernsehen anschauen, mit welchen "tollen" Ideen Deutsche auswanderten und sich schließlich wunderten, daß ihre mobile Currywurst-Braterei am "Ballermann" nicht sonderlich gut ankam.
erber 29.09.2013
2. Arbeitsmarkt Schweiz
Interessant wäre mal eine ganz konkrete Gegenüberstellung der Attraktivität von Arbeitsmärkten. Z.b. Schweiz/Deutschland bez. Einkommen, Steuern, Soziales, Arbeitszeit etc.
McMacaber 29.09.2013
3.
..mir fehlt die unterteilung nach qualifikation, berufsgruppe, etc. Im bereich der akademiker, speziell mathematik & informatik, erlebe ich die kehrtwende im freundeskreis nicht. einige von meinen kommilitonen hat es nach dem studium in die schweiz verschlagen, mich nach berlin. von deren lebensstandard kann ich hier nur träumen - mit jeweils nun über 10 jahren berufserfahrung :-(.
Ingmar E. 29.09.2013
4.
Offensichtlich wurden die Arzthonorare doch ein Tick zu stark erhöht :D.
LK1 29.09.2013
5.
Zitat von sysopREUTERSViele gehen ins Ausland, doch immer mehr Deutsche kehren auch wieder zurück. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts, wie die "Welt am Sonntag" berichtet. Die Europakrise und die gute Lage auf dem hiesigen Arbeitsmarkt machen Schweiz und co. offenbar unattraktiv. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zahl-der-auswanderer-sinkt-immer-mehr-deutsche-kehren-zurueck-a-925134.html
Ich ärgere mich häufig, vor 10 Jahren nicht ins Ausland umgezogen zu sein. Rückblickend hätte man so viel Geld sparen und heute ganz anders dastehen können. Daher würde ich jedem Entrepreneur (sowie Akademikern und Facharbeitern) raten, sich ausserhalb der Landesgrenzen einmal umzusehen. Gerade für jene, die keinen überbordenden Sozialstaat brauchen, um einen Schritt vor den anderen zu setzen, werden ausserhalb Deutschlands auf günstigere Gesellschaftsformen stossen.
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