Arbeitsmarkt Immer mehr Deutsche brauchen einen Zweitjob

Der Anteil der Beschäftigten mit Minijob hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Dabei sind es laut Arbeitsagentur nicht nur Schlechtbezahlte, die sich etwas dazuverdienen. Zugenommen hat die Zahl vor allem in reichen Ländern wie Baden-Württemberg.

Mitarbeiter bei Fast-Food-Kette: Jeder elfte Arbeitnehmer jobbt nebenbei
DPA

Mitarbeiter bei Fast-Food-Kette: Jeder elfte Arbeitnehmer jobbt nebenbei


Hamburg - Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland haben zwei Jobs. Im März 2012 gingen 8,8 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einem Nebenjob mit geringfügiger Entlohnung nach. Das geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Demnach verdienen sich rund 2,5 Millionen Arbeitnehmer etwas zu ihrer Hauptbeschäftigung dazu. Im Juni 2003 waren es laut Statistik mit rund 1,2 Millionen Beschäftigten nur halb so viele. Das entsprach einem Anteil von 4,3 Prozent.

In den beiden Krisenjahren seit 2010 ist die Zahl der Zuverdiener deutlich gestiegen - um 135.000. Dabei sind es in der Mehrheit Frauen, die noch einen zweiten Job auf 400-Euro-Basis angenommen haben. Ende 2011 waren es rund 1,5 Millionen. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, sagte der "Saarbrücker Zeitung", die Entwicklung sei "ein deutlicher Hinweis darauf, dass Arbeit nicht mehr existenzsichernd ist und das Geld aus einem Job nicht mehr ausreicht".

Gegen diese These spricht jedoch, dass vor allem Beschäftigte in reichen Teilen Deutschlands nebenbei jobben. In Baden-Württemberg lag ihr Anteil Ende 2011 bei 11,4 Prozent, im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern dagegen nur bei 4,7 Prozent.

"Der größere Teil der Beschäftigten mit Zweitjobs sind durchaus qualifizierte Leute mit gutem Einkommen, die sich noch etwas dazu verdienen", sagte die Arbeitsmarktexpertin der Grünen, Brigitte Pothmer, der "Saarbrücker Zeitung". Sie betonte jedoch ein anderes Problem der Entwicklung: Menschen, die in ihrem Betrieb Überstunden machten, müssten dafür alle Lohnnebenkosten einschließlich Steuern zahlen. Wer dagegen noch einen Minijob habe, brauche das nicht, so Pothmer. Das sei "extrem unfair gegenüber der Versichertengemeinschaft".

Ihre Forderung: Minijobs müssten unattraktiver gemacht werden. Etwa durch eine Sozialversicherungspflicht ab dem ersten Euro, sagte Pothmer der Zeitung. Die Bundesregierung plant aber genau das Gegenteil. Sie will die Minijobs noch ausbauen und die beitrags- und steuerfreie Verdienstgrenze auf 450 Euro anheben.

cte/AFP

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Dosenpirat 05.10.2012
1. Die Alternative zum Zweitshop ein politisches Amt?
Beinahe unmöglich, erstmal moralisch die Korruption zu fördern und 2. die Parteien lassen keinen mehr rein....
idealist100 05.10.2012
2. Ja, ja
Zitat von sysopDPADer Anteil der Beschäftigten mit Minijob hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Dabei sind es laut Arbeitsagentur nicht nur Schlechtbezahlte, die sich etwas dazuverdienen. Zugenommen hat die Zahl vor allem in reichen Ländern wie Baden-Württemberg. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zahl-der-beschaeftigten-mit-zweitjob-mehr-als-verdoppelt-a-859678.html
unser Kanzlerkandidat braucht ja auch einen Zweitjob, also warum nicht alle in einen "schlecht" bezahlten Erstjob und mit dem Zweit- und Drittjob die Millionen kassieren.
Tomo1970 05.10.2012
3. Vorteil
Zitat von sysopDPADer Anteil der Beschäftigten mit Minijob hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Dabei sind es laut Arbeitsagentur nicht nur Schlechtbezahlte, die sich etwas dazuverdienen. Zugenommen hat die Zahl vor allem in reichen Ländern wie Baden-Württemberg. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zahl-der-beschaeftigten-mit-zweitjob-mehr-als-verdoppelt-a-859678.html
Ein Zweitjob hat aus meiner Sicht den Vorteil, dass das Leben vielfaeltiger wird und man zusaetzlich etwas besser abgesicher ist. Erst- und Zweitjob sollte sich natuerlich iregdnwie sinnvoll ergaenzen.
zynik 05.10.2012
4.
Zitat von sysopDPADer Anteil der Beschäftigten mit Minijob hat sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Dabei sind es laut Arbeitsagentur nicht nur Schlechtbezahlte, die sich etwas dazuverdienen. Zugenommen hat die Zahl vor allem in reichen Ländern wie Baden-Württemberg. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zahl-der-beschaeftigten-mit-zweitjob-mehr-als-verdoppelt-a-859678.html
Tjo, so sieht eben das hochgelobte amerikanische Lebensmodell aus. Erfolg, Freiheit und so. Follow the "american dream". ;-)
mxmx 05.10.2012
5. mxmx
>Gegen diese These spricht jedoch, dass vor allem >Beschäftigte in reichen Teilen Deutschlands nebenbei jobben. Im gegenteil: "reiche" Regionen sind i.d.R. auch besonders teuer, vor allem was die Miete angeht. Wer dann nur "normal" verdient, hat dann bereits ein Problem.
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