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Zuwanderung: Eine Viertelmillion Rumänen und Bulgaren arbeiten in Deutschland

Die Zahl von Rumänen und Bulgaren mit Job in Deutschland hat sich binnen eines Jahres nahezu verdoppelt: Fast 260.000 Menschen aus den beiden Ländern arbeiteten im Herbst hier, zeigt eine Erhebung, die manche Vorurteile entkräften kann.

Rumänische Erntehelferin in Sachsen: Arbeitnehmerfreizügigkeit genutzt Zur Großansicht
DPA

Rumänische Erntehelferin in Sachsen: Arbeitnehmerfreizügigkeit genutzt

Nürnberg - Die Arbeitnehmerfreizügigkeit für Menschen aus Bulgarien und Rumänien zeichnet sich deutlich auf dem deutschen Arbeitsmarkt ab. Im Oktober waren hierzulande rund 257.000 Bulgaren und Rumänen beschäftigt - gut 125.000 mehr als im Dezember 2013, wie das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) mitteilte. Demnach lebten im November rund 534.000 Bulgaren und Rumänen in Deutschland, etwa 120.000 mehr als im Dezember 2013.

Auch die Beschäftigungsquote erhöhte sich deutlich. Sie lag im Oktober dieses Jahres bei 56 Prozent (Oktober 2013: 43 Prozent). Der starke Anstieg könne dadurch erklärt werden, dass viele der bereits in Deutschland lebenden Bulgaren und Rumänen die neuen Beschäftigungsmöglichkeiten infolge der Arbeitnehmerfreizügigkeit genutzt hätten, sagte IAB-Experte Herbert Brücker.

Bulgaren und Rumänen zählten zu den "relativ gut integrierten Ausländergruppen im deutschen Arbeitsmarkt". Insbesondere sei die Arbeitslosenquote unter Rumänen niedriger als im Bundesdurchschnitt. Allerdings ist die Lage laut IAB regional sehr unterschiedlich. In den Großstädten seien die Arbeitslosen- und Hartz-IV-Quoten unter Bulgaren und Rumänen höher als auf dem Land.

Keine Belege für das Kindergeld-Vorurteil

Die Arbeitslosenquote der in Deutschland lebenden Bulgaren und Rumänen lag im Oktober 2014 bei 9,2 Prozent und ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 0,3 Prozentpunkte gesunken. Die Quote der Hartz-IV-Bezieher stieg allerdings an, und zwar von 10,9 Prozent im Dezember 2013 auf 14,1 Prozent im September 2014. Das war jedoch immer noch weniger als die Hartz-IV-Quote unter Ausländern in Deutschland insgesamt, die bei 16 Prozent lag.

IAB-Experte Brücker widersprach Annahmen, dass viele Rumänen und Bulgaren vor allem wegen des Anspruchs auf Kindergeld nach Deutschland kämen. Nur für 16,8 Prozent der Kinder aus bulgarischen und rumänischen Familien bestand demnach im November Kindergeldanspruch. Im Durchschnitt der ausländischen Bevölkerung lag dieser Anteil bei 27,1 Prozent und im Gesamtdurchschnitt bei 17,8 Prozent. "Für die Hypothese, dass viele Bulgaren und Rumänen wegen des Anspruchs auf Kindergeld nach Deutschland kommen, gibt es vor dem Hintergrund dieser Zahlen keine statistischen Belege", sagte Brücker.

Bulgaren und Rumänen haben seit Anfang 2014 die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa. Das heißt, sie dürfen wie alle anderen Bürger der Europäischen Union in Deutschland und anderen EU-Mitgliedsländern uneingeschränkt arbeiten. Die Neuerung hatte für heftige Debatten über eine angebliche "Armutszuwanderung" aus den beiden Staaten gesorgt.

Für das Jahr 2015 erwartet IAB-Experte Brücker - abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung - dass etwa 100.000 bis 150.000 Menschen aus Rumänien und Bulgarien nach Deutschland kommen.

mmq/AFP

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1. Seit wann,
LauschenIstTerror 30.12.2014
kann man difuse Ängste mit Argumenten und Statistiken beseitigen? "Hat sich binnen eines Jahres nahezu verdoppelt", ist doch das einzige was bei Paranoikern hängenbleibt und das Herz zum Rasen bringt.
2. die frage ist doch.
kevinschmied704 30.12.2014
könnten wir allein mit unseren arbeitern die gleiche ernte einfaren? bzw. lassen sich überhaupt in deutschland noch so viele finden, die es freiwillig machen würden? es ist wie immer es wird zwar gemault, aber bestimmte arbeit mag der elitäre westeurpäer auch nicht unbedingt machen... mfg
3. Na sicher das
götzvonberlichingen_2 30.12.2014
Zitat von kevinschmied704könnten wir allein mit unseren arbeitern die gleiche ernte einfaren? bzw. lassen sich überhaupt in deutschland noch so viele finden, die es freiwillig machen würden? es ist wie immer es wird zwar gemault, aber bestimmte arbeit mag der elitäre westeurpäer auch nicht unbedingt machen... mfg
Na sicher würden wir das wuppen. Alleine die ganzen Pegidia Jünger würden diese Arbeit sehr gerne machen. Damit deutscher Spargel wieder ohne fremdländische Hilfe auf deutsche Teller gelangt. Kann aber auch sein, dass die Pegidias schon ausgelastet sind, weil die ja bereits bei Mc Donald & Co. die Jobs von den faulen Ausländern übernommen haben. Eventuell wären aber die NPD Mitglieder bereit hier in die Bresche zu springen?
4. Nicht zu diesem Preis
mercury8 31.12.2014
Zitat von kevinschmied704könnten wir allein mit unseren arbeitern die gleiche ernte einfaren? bzw. lassen sich überhaupt in deutschland noch so viele finden, die es freiwillig machen würden? es ist wie immer es wird zwar gemault, aber bestimmte arbeit mag der elitäre westeurpäer auch nicht unbedingt machen... mfg
Das Phenomän ist auch in den hochqualifizierten Berufen angekommen. Warum versteht man die Sprache vieler Klinikärzte so schwer? Das Pflegepersonal ebenfalls? Beides sollten normalerweise gut bezahlt werden. Die Realität sieht anders aus! Es studieren genügend Deutsche Medizin, warum ist der Arbeitsmarkt in D für diese so unattraktiv? Lohndumping infiziert schleichend immer mehr Berufssparten!
5.
SirTurbo 31.12.2014
Zitat von mercury8Das Phenomän ist auch in den hochqualifizierten Berufen angekommen. Warum versteht man die Sprache vieler Klinikärzte so schwer? Das Pflegepersonal ebenfalls? Beides sollten normalerweise gut bezahlt werden. Die Realität sieht anders aus! Es studieren genügend Deutsche Medizin, warum ist der Arbeitsmarkt in D für diese so unattraktiv? Lohndumping infiziert schleichend immer mehr Berufssparten!
Deshalb gehe ich nur noch im Notfall zum ZA^^ Mein arabisch fällt unter nicht vorhanden, sein deutsch unter "bestenfalls naja". Und da man über die Arbeit reden sollte bevor man fremde Hände im Mund hat ist das sehr unpraktisch. Eine andere Praxis habe ich keine Lust drauf, ich hab schon haufenweise miese durch. Diese arbeitet im mittleren Bereich, versucht die Kunden nicht auszunehmen und hat lange offen. Bliebe nur in der Praxis einen anderen Arzt zu fordern...
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