Drastischer Anstieg: Fast 300.000 Bundesbürger haben keine Wohnung

Obdachloser in Berlin: Steigerung um zehn Prozent in zwei Jahren Zur Großansicht
DPA

Obdachloser in Berlin: Steigerung um zehn Prozent in zwei Jahren

Immer mehr Menschen in Deutschland verlieren ihr eigenes Dach über dem Kopf. Seit 2010 ist ihre Zahl um 15 Prozent auf 284.000 gewachsen. Mehr als 30.000 Kinder sind betroffen. Die Situation könnte sich in den kommenden Jahren noch deutlich verschärfen.

Berlin - Deutschland wird stetig reicher - doch gleichzeitig reicht es bei immer mehr Menschen in der Bundesrepublik nicht mehr für eine eigene Wohnung. In den Jahren 2010 bis 2012 ist ihre Zahl einer Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) drastisch um 15 Prozent gestiegen.

Demnach waren im vergangenen Jahr 284.000 Menschen in Deutschland wohnungslos, darunter 32.000 Kinder und minderjährige Jugendliche. Rund 24.000 Bundesbürger hatten gar kein Obdach, lebten also auf der Straße. Das sind zehn Prozent mehr als noch Ende 2010.

Und die Situation könnte sich in den kommenden drei Jahren sogar noch erheblich verschärfen, befürchtet der 1954 gegründete Hilfsverband, in dem etwa 1200 soziale Dienste und Einrichtungen zusammengeschlossen sind. Demnach könnte die Zahl der Wohnungslosen bis zum Jahr 2016 auf 380.000 anwachsen.

Die Wohnungslosenstatistik beruht auf eigenen Untersuchungen der BAGW. Die Schätzungen seien eher konservativ, sagte Specht. Das wahre Ausmaß dürfte noch größer sein. Er beklagte, dass bislang nur Nordrhein-Westfalen die Zahl der Wohnungslosen systematisch erfasse. Er forderte die Einführung einer entsprechenden Statistik für das gesamte Bundesgebiet.

Jungen Hartz-IV-Empfängern wird Mietübernahme gestrichen

Grund für den drastischen Anstieg sind der Arbeitsgemeinschaft zufolge extrem gestiegene Mietpreise vor allem in Ballungsgebieten. Gleichzeitig verarmten die unteren sozialen Schichten, sagte BAGW-Geschäftsführer Thomas Specht. Ein schnelles Umsteuern auf dem Wohnungsmarkt sei zudem schwierig.

Als wohnungslos gelten Menschen, die keinen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum verfügen. Die meisten von ihnen leben laut BAGW bei Bekannten und Verwandten oder in Hilfseinrichtungen. Viele Hartz-IV-Empfänger unter 25 Jahren hätten ihre Wohnung verloren, weil ihnen als Sanktionierungsmaßnahme die Kostenerstattung für gestrichen wurde. "Das halten wir für verfassungswidrig", sagte Specht. Drei Viertel der Wohnungslosen sind der BAGW zufolge alleinstehende Männer.

Der Hilfsverband fordert als Konsequenz mehr sozialen Wohnungsbau. Dieser müsse künftig zudem auch auf Bundesebene koordiniert werden. Auch müssten mehr Präventionsstellen in Städten und Gemeinden geschaffen werden.

Selbst wer eine eigene Wohnung hat, lebt oft in sehr beengten Verhältnissen. Laut Statistischem Bundesamt wohnten im Jahr 2011 sieben Prozent der Bevölkerung in Deutschland in zu kleinen Wohnungen. Das sind rund 5,6 Millionen Bundesbürger.

fdi/AFP/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 132 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
meging 01.08.2013
Zitat von sysopDPAImmer mehr Menschen in Deutschland verlieren ihr eigenes Dach über dem Kopf. Einer Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zufolge ist ihre Zahl seit 2010 um 15 Prozent auf 284.000 gewachsen. Der Verband befürchtet, der Anstieg könne sich noch drastisch verschärfen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zahl-der-wohnungslosen-ist-in-deutschland-drastisch-gestiegen-a-914380.html
Um diesen Menschen zu helfen ist kein Geld da, schliesslich muss der Euro gerettet werden.
2. 8 Jahre Merkel
Kohle&Reibach 01.08.2013
Zitat von sysopDPAImmer mehr Menschen in Deutschland verlieren ihr eigenes Dach über dem Kopf. Einer Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zufolge ist ihre Zahl seit 2010 um 15 Prozent auf 284.000 gewachsen. Der Verband befürchtet, der Anstieg könne sich noch drastisch verschärfen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/zahl-der-wohnungslosen-ist-in-deutschland-drastisch-gestiegen-a-914380.html
man merkt es an allen Ecken und Kanten. Dazu kommt das verstärkte schönreden und manipulieren von Arbeitslosenstatistik und anderen wirtschaftlichen und sozialen Dingen.
3. Und in Deutschland
danyffm 01.08.2013
gibt es keine Armut. Frau Merkel treten sie endlich mit Ihren Schaumschlagern zurück!!!!!
4. Fast 300.000 Bundesbürger haben keine Wohnung
cyranodemadrid 01.08.2013
Das ist zweifellos Fr. Markel zu verdanken, sie ist ja so liberal und antisozial, "der Markt wird es schon richten". Nur die Oposition wûrde es nicht viel besser machen, die sind alle einige Nummern zu klein und mittelmâssig.
5. eine beschissene Welt
AndyK 01.08.2013
Die Parteien tun alle nur etwas für die Reichen. Und schon im Neuen (oder Alten?) Tetament steht, dass man in der Welt nicht dem gibt, der nichts hat, sondern dem, der am meisten hat. Und das Wenige, was die Armen haben, nimmt man ihnen noch...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Obdachlosigkeit
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 132 Kommentare