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Zahlungsprobleme: Pharmakonzern stoppt Lieferung an griechische Krankenhäuser

Die Schuldenkrise in Griechenland wirkt sich immer stärker auf das Leben der Bürger aus. Weil staatliche Krankenhäuser ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können, hat der Schweizer Pharmakonzern Roche seine Lieferungen gestoppt. In einigen Häusern könnten nun wichtige Medikamente knapp werden.

Roche-Zentrale in Basel: "Irgendwann ist das Geschäft nicht mehr tragbar." Zur Großansicht
REUTERS

Roche-Zentrale in Basel: "Irgendwann ist das Geschäft nicht mehr tragbar."

New York - Wegen der griechischen Schuldenkrise gerät offenbar auch die medizinische Versorgung des Landes in Gefahr. Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat Lieferungen von Medikamenten an einige zahlungsunwillige Krankenhäuser in Griechenland gestoppt. Dabei geht es unter anderem um wichtige Mittel gegen Krebs.

Die staatlich finanzierten Einrichtungen hätten ihre Rechnungen zum Teil seit drei oder vier Jahren nicht mehr beglichen, sagte Konzernchef Severin Schwan dem "Wall Street Journal". "Irgendwann kommt der Punkt, an dem das Geschäft nicht mehr tragbar ist."

Schwan betonte allerdings, das Unternehmen werde im Gegenzug seine Lieferungen an griechische Apotheken erhöhen, um die Versorgung der Patienten sicherzustellen.

Andere Krisenländer könnten bald ähnliche Probleme bekommen. Ein Lieferstopp komme auch für Spanien in Frage, sagte Schwan. Auch seien einzelne staatliche Krankenhäuser in Portugal und Italien mit Zahlungen im Rückstand.

Die staatlichen griechischen Krankenhäuser haben hohe Schulden bei den Pharmakonzernen. Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf den griechischen Pharmaverband berichtet, seien Ende Juni 2011 nur 37 Prozent der seit Anfang 2010 gelieferten Medikamente bezahlt gewesen. Die Medikamente hätten einen Gesamtwert von 1,9 Milliarden Dollar.

Das Ende Juni auf Druck der anderen Euro-Länder verabschiedete Sparpaket dürfte die Lage noch einmal verschärft haben. Laut dem Programm sollen allein in diesem Jahr 310 Millionen Euro im Gesundheitssektor eingespart werden. Bis 2015 sollen weitere 1,43 Milliarden Euro hinzukommen.

Griechenland ist hoch verschuldet. Weil es selbst kein Geld mehr zu akzeptablen Zinsen am Kapitalmarkt aufnehmen kann, wird es seit dem vergangenen Jahr von den übrigen europäischen Staaten und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) finanziert. Erst im Juli hatten die Euro-Länder ein zweites Hilfspaket in Höhe von insgesamt 109 Milliarden Euro verabschiedet. Im Gegenzug verlangen sie, dass die griechische Regierungen die vereinbarten Sparziele erreicht.

stk/Reuters

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insgesamt 195 Beiträge
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1. unverständlich
weltbetrachter 17.09.2011
Seit drei bis vier Jahren wurden Rechnungen nur teilweise oder gar nicht beglichen. Das kann doch niemand verstehen. . Nach spätestens 5 Monaten kommt ein gerichtlicher Mahnbescheid und dann der Gerichtsvollzieher. . Wenn Pharmakonzerne so lange auf ihr Geld warten und nichts unternehmen, ist denen auch nicht zu helfen.
2. Pleite?
Ray Cohen 17.09.2011
Das Land steht nicht vor der Pleite, sondern mitten in der Pleite! Ich bin pro Rettung, aber nur wenn Griechenland einige wirtschaftspolitische Macht an die EU abgibt. Die EU sollte nicht nur den Haushalt absegnen, sondern den Haushalt vorgeben. Das wird sonst ein Fass ohne Boden.
3. Sache der Staaten
ratxi 17.09.2011
Zitat von sysopDie Schuldenkrise in Griechenland schlägt immer stärker auf das Leben der Bürger durch. Weil staatliche Krankenhäuser ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können, hat der Schweizer Pharmakonzern Roche seine Lieferungen gestoppt. In einigen Häusern könnten nun wichtige Medikamente knapp werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,786794,00.html
Man kann von einen Wirtschaftsunternehmen nicht erwarten, etwas zu liefern, wenn es sehr wahrscheinlich keine Gegenleistung dafür gibt. Eine Sicherstellung der Versorgung der Menschen mit wichtigen Gütern ist Sache der Staaten, nicht der Firmen.
4. Gleichheit
whitemouse 17.09.2011
Zitat von sysopDie Schuldenkrise in Griechenland schlägt immer stärker auf das Leben der Bürger durch. Weil staatliche Krankenhäuser ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können, hat der Schweizer Pharmakonzern Roche seine Lieferungen gestoppt. In einigen Häusern könnten nun wichtige Medikamente knapp werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,786794,00.html
Keine gemeinsame Wirtschafts- und Sozialpolitik, aber eine Währungsunion - das sind die Folgen. Wenn in der Gesundheitsversorgung das Geld entscheidend ist, dann ist ein Gemeinwesen im Grunde schon zusammengebrochen. Schließlich ist Gleichheit vor dem Arzt für die meisten Menschen weit wichtiger als die Gleichheit vor dem Gesetz.
5. 4 Jahre
martin-gott@gmx.de 17.09.2011
keine Rechnungen bezahlt. Was gelten denn hier für Verjährungsfristen. So kann man auch einiges an Schulden abbauen.
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fakten zur Euro-Zone

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Milliarden für Griechenland - Die Ergebnisse des Euro-Gipfels
Neue Kredite
Griechenland soll vom europäischen Krisenfonds für wackelnde Eurostaaten (EFSF) Kredite zu niedrigen Zinssätzen von rund 3,5 Prozent bekommen. Die Laufzeiten der Kredite sollen von bisher siebeneinhalb Jahren auf 15 bis 30 Jahre gestreckt werden. Ein umfangreiches Wachstums- und Investitionsprogramm soll Griechenland in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission wieder auf die Beine bringen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird angehalten, sich am Hilfsprogramm zu beteiligen. Auch die Laufzeiten der Kredite aus dem bereits existierenden Rettungsprogramm von 2010 sollen deutlich verlängert werden.
Einbeziehung von Banken
Der Finanzsektor wird sich auf freiwilliger Basis mit einer Reihe von Optionen an der Rettung Griechenlands beteiligen. Der Nettobeitrag der Banken soll bei 37 Milliarden Euro liegen - für die Zeit von jetzt bis 2014. Zusätzlich wird ein Betrag von 12,6 Milliarden Euro genannt für ein Schuldenrückkaufprogramm. Legt man den Zeitraum von 2011 bis 2019 zugrunde, beträgt der Nettobeitrag des privaten Sektors laut Abschlusserklärung 106 Milliarden Euro.
Neue Aufgaben für Krisenfonds
Der EFSF-Fonds bekommt neue Aufgaben. Er kann künftig zum Ankauf von Staatsanleihen genutzt werden - aber unter strikten Bedingungen. Zudem soll der Rettungsfonds vorbeugende Programme für Wackelkandidaten im Eurogebiet auflegen dürfen. Der EFSF wird nicht aufgestockt.
Irland/Portugal
Auch für Portugal und Irland, die ebenfalls von milliardenschweren Hilfsprogramm der Partner profitieren, sollen die Ausleihbedingungen des EFSF gelten.
Budgetdefizite
EU-weit sollen Budgetdefizite bis 2013 möglichst auf unter drei Prozent gedrückt werden. Das Sparpaket Italiens, mit dem dies bis 2012 erreicht werden soll, fand lobende Worte. Ebenso wurden die Reformanstrengungen von Spanien begrüßt.
Banken-Stresstest
Für durchgefallene Banken sollen die Euro-Länder entsprechende Auffangmaßnahmen bereitstellen.
Mehr wirtschaftliche Koordination
Bei der geplanten Wirtschaftsregierung machen die Staats- und Regierungschefs Druck: Die seit Anfang Juli amtierende polnische EU-Präsidentschaft hat den Auftrag, die festgefahrenen Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament voranzubringen.
Weniger Macht für Rating-Agenturen
Die Regierungschefs sind sich einig, dass die Macht der Rating-Agenturen eingedämmt werden muss. Vorschläge der Kommission zum Umgang mit den Agenturen werden erwartet. Außerdem wollen die Europäer eine eigene international bedeutende Rating-Agentur etablieren.
Besseres Krisenmanagement
In der Euro-Zone soll das Krisenmanagement verbessert werden. Bis Oktober sollen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, konkrete Vorschläge machen.

Fotostrecke
Grafiken: Die wichtigsten Fakten zur Euro-Krise

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