Zahlungsrückstände Griechenland vertröstet deutsche Unternehmen

Die griechische Regierung schuldet Siemens, Hochtief und anderen deutschen Firmen rund 500 Millionen Euro. Der Finanzminister des Pleite-Staats gibt zu: Auf das Geld müssen sie noch ein wenig länger warten.

Giorgos Papakonstantinou: "Ich täte nichts lieber, als alle Rückstände zu begleichen"
DPA

Giorgos Papakonstantinou: "Ich täte nichts lieber, als alle Rückstände zu begleichen"


Athen - Griechenlands Schulden bei der Privatwirtschaft werden beglichen, aber langsamer als geplant: Finanzminister Giorgos Papakonstantinou gestand im Interview mit dem "Handelsblatt": "Ich täte nichts lieber, als alle Rückstände auf einen Schlag zu begleichen - aber das kann ich einfach nicht." Athen sei aber dabei, "diese ausstehenden Zahlungen zu beschleunigen". Laut der Zeitung steht das Land mit 500 Millionen Euro unter anderem bei Siemens und Hochtief in der Kreide.

Insgesamt schuldete der Pleite-Staat nach Angaben des Finanzministeriums Ende 2010 der Privatwirtschaft insgesamt 5,35 Milliarden Euro. Das trifft vor allem die eigene Wirtschaft: Mehrere Baufirmen seien bereits an den Rand der Insolvenz gerutscht, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Branchenkreise.

Die Forderungen von Siemens belaufen sich laut "Handelsblatt" auf eine Summe im zweistelligen Millionenbereich, zumeist handele es sich dabei um Infrastruktur-Aufträge aus der Zeit vor den Olympischen Spielen 2004. Hochtief sei unter anderem an zwei Mautstraßen in Griechenland beteiligt und warte auf etwa sieben Millionen Euro.

Trotz der Finanzlage lehnt Papakonstaniou eine Umschuldung ab: "Die umfangreichen Reformen werden zu Wachstum führen." Papakonstantinou reagierte damit auf Berichte, für Griechenland werde ein Schuldenschnitt unvermeidlich.

Wie genau die Regierung in Athen auf Wachstumskurs kommen will, ist unklar. Als sicher gilt, dass der Staat mehrere Unternehmen privatisieren wird, darunter auch Häfen und Flughäfen. In den nächsten Tagen will die Regierung ein Spar- und Reformprogramm präsentieren, mit dem die Wirtschaft des Landes angekurbelt werden soll.

Gerüchte über einen Schuldenschnitt halten trotzdem an: Finanzexperten und auch Abgeordnete der regierenden Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok) sehen diesen Schritt als unvermeidlich an. "Je früher, desto besser" wurde der Pasok-Abgeordnete Paris Koukoulopoulos in der regierungsnahen Athener Zeitung "Ta Nea" zitiert.

sdm/dpa-AFX

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insgesamt 14 Beiträge
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Tastenhengst, 13.04.2011
1. Soll der Deutsche doch die Rechnungen zahlen!
Der rettungsschirm ist notwendig, weil unsere wirtschaft ja so viel von den geschäften mit den pleiteländern hat.
bigcanvas 13.04.2011
2. Ja und?
Forderungsausfälle gehören doch zur Freien Marktwirtschaft. Daher dürfen sie auch nicht über irgendwelche hirnrissige Rettungsschirme sozialisiert (d.h. auf die Steuerzahler abgewälzt) werden. Schließlich verteilen Siemens, Hochtief und Co. ihre Gewinne auch nicht an die Steuerzahler.
h_grabowski 13.04.2011
3. Macht nichts...
Die Unternehmen werden dem gelassen entgegen sehen...Zuerst schreiben sie die ausstehenden Zahlungen als Verluste ab, und danach wird die deutsche Regierung schon für die Forderungen einspringen... Ansonsten werden halt ein paar Arbeitnehmer entlassen. Was soll's.
Baracke Osama, 13.04.2011
4. --
Zitat von TastenhengstDer rettungsschirm ist notwendig, weil unsere wirtschaft ja so viel von den geschäften mit den pleiteländern hat.
Anstatt den Pleteländern Geld zu leihen damit sie dann unsere Ware kaufen, können wir doch gleich die Ware verschenken.
syramon 13.04.2011
5. Das sind doch Peanuts
Zitat von sysopDie griechische Regierung schuldet Siemens, Hochtief und anderen deutschen Firmen rund 500 Millionen Euro.*Der Finanzminister des Pleite-Staats gibt zu: Auf das Geld müssen sie noch ein wenig länger warten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,756814,00.html
schon jetzt, und später dann ab 2013, garantiert Merkel mit dem Geld des deutschen Steuerzahlers für 3-stellige Millardenbeträge und 2-stellige direkt überwiesene Milliarden in der beschlossenen EU-Transferunion. Die läppischen Milliönschen für die Industrie, sind dann bedeutungslos. Ich frage mich allerdings, woher wollen die Parteien, die ja allesamt für die Transferunion stimmten, bei dem Schuldenstand von Bund, Ländern und Gemeinden den 750 Milliarden Rettungsschirm auf Dauer tragen. Die ersten sprechen auch schon davon, das dieser auch schon nicht mehr ausreicht und man schon gerne verdoppeln möchte. Das wird mit Sicherheit eine (fast) unendliche Geschichte.
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